Die Unnormalen VI

Das, was zwischen uns war, war so unvorhersehbar gewesen, dass man sich nie darauf einstellen konnte. An dem einen Abend haben wir uns stundenlang unterhalten, am folgenden gestritten und trotzdem geküsst und am nächsten komplett ignoriert. So ging es monate-, nein, eigentlich jahrelang.

In diesen ersten Monaten hat sie nach Abenden, die mit Küssen endeten, gehofft, dass sie mich rumbekommen hatte und ich doch wieder mit ihr zusammen sein wollte, so wie wir es immerhin einmal drei Wochen zusammen gewesen sind. Aber ich wollte nicht. Ich habe – vielleicht eher als sie – verstanden, dass sie nicht der Typ Frau war, mit dem ich glücklich werden würde. Sie war mir zu oft zu abweisend, ihr Sarkasmus zu oft zu scharf und sie war zu unnahbar und kühl. Sie vermittelte den Eindruck, dass sie niemanden in ihrem Leben wollte und brauchte, dass sie viel besser alleine klarkommen würde. Mit so jemandem kann man ja keine Beziehung führen oder? Man müsste demjenigen ständig beweisen, dass er alleine nicht so gut dran ist, wie mit einem selbst zusammen. Man müsste sich selbst immer und immer wieder unter Beweis stellen. Das wär unmöglich gewesen, denn ich stelle mich nicht mal vor mir selbst unter Beweis.

Irgendwann hat sie verstanden, dass ich keine Beziehung wollte und hat mich trotzdem geküsst. Wir waren Kuss-Kumpel. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass ich mich am nächsten Tag bei ihr melden sollte und habe das einige Mal getan, aber vor allem in den letzten Monaten unserer mehr oder weniger gemeinsamen drei Jahre hat sie abgeblockt und hat einmal gemeint: „Ich habe dich nicht geküsst, damit du dich am nächsten Tag genötigt fühlst, dich bei mir zu melden. Ich hab dich nur geküsst, weil ich dich küssen wollte.“

Ich habe getan, als würde ich das gut finden, aber in Wirklichkeit habe ich es nicht gemocht, dass sie so locker damit umgehen konnte. Ich wollte nicht zu irgendjemandem für sie werden. Das Schlimme war, dass ich mich nach dieser Aussage von ihr mehrere Male gemeldet hab. Und das Bekackteste daran war, dass sie einen Monat nach diesen Küssen und ihrem Kommentar zu ihnen, mit einem meiner Freunde zusammen gekommen ist und ich Trottel mich trotzdem bei ihr meldete, weil ich nicht gecheckt hab, dass zwischen ihr und ihm was lief. Als ich es dann mitbekam, hab ich den Kontakt eingestellt, aber es ging mir beschissen. Es war kurz vor Weihnachten und ich fühlte mich verraten.

Deswegen war es eine Genugtuung für mich, dass sie Schluss machte, um mit mir gemeinsam und ohne alle anderen auf einer Fete Silvester zu feiern. Ich war froh, dass sie zu mir gekommen war, dass ich sie wieder küssen konnte. Danach meldete ich mich bei ihr, ich wollte, dass sie mit mir Dinge unternimmt, ich wollte sie sehen und küssen. Wir waren nicht zusammen, wirklich nicht, aber wir waren Freunde und ich… Ja, vielleicht hatten wir ne Art von Beziehung, aber wenn, dann eine ungesunde. Ich wollte nicht mit ihr schlafen, damit sie mir nie vorwerfen konnte, sie verarscht zu haben. Mittlerweile wusste ich, dass sie nicht für irgendeinen Dahergelaufenen die Beine breit machen würde. Und ich wollte nicht… Ich konnte nicht derjenige sein, der… Wie sage ich es? Sie war mir wichtig. Sie war wirklich die Person auf der Welt, an der mir am meisten lag. Aber das reichte nicht.

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