Profanes G.

Ab und zu ist Glück, das wie Schicksal erscheint, auch im Übermaß für nichtige Dinge vorhanden. Zum Beispiel, wenn man sich im Frühling halb schweren Herzens gegen zwei Paar Schuhe entschieden hatte, die man nun genau in seiner Größe zum Sommerende für je die Hälfte des Preises bekommt.

Endlich

Kennt ihr dieses Seufzen, das man bei manchen Leuten über ihre Social Media-Accounts so deutlich hören kann? Dieses Ach-jetzt-bin-ich-endlich-angekommen!, welches sie uns mit Photos von der tollen Verlobten oder der so hübschen Ehefrau und Urlaubsbildern aus der väterlichen Elternzeit senden (ohne das Kind zu zeigen, denn das würde dann doch über all die Prinzipien gehen, die man zuvor während der eigenen Social-Media-stillen Zeit propagiert hat)?!

Männer, die sonst eher schweigend vor sich hingelebt haben, werden auf einmal aktiv und demonstrieren ihren Stolz. Und irgendwie, irgendwie bekommt man den Eindruck, dass sie darauf, genau auf dieses Leben die letzten … sagen wir mal … 17 Jahre gewartet haben. Das aber nie zugeben wollten.

Im Jugendzimmer

Viel zu süß, irgendwie noch nicht geschmackssicher, nach Vanillebodylotion und Kokossonnenmilch riecht die Fünfzehnjährige. Viel zu stark, noch nicht pflegesicher, nach zu viel Moschusdeo und Schweiß riecht der Sechzehnjährige. Düfte der Jugend verschränken sich so wie die bejeansten Beine auf dem von Mama bezogenen Bett ineinander. Kuschelmusik mischt sich mit den Staubsaugergeräuschen vor der Zimmertür.

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Verlieben

Manchmal habe ich Angst, dass man sich nur einmal im Leben richtig verlieben wird. Damit meine ich keine Teenie-Liebe, keine Schwärmerei; sondern ich meine das Verlieben, das zu Liebe führt. Ich glaube fast, dass man nur zu einer bestimmten Zeit seines Lebens bereit ist, sich so zu geben, dass man jemanden bedingungslos lieben wird. Vielleicht ist das schwachsinnig – ja, wahrscheinlich ist es das. Zu viele Menschen verlieben sich ständig neu. Zu viele Menschen können nach zu vielen Beziehungen immer noch lieben. Ich konnte das bisher nicht.

Zwar hatte ich, seitdem ich denken kann, einen Schwarm (schon im Kindergarten fand ich bestimmte Jungs toller als andere), aber der erste Kuss ließ bis zur Oberstufe auf sich warten. Dann holte ich zwar rasch die mangelnde Erfahrung nach – doch ich verliebte mich nicht. Dafür brauchte ich anscheinend das Abitur.

(Auszug aus meinem Roman Rastlos. Bei Interesse an ihm, könnt ihr euch gerne per PN an mich wenden.)

Verdammt unperfekt

Manchmal fühle ich mich fast gezwungen, bestimmte Dinge schön und gut zu finden, einfach, weil ich so oft auf sie gestoßen werde. Wieder und wieder. Und nach einiger Zeit stumpfe ich ab und verpflichte mich doch, sie mir näher anzusehen, ihnen mehr Chancen zu geben, als ich ihnen ohne die dauernde Präsenz eingeräumt hätte. (Gegenüber meinen Schülern ist das eine gute Charaktereigenschaft meinerseits … )

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Schlussrede

„Ohne dich habe ich mich vollkommen im Griff, denn ohne dich kann ich sein, wie ich will, weil ich so bin, wie ich nur dann sein kann. Bei dir zu sein macht mich fertig. Ich trau mich kaum, meine Meinung zu äußern, weil du dann in deinen argumentativen Lehrerstil verfällst. Ich hasse das. Habe ich dir noch nicht gesagt, dass ich keinen Respekt vor Leuten habe, die von sich selbst glauben, eine Autorität zu sein, ohne Autorität durch ihren Charakter zu besitzen?“ Ich habe eine kurze Pause gemacht, dann habe ich gesagt: „Ich liebe dich nicht und ich will nicht mit dir zusammen sein. Das hätte ich dir viel früher sagen sollen. Es tut mir Leid, dass ich unsere Zeit verschwendet habe, aber jetzt ist genug.“ Dann habe ich mich umgedreht, bin durch die wenigen, aber gaffenden Menschen gegangen, habe das Gebäude verlassen, bin entlang der Spree zum Dom gekommen, bin immer weiter und weiter und weiter, bis ich Friedrichshain erreicht hatte. Und als ich nach zwei Stunden in der WG ankam, empfing mich ein Bewohner und meinte: „Dein Freund hat seine Sachen abgeholt.“

Ich habe gelacht, erleichtert gelacht: „Zum Glück ist das vorbei.“ – Und das war es dann auch. Wir haben uns nie mehr gesehen und nicht einen Tag habe ich ihn vermisst oder wollte ihn zurück. Ich wollte keine Fesseln, Diskussionen, keine Eifersuchtsanfälle und keine Rechtfertigungen mehr. Ich wollte nur noch meine Freunde und meine Freiheit. Sonnenstrahllächeln legten sich immer mal wieder und einfach so auf mein Gesicht. Und ich kann wieder der Welt entrücken, ohne dass mich jemand so ansieht, als sei ich geistig zurückgeblieben.

(Auszug aus meinem Roman Rastlos.)

Was fehlt

Eigentlich findest du dich gut. Und das erste Wort könnte man auch weglassen, wenn es dann nicht so eingebildet klingen würde. Also. Du findest dich gut, seitdem du an deinem Körper gearbeitet hast und die Fotos von dir wunderhübsch werden können, weil du mittlerweile die Posen kennst, die dich vorteilhaft zeigen. Und du bist interessant, weil du von vielen Dingen Ahnung hast, bei Themen mitreden kannst, dich für die Verbesserung der Welt interessierst und dich einsetzt, auch indem du SocialMedia-Kanäle benutzt, um das zu teilen.

Trotz alledem fehlt etwas, fehlt jemand. Die Person, die dir das Gefühl gibt, dass all das für sie stimmt. Die dir bestätigt, was du eigentlich weißt. Und es müsste ein Er sein. Einer, den du liebst und der dich liebt. Auf Dauer wirst du so alleine unter Freunden nicht glücklich sein.