Posipessi

Ziemlich plötzlich werden meine Augen feucht und ich kämpfe die Tränen runter. Es macht mich traurig, an einem Werktag um fünf durch die Stadt zu gehen und vom Gefühl her zehn Uhr abends zu haben, weil alles ausgestorben ist. Momentan stirbt es sich leider auf die eine oder die andere Art. Und ich weiß, dass die sinnbildliche nicht so schlimm ist wie die wortwörtliche. Natürlich weiß ich das. Ebenso wie mir bewusst ist, wie gut, wie toll, wie umwerfend es mir persönlich im Vergleich zu vermutlich 94,5% der (Welt-)Bevölkerung geht. Aber das heißt ja nicht, dass ich nicht trotzdem dem hinterhertrauern kann, das ich verloren habe.

Immer habe ich mich daran geklammert, dass es nur für eine absehbare Zeit sein wird, aber längst ist klar, dass tatsächlich wenig wieder so werden kann, wie es einmal war, dass die Veränderungen einschneidender, bleibender sind. Wie viele davon etwas Gutes in sich tragen, wird nur die Zeit zeigen.

Vor meinem Phantasieauge sehe ich die Innenstädte wieder durch inhabergeführte individuelle Läden belebt werden, die durch die lokale Bevölkerung unterstützt werden werden, weil niemand die Trostlosigkeit der Corona-Städte zurückhaben möchte. Ich sehe einen strahlend blaueren Himmel, weil die Mehrheit von uns die Fahrräder als neues Verkehrsmittel erster Wahl erkoren hat, zumindest hier in der Stadt, und zumindest von April bis Oktober. Wie wir alle gelernt haben, besser … usw. Ach, dieses Phantasieauge … Denn demgegenüber braucht als Symbolbild nur eins zu stehen: Der Kampf ums Klopapier. Und da weiß ich dann wieder, dass doch jeder sich selbst der nächste ist und es stets vordergründig um die eigene Bequemlichkeit geht und gehen wird.

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