Schwarz Ich Weiß

Während des nächste Jahr der sich scheinbar in den Abgrund drehenden Spirale vorbei ist, setzt die Müdigkeit sich fest.

Wir sagen uns weiterhin oft, wie gut es uns geht. Wir haben noch die gleichen Freunde und die gleichen Familienbande wie vor zwei Jahren. Niemand aus unserem Umfeld ist ernstlich an Corona erkrankt gewesen, keiner hatte irgendwelche Impfkomplikationen. Niemand hat sonst irgendetwas abbekommen. Außer einen größeren Menschenhass der eine oder die andere. Und dieses Zermürbungsgefühl.

Wahrscheinlich ist man am Menschenhass und der Zermürbung selbst Schuld. Man muss sich ja die Nachrichten, die Krone der Schwarzmalerei, nicht geben. Fast war ich gestern geneigt, den einen positiv klingenden Bericht zu posten, indem stand, dass die OECD Deutschland einen guten Umgang mit der Krise bescheinigt. Aber dann dachte ich: Wieso mich der Hetze aussetzen? Es wird viele geben, die das relativieren werden.

So oft scheint es nur noch Schwarz und Weiß zu geben. Immer wieder. Jeder sucht sich das aus dem Netz, aus den Nachrichten zusammen, was seine Meinung stützt, oder – schlimmer noch – es wird für einen zusammen gesucht.

Es war ein langes Jahr. War es erst zu seinem Beginn, dass es zur Kapitolerstürmung kam?! Ist Trump vor einem Jahr noch Präsident gewesen?! Die Flut hier bei uns – erst genau fünf Monate her?! Dieses Schuljahr erst vier Monate alt?! Crazy. Total verrückt.

Jetzt steht Weihnachten vor der Tür. Alle sind durchgeimpft und alle Erwachsenen durchgeboostert. (Ich hatte mir ehrlich gewünscht, dass die Impfung mehr „Heil“ bringen würde, dass wir uns durch sie deutlich länger deutlich sicherer fühlen könnten. Alle drei Monate geboostert zu werden, kann jedenfalls nicht das Ende der Forschungsfahnenstange sein. ) Wir feiern mit mehr Leuten, als drüben erlaubt ist, aber bei uns sind es zumindest nur Empfehlungen, nicht wie im Nachbarland Vorgaben. Und trotzdem traue ich mich gar nicht, eine Zahl zu nennen. Nicht, dass irgendwer irgendwen auf mich loshetzt.

Ich glaube, das ist, was bei mir am meisten gelitten hat: Das Vertrauen in meinen fremden Gegenüber. Darin, dass er/sie mit mir irgendwo in der Mitte schwimmt. Dass er/sie mir zutraut, eine abgewogene Entscheidung zu treffen.

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