Die Unnormalen VII

Sie und ich waren verabredet,  aber ich musste zuvor noch mit einem Freund Werbematerial für eines der Konzerte meiner Band austeilen. Gegen acht Uhr sagte ich ihr Bescheid, dass ich nicht absehen könnte, wie lange es noch dauert. Danach war mein Handy so gut wie die ganze Zeit tot. Sie versuchte mich zu erreichen, erreichte mich aber nicht und wurde sauer, weil ich mich nicht ein weiteres Mal meldete, um ihr definitiv zu- oder abzusagen. Am nächsten Tag rief ich direkt an, erklärte das Funkloch, doch sie glaubte mir nicht. Sie warf mir vor, dass es noch Telefonzellen gegeben hätte oder dass der Kumpel, mit dem ich unterwegs gewesen war, sicherlich auch noch ein Handy gehabt hatte. Und sie hatte ja Recht: Wenn ich es wirklich als notwendig erachtet hätte, dann hätte ich sie irgendwie erreichen können. Zwar versuchte ich sie zu beschwichtigen, aber sie warf mir an den Kopf, dass sie nur eins ganz sicher wisse: Dass sie mir nicht wichtig genug sei, weil ich einfach nicht verliebt sei.

Ich war vor den Kopf geschlagen. Sie und ich, wir wussten, dass wir keine normale Beziehung hatten, wieso warf sie mir das alles nun vor? Ich hatte versucht – das hört sich für nen Typen alles beschissen an – die Balance zu bekommen: Ich wollte sie bei mir, als meine gute Freundin, als meine Kusspartnerin, als der Mensch, der mir beistehen sollte, dem ich mich gegenüber öffnen konnte, aber ich wollte sie nicht als die Liebe meines Lebens und meine feste Freundin haben. Nein, verliebt war ich nicht, aber wichtig war sie mir dennoch.

Wie auch immer, ich sah ein, dass es keinen Zweck hatte, dass wir nie einen normalen Umgang miteinander haben konnten. Und es war mir auch wirklich zu anstrengend: Ich hatte keinen Bock mehr…

Nur ein paar Wochen später verliebte ich mich in eine andere. Und ich war wirklich glücklich. Sie sagte mir, dass sie nun erst recht keinen Umgang mehr mit mir haben könnte, obwohl ich ihr gestanden hatte, dass ich sie nicht verlieren will und dass sie wesentlich besser küsst, als meine Neue es tat. Doch sie hat mich nur kurz in den Arm genommen und unsere Leben haben sich getrennt. Meine Beziehung hat zwei Jahre gehalten. Danach war sie mit jemand anderem zusammen, der ihr den Kontakt mit mir mehr oder weniger verbot, weil er nicht mit mir und der ganzen Geschichte dahinter umgehen konnte.

Ich habe sie nicht mehr sehr vermisst. Manchmal… Selten habe ich an sie gedacht und daran, dass es gut tun würde, mit ihr zu reden. Aber ich habe es nie in die Tat umgesetzt, ich hätte mich niemals von mir aus bei ihr gemeldet. Dafür war doch eigentlich alles zu lange her… Eigentlich.

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