Grand Tour

Ich habe mich gefürchtet und wollte es aufschieben, soweit es geht. Alle sahen mich als Freigeist, als Rumtreiber und eine, die das Leben so auskostet, wie wenige in meinem Umfeld. Und es war kein Bild, das irgendwer von außen gezeichnet, sondern eins, dass ich aus tiefstem Innersten selbst in Auftrag gegeben hatte. Sesshaft werden war mit langweilig werden verbunden und davor hatte ich Schiss. Das war ja dann nicht mehr ich, oder?

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Freunde – immer.

Ist dir an mir nichts aufgefallen?, wollte sie wissen, nachdem wir uns wegen meiner langen Reise monatelang nicht gesehen hatten. Hm, sollte ich ihr sagen, dass sie irgendwie anders redete und ihre Kopfhaltung verändert hatte. Meinte sie das gar? Weil ich nicht ganz so ein trampeliger Ehrlichkeitsfanatiker bin, wie ich manchmal scheine, zucke ich nur mit den Schultern: Schwanger bist du ja nicht, oder? (Und wenn sie jetzt doch …?!)

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Das normale Leben

Sie lag im Gras. Nicht direkt in ihm, weil der Gedanke an die Krabbeltiere ihr nicht behagte. Aber doch nur mit ihrem Schal zwischen sich und dem Boden und sie meinte, die Kraft der Natur spüren zu müssen, obwohl es vielleicht nur die Feuchte der Erde war, die sich in ihren Rücken drückte. Sie räkelte sich.

Den Blick hielt sie nach oben gerichtet, in das Blätterwerk hinein, in dem sich Schmetterlinge und Bienen tummelten. Sie roch den Flieder und die Rosen und den Rosmarin und schloss die Augen, konzentrierte sich auf die natürlichen Geräusche, bis die der hektischen Welt in den Hintergrund glitten und zerflossen. Sie brauchte mehr davon. Im normalen Leben war sie eher ein emsiges Insekt als eine faule Katze. Aber wer hatte das eigentlich zum normalen Leben erklärt?!

Er ist da Punkt

Heute wollte ich den Frühling riechen und sehen und spüren. Heute wollte ich, dass es kribbelt, so wie es kribbelt, wenn die Erwartung im Hinterkopf oder im Bauch sitzt. Also hab ich in die Sonne geblinzelt und den Frühling begonnen.

Diesige Nacht – Kumpelliebe (4)

Sie waren so anders. Doch als er und sie miteinander auf Partys und Konzerte zu gehen begannen, meistens nur zu zweit, standen sie in absoluter Eintracht nebeneinander: Überwiegend miteinander redend, manchmal aber auch einfach nur schweigend. Und auch das Schweigen passte.

Als er sie nach einer der ersten solcher Nächte zu ihrem Auto brachte, hatte sich Nebel über die Stadt gelegt und ließ die Straßen unwirklich erscheinen. Und unwirklich war auch das Zwischen-Ihnen. Unwirklich. Was machten sie hier beieinander? Er beugte sich zu ihr, zögerlich: „Es ist schön mit dir“, sagte er, wartete noch eine Sekunde und gab ihr dann einen Kuss auf die Wange. Sie nickte nur, stieg ein und er ging nach Hause.

Und sie ahnte, dass sich irgendetwas entwickelte. So, wie sie schon Silvester etwas in der Luft hatte liegen spüren, so gab es auch nun ein erwartungsvolles Fragezeichen in ihrem Hinterkopf. Vielleicht konnte ja doch etwas zwischen Alex und ihr sein? Vielleicht.

Wortfriedhof: Monatsnamen

Als ich im Wörterbuch immer wieder auf die alten bzw. parallel mit dem römischen Kalender laufenden „deutscheren“ Monatsnamen stieß, dachte ich meist: „Ach, passt doch eigentlich besser.“ Natürlich fanden dies schon die alten und finden es die neuen Nationalsozialisten ebenso. Wie alle vernünftig und freiheitlich denkenden Menschen verachte ich diese Menschen, die anderen Menschen so viel Tod und Leid brachten (und am liebsten wieder bringen wollen). Aber ich habe auch einen Hass auf sie, weil sie Kultur zerstörten, indem sie sie über alles hoben und instrumentalisierten, und es uns damit manches Mal fast unmöglich machen, stolz auf etwas zu sein oder uns näher damit zu beschäftigen.

Sagt nicht, so sei es nicht mehr. Deutsche Heldensagen? Denkst du an Siegfried, denkst du an das typische arische Bild, das Hitler zeichnete. Wintersonnenwende? Denkst du an Stonehenge, aber auch an Nazis, die christliche Feiertage durch germanische ersetzen woll(t)en. Führer? Denkst du an Hitler, obwohl nur der Reiseleiter gemeint war. Worte wie Rasse, Arier? Volkslieder? Bestimmte Vornamen? Dauerbeflaggung am Haus wie in den USA? Und als ich letztens das Jugendbuch „Braune Erde“ von Daniel Höra las, war mir auch schon mulmig, weil dort die Neunazis die Ware aus dem Supermarkt und die Chemie in Lebensmitteln ablehnten und lieber regionale Produzenten unterstützten bzw. selbst zu Biobauern wurden (= Rückkehr zur „natürlichen“ Ernährungsweise).

Und dann kommt dieses „Es muss ja nicht alles schlecht sein, nur weil es im Nazikopf herumschwirrt“ hervor und irgendein Schüler würde an dieser Stelle sagen „Die Autobahnen waren eine tolle Idee!“ (aber eben nicht von den Nazis) oder Eva Herrmann würde behaupten, die Mutter müsse wieder wie in der NS-Zeit wertgeschätzt werden (- als Gebärmaschine. Wundervoll.). Halt.

Eigentlich wollte ich nur über Monatsnamen schreiben. Und dass ich die alten Monatsnamen gerne mag. Und dass ich nicht verstehe, wie sich die römischen halten konnten – sind sie doch oft viel einfallsloser, haben gar nichts mit unserer Kultur zu tun und sind zudem noch falsch, denn von September bis Dezember sind die Namen nach ihrem Platz im römischen Kalender benannt, der aber gar nicht mit unserer Zählung übereinstimmt:

Januar (vom Beschützer der Stadttore) – Hartung, Eismond

Februar (vom Reinigungsfest Febrae) – Hornung, Schmelzmond

März (vom Kriegsgott Mars) – Lenzing, Lenzmond

April (von „aperire“ – öffnen) – Launing, Ostermond

Mai (von der Göttin Maia) – Winnemond (von Weidemond, nicht Wonne)

Juni (von der Göttin Juno) – Brachet, Brachmond

Juli (von Julius Caesar) – Heuert, Heumond

August (von Kaiser Augustus) – Ernting, Erntemond

September (weil es der 7. Monat war) – Scheidung, Herbstmond

Oktober (der 8. Monat) – Gildhart, Weinmond

November (der 9. Monat) – Nebelung, Wintermond

Dezember (der 10. Monat) – Julmond (Julfest = Fest der Wintersonnenwende)

Ich will ja gar nicht zurück zu den alten Bezeichnungen. Ich bin weder Karl der Große, auf den scheinbar einige der -mond-Bezeichnungen zurückgehen, noch Napoleon, der die bekannten Namen und Zählungen umwerfen wollte. Und erst recht bin ich kein Nazi. Aber vielleicht kann man ab und an (gerade in der Literatur) vermehrt die alten Bezeichnungen einwerfen? Ist doch auch schöner für die Wortgewalt, oder?