Spinnenwelten

Portia schaut zurück auf die einfachen, ja romantisierten Erinnerungen einer Vergangenheit, die sie geerbt hat, und wünscht sich ein weniger komplexes Leben.

Portia ist eine Spinne aus Adrian Tchaikovskya „Children of time“. Es fasziniert mich, dieses Buch, in das ich anfangs nur schwer einstieg, weil die Evolution von Spinnen nicht unbedingt das war, was ich erwartet hatte. Aber: warum nicht? Wie unwahrscheinlich war es, dass sich der Mensch entwickelte? Wir sind doch alle nur Zufallsprodukte einer sich ausprobierenden Natur.

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Die letzte Generation

Die Apokalypse ist etwas, von dem ich immer mal wieder ausgehe. Ich romantisiere sie mir in meinem Hirn zurecht und gehe durch, wie vorbereitet wir auf sie sind. (Kaum.) Sogar als wir das Haus kauften, wunderte ich mich, ob das sinnvoll ist, weil sie bevorstehen könnte. Nein, ich erwarte keine Zombies, eher eine neue Pest, eine Spanische Grippe oder einen Krieg. Irgendetwas, das das bequeme Leben, welches wir führen, aus den Fugen reißen wird. Etwas, das uns begreifen lässt, dass der Zenit der Zivilisation überschritten ist. Dass die beste Zeit hinter uns liegt.

Aber vielleicht tut sie das schon jetzt?

Es sind noch keine Gedanken, in die ich mich ergebe, die ich vonmir durch und durch Besitz ergreifen lasse. Dafür ist zu vieles in meinem Leben zu gut. Aber ja, manchmal fürchte ich, dass ich zur letzten Generation gehöre, die das über ihr Leben sagen kann.

Dagegen

Ansprüche, Meinungen, Urteile. All das ist um einen herum. Und manchmal fällt es einem schwer, gegen sie anzugehen. Vor allem wenn man noch ungefestigt ist. Oft ist es so einfach, sich vom Strom weitertreiben zu lassen, immer weiter und weiter; jeden Hype mitzunehmen und auf jeden Zug aufzuspringen. Ich bin nicht gegen die moderne Welt oder gegen Technik. Nur gegen überbordenden Kram, den niemand wirklich braucht und den alle bloß machen, um mitzuhalten. Denn ich bin gegen die Zerstörung von einigen gesellschaftlichen Regeln und einer gewissen Kultur.

Gegen den Wind
Gegen den Wind

Heute sieht fast jeder, der auf die Bahn, ein Auto, den Arzt, einen Freund wartet, auf ein Display. Bewahre, dass wir anderen Menschen in die Augen sehen. Oder – oh Schreck – dass wir mit ihnen reden sollen.  Jeder muss bestimmte Bücher lesen und bestimmte Filme sehen und bestimmte Serien runterladen, denn sonst ist man ein Außenseiter. Wir alle dürfen nicht mehr wiegen, als die aus dem Fernsehen, sonst hadern wir mit uns. Jeder muss irgendeinen Spleen haben oder mit 35 auf einmal einen der zahlreichen Funsports beginnen und plötzlich Individualurlaub machen  – uninteressant will ja niemand sein. Was sind das für Fesseln, mit denen wir uns anketten sollen?

Jepp. Ich klinge dagegen. Und bin anmaßend. Und gleich noch viel mehr, denn:

Manchmal glaube ich nicht, dass ihr glücklicher werdet, wenn ihr drei Stunden am Tag mit eurem Handy verbringt, euch das Knie beim ersten Mal surfen mit 35 ausrenkt, bei jedem Blick eines fremden Menschen nervös werdet, euch mit 40 in Indien bei eurem ersten Nicht-Pauschalurlaub den Magen auskotzt…

Manchmal glaube ich euch nicht, weil ihr bei all dem vergesst, welch glückliches Gefühl es ist, einfach einmal zufrieden zu sein.

Gutes gefunden

Selten fand ich eine Zeitung so informativ wie die, die ich gestern beim Arzt las. Und es war „nur“ ein Patientenmagazin: „Zimmer Eins, das es zudem kostenlos online gibt. Aber die Mischung aus Fakten und Berichten, fand ich gut. Z.B. dass die belegbar älteste Frau der Welt 122 geworden ist, aber bis 119 noch geraucht hat. Oder dass Küssen und Lachen die Abwehrkräfte stärken soll. Oder Mark Beneckes Bericht über sein eigenes Nerdtum. Oder wie man vermeintliches Superfood durch heimische Erzeugnisse ersetzen kann. Oder die Bilder der Gewitterjäger. Oder der Bericht über den Gedächntnisweltmeister Johannes Mallow. Oder dem über die Naturgewalt des Menschen. Und dann das Höhentraining für den Geist.

Ich halte mich für ziemlich breit interessiert und das sprach mich an. Als ich dann auf der Seite der KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung) war, fand ich den Reiter „Leichte Sprache“, unter dem zumindest ein paar Hinweise zur KBV und der Seite vereinfacht geschrieben worden sind. Auch das finde ich wichtig. Vielleicht weil ich durch die Inklusion von Sprachförderschülern und als Deutsch als Zweitsprache-Lehrerin mitbekomme, welche Hürden wir den Menschen durch unsere Worte und Satzbauten in den Weg legen. Das heißt nicht, dass es keine höhere Form der Sprache geben sollte, aber Internetseiten, die viele in unserer Gesellschaft erreichen müssen, sollten auch durch ihr Lexikon und ihre Syntax das Verständnis vieler ermöglichen.

Das fand ich also gut heute. Und gestern.

Nicht wissen

Nicht wissen, wohin
nicht wissen, welcher Weg
nicht wissen, mit wem
Manchmal keine Hoffnung haben
– manchmal so viel.
Wenige Momente machen glücklich
– doch diese so sehr.
Kopf einziehen und fortfahren?
Kopf heben und weg fahren?
Ich kann alles, was ich will.
Was will ich?

Was – will – ich?

Siebenmeilenstiefel

Von einigen habe ich es schon groß tönen hören, das Leben laufe in Phasen, in Wellen. Als wäre das nicht logisch: Mal bist du ein bisschen weiter oben auf der Welle, mal zieht sie dich ein bisschen weiter runter. Auf eine gute Phase folgt eine schlechte. Irgendwann. Und das brauchen wir, denn sonst wüssten wir ja das gute nicht mehr zu schätzen. Also Plattitüden eigentlich. Aber verläuft das Leben vielleicht in Sieberschritten? (Mir hat auch mal eine Friseurin erzählt, dass alle sieben Jahre unsere Haut und unser Haar eine Veränderung durchmachen. Das war ihre Erklärung für den mich beunruhigenden Haarausfall.) Aber alle sieben Jahre ein wichtiger Einschnitt im Leben?

Wenn ich das mal bei mir überprüfe, ergibt sich dieses Bild: 2017 kaufte ich mit meinem Freund unser Haus. 2010 wurde ich promoviert, begann mein jetziges Berufsleben als Referendarin und beendete im Herzen endlich die zehn Jahre dauernde Liebe. 2003 beendete meine Liebe unsere On-Off-Sache und damit auch unsere Freund-, wenngleich nicht unsere Seelenschaft, und ich zog in meine Lieblingsstadt. 1996 habe ich nichts vor Augen. Auch in den Jahren direkt davor und danach geschah nichts Umwälzendes. Auch 1989 gibt es kein deutliches Ereignis, nur ein Jahr zuvor allerdings verlor ich meinen Einzelkindstatus und wir begannen unser Familienleben zurück in Deutschland.

Wichtige Schritte allesamt. Natürlich fehlen zwischendurch ein paar, z.B. dass ich 2002 ein halbes Jahr in Australien war und 2011 meinen jetzigen Freund kennenlernte. Doch andererseits war nach Australien wenig anders als vorher und von meinem Freund trennte ich mich 2012 noch einmal für ein paar Monate, sodass auch das keinen wirklich dauerhaften Umbruch bedeutete. Nicht so, wie die Bindung aneinander durch den Hauskauf.

Siebenmeilenstiefel. Wie sieht das mit ihnen bei euch aus?

Dunkles

Oft waren es vor allem die dunklen Zeiten, die zeigten, was tief im Charakter des Menschen verborgen liegt, zu welcher Stärke, welcher Ausdauer, welchem Durchhaltevermögen er sich aufschwingen kann. Es sind diese Zeiten, die ihn schärfen und formen und vorbereiten auf all das, das noch kommen mag. Harte Zeiten darum zu wünschen, käme niemandem in den Sinn. Und so schlittern viele auf der Oberfläche umher und jammern, ohne zu wissen, wie viel schwerer es doch eigentlich sein könnte.

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Ein Detail mehr

Irgendwann hatte ich schon mal davon erzählt. Von diesem Kerl, mit dem ich zwei Wochen zusammen war, als er mir einen Spaziergang in den Wald hinter der Stammdisco vorschlug und dort auf einer Bank mit dem Fummeln begann. Er wollte mir in die Hose, was ich ihm verbat, weil ich keine Lust hatte, ihm als „Dank“ in seine zu gehen, wie ich ihm sagte.

Nein, das müsse ich auch nicht, meinte er, drückte dann aber fünf Minuten später meine Hand zu seiner Hose. Recht rabiat. Ich machte mich von ihm los und betonte noch einmal, dass ich genau das nicht gewollt hatte. Was er nicht wirklich verstand. Der Wald und mein Einverständnis in ihn zu gehen, hatten offenbar in seinem Hirn zu falschen Erwartungen geführt.

Was ich damals vergessen hatte, über den Vorfall zu berichten, war, dass er ein Polizist war. Auch nur ein Mensch. Aber eben ein Polizist. Und es ist ja nichts passiert. Dieses Mal.

The Good Wife

Es ist tatsächlich die erste Serie, die ich über Netflix kennengelernt und in mehreren Staffeln nun nahezu zu Ende gesehen haben: The Good Wife. Ich wusste nicht genau, worauf ich mich einließ, als ich sie begann, nur, dass sie viele gute Kritiken erhalten hatte. Nachdem die 7. Staffel sich nun ihrem Ende zuneigt, muss ich feststellen, dass fünf Staffeln und ein bisschen weniger Hin und Her vermutlich ausreichend gewesen wären. Alicia, die Hauptdarstellerin, arbeitet im Grunde stets (abgesehen von der letzten Staffel und dann da auch wieder doch) mit den gleichen Menschen zusammen, aber die namensgebenden Partner der Kanzlei wechseln.

Weiterlesen „The Good Wife“