Die Unnormalen XVII – Ende

„Also sollten wir zusammen sein.“

„Hast du das rational entschieden?“

„Ganz sicher nicht”, seine alte Abfälligkeit schimmert wieder durch. “Wenn ich rational entscheiden würde, würde ich sagen, dass wir uns einfach nicht mehr sehen sollten. Dann können wir beide frei über irgendwelche anderen Leute verfügen…“

„Und was ist mit Berlin?“

„Du hast dich da ja erst einmal nur beworben, oder? Du hast den Job ja noch nicht. Und selbst wenn du ihn kriegst…“, er sieht mir in die Augen: „Pass auf… Hör mir gut zu, ich werde es nur einmal sagen und wahrscheinlich auch nur besoffen…“

„Oh, OK“, sage ich und wappne mich.

„Ich glaube nicht, dass ich jemanden finden kann, den ich selbst nach Jahren geil finde…”, er holt kurz Luft, „bei dem ich mich in meinem Leben wohler fühle, der mich so kennt, wie du mich kennst, und mich dennoch so mag, wie du mich magst. Ich glaube, dass ich mit niemandem mehr und besser Zeit verbringen kann als mit dir. Alle anderen fangen mich irgendwann an zu langweilen, bei allen anderen ziehe ich mich irgendwann zurück oder lasse sie erst gar nicht richtig an mich heran. Du bist die einzige, die eine Ahnung von mir hat. Und schon allein deswegen kann ich dich nicht wieder gehen lassen. Und jetzt hör mir noch einmal genauer zu“, seine Stimme wird leiser: „Ich fürchte, dass wir nicht ineinander verliebt sind, sondern dass das zwischen uns…“, er macht eine kurze Pause: „…vielleicht doch so was wie Liebe ist.“ Er zwinkert, weil er genau weiß, wie theatralisch er klingt.

Ich gebe ihm einen kurzen, aber intensiven Kuss: „Ja, das fürchte ich auch“, stimme ich dann zu. Mein Herzchen jubelt. Es will sich am liebsten aus meinem Brustkorb herauszwängen und die ganze Welt umarmen. Ich versuche ruhig zu bleiben, aber ich muss breit lächeln. „Sag mal… Bist du dir denn sicher, dass nicht eine andere kommt, in die du dich verlieben könntest?“

„Doch, das kann sein.“

Ich wusste, dass ein Haken an der Sache ist.

„Kannst du mir denn versprechen, dass du dich für gar keinen anderen Menschen interessieren wirst, dass du keinem mehr schöne Augen machst?“

„Nein, aber du wirst trotzdem der wichtigste Mensch bleiben.“

„Du auch”, sagt er und zuckt mit den Achseln.

– Er –

Ich habe sie geschockt. Und mich auch. Eine Beziehung? Immerhin sind wir daran mehrere Male gescheitert. Eine Beziehung? Sie und ich? Vor ‘ner Woche hätte ich jeden in die Irrenanstalt verwiesen, wenn mir das jemand gesagt hätte. Aber was ich ihr eben sagte, stimmt. So einfach ist das.

Wir sind vielleicht nicht die normalsten Menschen. Aber was heißt das schon – normal? Ob ich meine Unsicherheiten ihr gegenüber unter Kontrolle bekomme? Ob sie ihren Freiheitsdrang wirklich für mich einschränken kann? Wer weiß? Aber wenn mein Leben eine Chance hat, dann mit uns.Vielleicht bin ich auch nur noch ziemlich besoffen… Denke ich morgen anders darüber?

Ich will sie. Ich brauche sie. Ich kann es nicht ertragen mir vorzustellen, dass sie bei wem anders ist, dass sie wen anders küsst, dass sie Gefühle für wen anders entwickelt. Ich … Scheiße. Ich möchte, dass sie glücklich ist. Und wenn ich in ihre Augen schaue, dann weiß ich, dass ich – wieso auch immer gerade ich, der sonst noch nie was zustande bekommen hat – sie glücklich mache.

– Ende –

5 Kommentare zu „Die Unnormalen XVII – Ende

    1. Nein, ich finde es ja gut, dass dir die Geschichte gefällt. Sie war damals in einem Rutsch geschrieben worden, aber für den Blog dann erst in Posts und später in diese von dir gelesenen Seiten aufgeteilt worden, zur besseren Häppchenbereitung für den Blogleser. 🙂

      1. Diese Häppchengabe hat bei mir sehr gut funktioniert. 🙂 Auch wenn ich gerade fast ein wenig enttäuscht war, dass es schon endete. Ein guter „Rutsch“ von Geschichte. 😉

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