Hinein

Die Augen, die zu ihr hoch sahen … Sie, drei Stufen über ihm, hatte gerade eine Frage gestellt, auf die sie die Antwort schon kannte, lächelte in Erwartung seines Lächelns. Und er, braune Augen blitzend, gab ihr mehr zurück. Mehr. Gedanken und Träume und Gefühle. Kribbeln.

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Der Eine im Konjunktiv

Nur mit einem würde sie ihrem Freund fremdgehen, sagte sie. Zumindest nur mit einem, den sie so deutlich benennen könne. Da gäbe es diesen jungenhaften Mann, der so anders sei, so anders wirke. Seit sieben Jahren kenne sie ihn. Sieben Jahre – vom Sehen. In Discos war er ihr zuerst aufgefallen. Dann in ihrem Viertel. Dann auf dem Weg zum Sport, weil sie immer da vorbei musste, wo er kellnerte. Alle paar Wochen, alle paar Monate aber mindestens trafen ihre Wege sich. So häufig, wie sie sonst niemanden zufällig sah. Und irgendwie habe das eine Bedeutung in ihrem Kopf.

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Ausbruch

In der Sekunde, in der ich die Augen aufschlage, weiß ich: Es wird sich ändern. Alles. Mein Leben. Komplett. Von unten nach oben wird es sich ändern. Warum? Weil ich es so will. Weil ich mich in den Arsch treten werde. Heute. Und nein, ich laber nicht dumm rum wie schon seit drei Jahren. Dauernd habe ich es vor mir hergeschoben, habe immer andere Ausreden gefunden, wenn doch die Wahrheit war: Die Sicherheit war zu bequem.

Aber das, was ich als Schutzzone empfunden habe, was ich zu brauchen dachte, um mein Dasein sinnvoll gestalten zu können, es ist trügerisch, falsch, an der Realität vorbei. Denn die sieht so aus: Dir kann immer überall alles passieren. Jeder kann jederzeit auf dich losgehen, seien es Menschen oder Naturgewalten. Sicherheiten sind der Kokon, in den wir uns eingewebt haben, und der kann durch Außeneinwirkungen zerstört werden oder durch mich selbst. Ja, durch mich, weil ich ihn aufbreche, mich aus ihm herausschäle, in die Welt luge, meine Flügel ausbreite und abhebe.

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Zwischen Ruhe und Tummel

Ich brauche diesen Blick. Jetzt. Ich brauche die Gewissheit, dass da unten eine Welt an mir vorbeifließt und ich keinen Einfluss auf sie nehme. Die Gedanken daran lassen mich zur Ruhe kommen.

Seit einer Woche bin ich in Edinburgh und entspanne, halte meine Nase in die Sonne oder in ein Buch, wähle mir aus, mit wem ich Oberflächlichkeiten tausche und erhalte meine Unterkunft frei, weil ich mich als Putzteufel versuche. Das sind die einzigen beiden Stunden, in denen ich wirklich etwas machen muss, in denen mein Leben nach einem Plan läuft.

Ist es nicht seltsam, dass man nach nur sieben Nächten das Gefühl haben kann, zum Inventar eines Hostels zu gehören?! So, als wäre man schon immer da gewesen, so, als wäre Edinburgh keine Reise-, sondern eine Lebensstation. Doch, es ist seltsam, denke ich, während mein Blick weiter über die Stadt schweift, denn immerhin habe ich kaum mit tatsächlichen Schotten zu tun. Und verstehe sie sowieso nur halb, wenn ihr eigentümliches Englisch über mich hinwegfliegt. Trotzdem ist es meine Stadt, die da unten liegt. Sie hat die richtige Mischung aus alt und neu, wobei sie eher zum Alten tendiert, aus konservativ und hip, aus Ruhe und Tummel. (Tummel? Ist das ein Wort? Manchmal, wenn ich zu viel Englisch geredet habe, bin ich mir nicht mehr sicher.)

Übrigens: Alex werde ich wiedersehen. Wir haben die gleiche Fähre nach Amsterdam gebucht. Also er hat meine gebucht. Ich war nämlich die erste. Nur, dass das klar ist.

(Ende der Reihe)

Sruighlea oder Freiheitsfragen

Wann müssen wir kämpfen? Wann unsere Leben lassen? Wenn die Freiheiten so eingeschränkt werden, dass sie ohne zumindest den Versuch der Rückerrringung lebensunwert werden?

Kämpfen wir? Für wenig nur. Kleine Dinge, die kaum der Rede wert sind im Gegensatz zu den Kämpfen anderer. Eigentlich sind wir Maden und zufrieden mit dem Speck, der um uns herum ausliegt. Wir maulen ein bisschen, wir sprechen von irgendwelchen Ängsten vor irgendwelchen möglichen Ereignissen, aber konkret – ist das wirklich schon konkret?

Wir haben doch keine Ahnung. Von Unterdrückung und Willkür und Gewalt. Nicht so wie andere sie haben. Kinder, Jugendliche, die aufbrechen, allein, mit einem, mit beiden Elternteilen, in eine Welt, die sie nicht kennen, weg von einer Heimat, die zerrüttet wird, ist, bleibt.

stirling

Wie viel Ahnung davon hatte William Wallace? Wie viel war persönliche Fehde gegen die Engländer? Wie viel Unterdrückung, Willkür und Gewalt trafen die Schotten unter einem englischen Herrscher im Gegensatz zu einem schottischen?

Ich habe mich nicht wirklich mit der ganzen Geschichte um Wallace auseinandergesetzt. Aber wenn ich mir dieses Monument in Stirling für ihn ansehe, frage ich mich, wem wir, wem die Flüchtenden irgendwann ein solches setzen und wie die Geschichte Fakten über diese Person weitertragen wird.

Silberbrücken

Von Inverness runter in die Ruhe hinein. Hier sind nur das Schnurren des Motors und ich und ab und an ein, zwei oder mehr Hochlandrinder und Schafherden. Menschen? Selten. Vielleicht sollte ich die Tour unter Humanetox verkaufen. Kein so gutes Wortspiel mit dem allgegenwärtig zu sein scheinenden Begriff Detox, aber an die Frau bringen würde ich es sicherlich.

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Regennebel

Ich fahre weiter. Ich. Und es ist ein bisschen wie im Dunst – was am schottischen Regennebel liegt, aber auch an meiner schwankenden Stimmung: Von Erleichterung über Traurigkeit über Freude über Einsamkeit ist an diesem Tag alles dabei. Vielleicht ist der Abschied von Alex noch schwerer gewesen, weil er aus allen Wolken fiel. Er kam gestern mit seinen Ideen für unsere nächsten Stopps zu mir, hatte sich bei Sam Infos eingeholt, Carol nach „typischen Frauensachen“ gefragt und sogar schon Hostels und B&Bs rausgesucht. Und da stand er, Unternehmungslust in den Augen und hörte von mir „Ich kann nicht.“ So viel also zu den typischen Frauensachen …

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