Aus dem Nebel ein Grinsen

August. Zwanzig Jahre zurück. Ein Anruf. Ein Todesfall. Aus dem studentischen Sommerloch (und Sommerjob) gerissen. Der Lehrer, der am meisten lehrte, verstarb im Alter von 48 Jahren. Im Urlaub. Auf einen Berg rauf, von dem Berg runter. Herzinfarkt. Tot. Plötzlich wird das Liebesleben, sonst gedanklich mit Abstand auf dem ersten Platz, unwichtig.

Im Kopf ist nur er. In Freiburg. In Venedig, vor der Bühne. Die Fässer, die er öffnete, die Nebelkerzen, die er entzündete. Der bunte Schal wehend ab November, die Kreideflecke als ständiger Begleiter auf den Sakkos. Breites Grinsen, wirre Haare. Ein Lehrer wie ein Klischee.

Auf mich hinuntersehend. Gönnend, wissend, irgendwie bewundernd sagte er meinen Namen und gab das Gefühl: Er würde immer an mich glauben. Immer.

Doch nur ein Jahr nach meinem Abitur begleitete ich einen viel zu kleinen Sarg für einen viel zu großen Menschen zum Grab.

Er ist es nicht gewesen, wegen dem ich Lehrerin geworden bin. Aber er ist da, wenn ich unterrichte: Ganz anders als er, aber mit ebensoviel Zuneigung für die SchülerInnen und mit ebensoviel Anerkennung für die Lehrperson.

Du wirst immer deinen Weg gehen.“ – Ja. Aber ohne Sie. Ohne Sie.

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