Da

D. hat mir geantwortet. Es klingt nicht ganz wie eine Mail von ihm, sie ist so offen … Im letzten Absatz schrieb er, dass es sich vielleicht blöd anhört, aber dass er sich gefreut habe über das „bisschen“ Anteilnahme. „Bisschen“ ist gut, bei den Tränenbächen, die ich heulte.

Heute war Ortsturnier und zuvor die Beerdigung. Ich konnte zu letzterer nicht hin, weil ich arbeiten musste, und ich bin mir nicht sicher, dass ich gegangen wäre, wenn ich frei gehabt hätte, aber wahrscheinlich schon. Ich weiß es nicht. Ich hätte Angst gehabt, das ich dort fehl am Platz gewesen wäre, andererseits habe ich dort gewiss mehr zu suchen, als seine Kumpel von früher, die ihn haben fallen lassen, als er für ihren Geschmack zu sehr den Drogen zusagte …

Nach der Arbeit fuhr ich früher als geplant zum Turnier hin. Ich wusste nicht, wie ich mit D. umgehen sollte, und wir grüßten uns erst spät. Und erst als wir uns verabschiedeten, ging ich zu ihm hin, gab ihm einen Kuss auf die Wange und hatte wohl auch seinen Kopf dabei zwischen meinen Händen, und sagte „Tschüß“. Er fragte, ob ich morgen noch mal zum Turnier kommen würde, doch ich verneinte. Dann ging er ein Stück mit mir. Zum Abschied umarmte ich ihn: „Ich wäre gekommen, heute, aber ich musste arbeiten.“

Und er meinte: „Das musstest du auch nicht.“

„Es wäre mir aber lieber gewesen.“

Dann lief ich den anderen, die schon weiter unten am Hang auf mich warteten, hinterher.

Wir sind doch beide etwas erwachsener geworden – sogar äußerlich, denn wir haben Babyspeck im Gesicht verloren. Seine Züge, die ich früher als gar nicht so wirklich gut und angenehm empfunden habe, haben sich angeglichen und sind herausgewachsen.

Die Zeit hat an den Gefühlen nicht viel ändern können. Wird sie es denn je tun? Wieso werde ich das Gefühl nicht los, dass alle wichtigen Menschen bereits in meinem Leben sind? Wieso ist diese Ruhe in mir? Wieso verspüre ich keinen Drang, in die Discos zu gehen und Leute kennenzulernen? Ich kann ebenso gut zuhause im Bett liegen bleiben.

Manchmal glaube ich, dass es keinen Menschen gibt, der so frei ist wie ich, der sich selbst so genug sein kann. Aber dann denke ich daran, dass ich vielleicht einfach nicht auf Männerjagd bin, weil ich nicht mehr in was wie mit F. reinschlittern möchte. Solange ich weiterhin nur einen Bruchteil von dem empfinde, was ich immer noch für D. empfinde, kann ich sowieso nicht mit wem anders zusammen sein.

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