Die mit dem Unfall – und der Gehirnerschütterung?

Eigentlich war der Unfall abzusehen, da ich schon die ganzen letzten Tage wie eine gesenkte Sau gefahren bin. Als ich mich vor zwei Abenden mit Richard traf und einen Cocktail getrunken habe, war es natürlich sehr sinnvoll, wie mit Raketenantrieb nach Hause zu düsen; und gestern dachte ich mir, dass ein Autounfall mich vielleicht davon abhalten könnte, ins Lehramt zu gehen, weil – je nachdem was mir passiert – ich ja dann im Rollstuhl sitze. So gern will ich Lehrer werden. Und heute bin ich also einer draufgefahren, was alles einer Verkettung dummer Umstände zu verdanken war, aber meine Schuld ist es natürlich trotzdem. Mir ist nichts passiert, der Frau hoffentlich auch nicht und mein Auto hat nen Schaden von 2000€, aber mein Autowerker hat zufällig einen roten Golf III, der verschrottet werden soll und von dem er mir die Teile, die bei mir in den Fritten sind, geben kann. Ist doch super. Natürlich kostet mich das was, aber nicht 2000€ und zum TÜV muss ich eh. OK, für den Schaden (500€) hätte ich mir auch schöne Klamotten kaufen können, aber ich habe gestern in Köln eh nichts gefunden, von daher … Ich habe nämlich Steff besucht und bei ihr gepennt und es war eigentlich eine schöne Zeit, und der Unfall – ach, der ist so wichtig irgendwie nicht, und wenn meine Versicherung sich querstellt, was ich nicht hoffe, aber Mama hatte auch schon so viele Probleme mit ihr und … ich will nicht dran denken.

Aber D hat geschrieben und das wiegt alles wieder 50fach auf und deswegen glaube ich, dass alles gut werden wird. Und am Hungertuch nage ich auch nicht. Also … noch nicht zumindest. Und das Lächeln auf meinem Gesicht wegen eines Lebenszeichens seinerseits und dass er mir noch seine Handynummer gab, um die ich ja eigentlich gar nicht gebeten hatte, und dass er meinte, er könne mir ja mal von Berlin erzählen, wenn wir uns in der Rocke sähen … Obwohl das vielleicht noch Wochen dauert. Egal.

Vielleicht brauchte ich einen Unfall, um aufgerüttelt zu werden, damit ich das Denken hinsichtlich meiner Zukunft zu einem sinnvollen Ergebnis führe, aber im Moment ist das Ergebnis leider eher: an einen Strand fliehen und mir den nächsten weltumspannenden Beststeller auszudenken. Übernatürliche Elfenmärchen erfinden und die kleinen Dinge so zu gestalten, dass jedes Mädchen eine sein will. Ich glaube, ich habe doch eine Gehirnerschütterung. Oder bin ich bloß zufrieden? Oder glücklich?

Die Frau, der ich draufgefahren bin, fragte mich, wieso ich trotz des Unfalls so ruhig bleiben könnte: Weil ich nichts ändern kann, antwortete ich. Nichts am Unfall, nichts an Menschen und nichts an Gefühlen.

(27jähriges Ich Ende Februar 2009, definitiv mit Gehirnerschütterung)

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