Die Pfeife (Charaktere)

Nä, geil. Voll lang nich gesehen und so. Was machstn noch so? Ach? Echt? Hohes Tier jetzt oder was? Krass gelaufen bei dir, wa? Hat ja eigentlich echt beschissen angefangen, oder? Na, mein ich doch. So mit dem Rausschmiss vonner Schule wegen Drogen. Aber im Knast warste nicht, oder? Jugendstrafe. Haste echt Glück gehabt. Mein lieber Scholli. Hätt‘ dir ja das ganze Leben verpfuschen können …

Nee, von dem hab ich nichts mehr gehört. Ist der nicht bei Berti angestellt? Doch, ich mein schon. Was anderes hat der doch auch gar nicht gekricht. Nee, die Ausbildung hat der nie zu Ende geschafft. Ach was. Wenn de immer im Suff bist oder nen Kater hast – da kannste das schön vergessen mit der Lehrstelle. Dabei war der gut auf der Berufsschule. Aber: Keine Kunst, wa? Ha.

Ich? Doch, doch, ich hab die drei Jahre beendet. War nich immer leicht. Auf keinen Fall. War ja auch nicht grad mein Traumjob, aber nach der Sache damals, da konnt ich doch echt froh sein, dass mich überhaupt wer genommen hat. Ey, doch klar hab ich auch drunter gelitten. Was denkst du denn? Ja, sicher, als hätt ich aus der Nummer noch Kohle ziehen können. So ’n Bull. Wie das denn?

Weil ich dich verpfiffen hab … Weil ich … Was?! Hast de einen anner Klatsche? Wat soll ich denn gesagt haben? Und als ob die Bullen … Ey, jetzt pack ma das Ding wieder rein. Ey! Alter! Biste …

Gefühlig (Charaktere)

Ja, ich weiß, krass oder? Als ich den angesehen habe, da war direkt so n Gefühl in mir und ich wusste: für immer. OK, ja, ich weiß schon, das hab ich beim Letzten auch gesagt, aber diesmal ist’s echt so. Und weil’s für immer sein wird, sind wir verlobt. OK, das ging wieder schnell. Aber he, wenn man sich sicher ist, kann man das doch durch nen Ring zeigen, oder? Also ich fand’s supersüß, wie der so auf einmal vor mir stand, n bisschen schissig und nich so wirklich rauswollte … nee, rauskonnte mit den Worten. Der hat mir nen total schönen Ring gekauft, so mit nem kleinen blauen Steinchen in nem Herzen. Das ist echt Gold. Bestimmt.

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Entschwundenes Wissen (Charaktere)

Der Gedanke daran schnürt dir bereits nun die Luft ab. Und keiner kann es wirklich verstehen. Glaubst du. Du fühlst dich dumm und kindisch und hilflos. Dein Leben, du weißt es, dein Leben wird erst losgehen, wenn du das jetzt endlich durchstehen wirst. Du musst durchhalten. Du musst. All deine Pläne werden sonst unerfüllt bleiben, all deine Ziele unerreicht.

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Versteckte Intelligenz (Charaktere)

Ziemlich cool, ne? Gehste so gegen zehn ausm Haus, ab ins Auto, Dach runter, Motor an, Arm baumeln, los geht’s. Voll der Sommer und schon morgens heiß. Und ja, Waldbrandgefahr, aber haben ja eh genug von dem Grünzeug um die Stadt rum. Hauptsache, die Straßen bleiben frei und man kann heizen. Treff mich gleich erstmal mit’n paar Kumpels am Freibad, ok, Liegewiesen sind noch nass, aber egal. Erst sowieso Sportprogramm: Aufwärmen, Muskeln spielen lassen, Liegestützrekord brechen, ein paar Sprints ausm und im Wasser, mal springen, erst gekonnt, dann mit Arschbombe, und relaaaaxen.

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Hubschraubend (Charaktere)

Das Wichtigste? Ich glaube, das ist für mich, dass wir sie zur Eigenständigkeit erziehen. Sie sollen ja … Susanna, buddel nicht zu tief! … sie sollen ja selbst denken lernen, sollen Entscheidungen treffen können … Weil wir nicht wissen, was da so alles verbuddelt worden ist! … Ja, und sich zu Dingen entschließen fordert immerhin Eigenständigkeit. Natürlich möchte ich auch nicht, dass sie ewig an meinem Rockzipfel hängen, sondern ich möchte ihnen ermöglichen … Nein, du darfst nicht alleine zum Büdchen gehen, das weißt du doch. Das machen wir gleich gemeinsam … Also ich möchte ihnen eigentlich alles ermöglichen. Wenn sie irgendwann durch Neuseeland backpacken wollen, sollen sie das tun. Natürlich, jede Mutter hat dabei Ängste auszustehen, das ist ganz klar, aber ich fand es eine tolle Erfahrung damals, und das sollen meine Kinder auch mitnehmen können. … Susanna, ja, ich weiß, dass Annabell zum Kiosk gehen darf, aber ich habe dir schon mal was dazu gesagt. Es gibt einfach zu viele Irre hier in der Stadt. … Jedenfalls sollen meine Kinder Freiheit kennenlernen. Das gilt ja im Grunde auch schon heute. … Komm zurück! Ich habe dir gesagt, dass ich nicht möchte, dass du zu weit von mir weg gehst. Und du weißt auch ganz genau, dass ich nicht will, dass du mit Justus spielst. Doch. Das habe ich dir schon mehrmals erklärt: Justus‘ Eltern vertraue ich nicht, und jetzt keine weiteren Diskussionen. … Entschuldigung. Normalerweise lasse ich sie selbst auswählen, mit wem sie spielen können, aber bei manchen Kindern muss man einfach einen Riegel vorschieben. Warum hat man denn als Erwachsene die ganzen Erfahrungen gemacht? Sicherlich kann ich Menschen besser einschätzen als meine zehnjährige Tochter. Und wenn ich sie morgens zur Schule bringe, sehe ich ja auch, welche Eltern ihre Kinder ebenfalls bringen und welche so verantwortungslos sind, sie alleine zur Schule gehen zu lassen. Und die Eltern von Justus … Also wirklich, ich muss mich doch nicht wiederholen? Du kommst jetzt her und spielst immer nur da, wo ich dich sehen kann! … die lassen ihren Sohn vier Blöcke zur Schule marschieren, haben ihn in die Übermittagsbetreuung gesteckt und wenn er nach Hause kommt, ist immer noch keiner da, der sich um ihn kümmert. Ja, das Wochenende ist dann bei denen Familienzeit, aber das hat Justus dann auch wirklich nötig. Wie soll aus dem ein eigenständiges Kind werden, das seine Freiheiten auszukosten weiß, wenn er im Schoß seiner Familie nicht die Stärkung und die Geborgenheit erfährt, seinen kleinen Geist zu schulen?! … Susanna, jetzt ist aber mal genug! Nein, wir gehen jetzt nach Hause. Wenn du nicht auf mich hören kannst, dann hast du dir das allein selbst zuzuschreiben!

Verliebt (Charaktere)

Wenn ich an ihn denke, dann presst mein Herz sich so zusammen, und ich habe das Gefühl, dass ich nicht mehr atmen kann. Am liebsten würde ich weglaufen und direkt wieder zurückkommen, nur um zu sehen, ob er mein Fehlen gemerkt, ob er mich vermisst hat. Manchmal glaube ich, dass ich ihn spüren kann. Nein, er ist dann nicht einmal in meiner Nähe, aber vielleicht denkt er ja gerade an mich. Bestimmt tut er das irgendwie.

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Fehlerteufel (Charaktere)

Schreiben will ich. Und ich weiß, das ich es kann. Mein Deutschlehrer früher hat meine Geschichten auch immer gelobt. Nur meine Zeichensetzung nich so. Geschichten habe ich noch tausende im Kopf. Also habe ich mich hingesetzt und Bücher über Schreiben bestellt und die alle gelesen. Und die Autoren sagen Schreiben wäre vor allem eins: Arbeit. Alle denken immer, man müsste den Geniefunken besitzen, dabei kommt es nur aufs Überarbeiten an. Das ist das wichtigste. Und das man nicht zu komplexe Sätze schreibt, denn wer will das lesen? Das kann man sich höchstens leisten, wenn man Thomas Mann oder Stefan Zweig heißt. Also schreib ich simpel. Geschichten habe ich genug. Sagte ich ja schon. Und wenn man noch hundertmals überarbeitet, dann findet man auch alle Fehler. Bestimmt.

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Zielstrebig (Charaktere)

Oh. Also. Ähm. Ich weiß nicht. Vielleicht, weil … Hm. Ich könnte das ganz gut, denk ich. Na ja, wenn ich ehrlich bin … ich habe halt keine Ahnung gehabt. Abi in der Tasche, aber ein freiwilliges soziales Jahr oder so etwas wollte ich nicht machen. Darum habe ich mir ein Studium gesucht, das keinen NC hat. Nicht, dass mein Abi schlecht ist, aber für Medizin hätte es sowieso nicht gereicht. Und da und bei vielem anderen … da muss man sich ziemlich reinhängen, ich weiß nicht, ob ich darauf Lust gehabt hätte.

Doch, hab ich schon. Also klar, nicht auf alles, was wir da belegen müssen. Manche Seminare sind echt … lahm. Da sitzen wir dann und gucken uns an, rollen die Augen oder chatten und surfen. Das geht ganz gut, und die Dozenten sagen auch nie was, weil … Keine Ahnung, entweder merken die’s nicht oder die sind so drauf nach dem Motto Freigeister und dass wir selbst entscheiden sollen, wann wir aufpassen.

Nee, das stimmt. Wenn ich einfach nur Literaturwissenschaften studiert hätte, wüsste ich nicht, was ich damit machen soll. Ich hätte nicht die Durchsetzungskraft zur Journalistin. Da muss man bissig sein und irgendwie stark. Am liebsten wäre ich Schriftsteller. Über Blogs kann man ja jetzt einen ziemlichen Bekanntheitsgrad erreichen und ich müsste nicht so ins Rampenlicht, wie zum Beispiel beim Fernsehen. Das wäre auch nichts. Immer vor Leuten stehen und sich begutachten lassen. Insgesamt wär mir so ein Bachelor zu unsicher.

Und Lehrer stell ich mir ganz gut vor. Geregelte Arbeitszeit. Beamtenstatus. Sicherheit. Gut vereinbar mit Familie …

Dass ich charakterlich nicht passe? Wieso sollte ich davor Schiss haben? Nee, das ginge schon irgendwie. Da würd ich mich dann durchbeißen. Und ansonsten hab ich halt nen Burnout …