Füreinander

Gab es wirklich etwas wie Studentenpartys?, fragte das Mädchen und klang wie eine Fünf-, nicht aber wie eine 15-jährige. Ungefähr das Alter, in dem ich mich auf meine erste dieser Partys geschlichen habe, und hier ist jemand, der wirklich unsicher ist, ob eine solche je existiert hat. Ist es, weil sie in dieser ganz anderen Welt als wir Gymnasialkinder der späten 90er leben?

Früher habe ich mir herausgenommen, mir bestimmte Freiheiten zu erstehlen und damit gewisse Fehler in Kauf zu nehmen. Bloß, dass es sich im Grund nie als Fehler herausstellte. Auf jene Studentenpartys, auf denen ich als 16-jährige nicht viel zu suchen hatte, kam ich mit einer Freundin und ihrer älteren Schwester, einer Studentin. Die Eltern der beiden Religionslehrer, der Vater Direktor eines Gymnasiums. Ich wusste, dass ich ihnen und ihren Freunden würde vertrauen können. Allerdings war das Wissen darum eher intuitiv, als dass ich behaupten könnte, mir wirklich intensive Gedanken darüber gemacht zu haben.

Es war einfach klar, dass ich, wenn ich mich an meine Freunde und deren Familienmitglieder halten würde, ein sicheres Umfeld hätte, das sich um mich kümmern würde, bevor tatsächlich grobe Fehler zu begehen waren.

Und meinen Schülern würde ich ähnliches raten. Diese Klasse habe ich nun fast sechs Jahre zusammengehalten. Von meinem Starterpack in der 5. Klasse sind 19 übrig, vier weitere kamen in der 6. Klasse hinzu und blieben bis jetzt. Das ist für unsere Schule mit der hohen Fluktuation durchaus außergewöhnlich – und für Gymnasialklassen vermutlich mittlerweile auch, zumal diese eventuell zwischendurch noch einmal neu gemischt werden. Aber diese 19, die kennen sich, seitdem sie zehn Jahre alt sind. Sie sollten wissen, dass sie sich gegenseitig vertrauen könnten, dass keiner den anderen davon wissentlich in eine furchtbare Scheiße reiten würde.

Es sind ganz sicher nicht 19 Freunde, und bei einem von ihnen müssten sie ahnen, dass 100prozentiges Vertrauen schwierig ist, aber wenn sie miteinander unterwegs sind, würden sie füreinander einstehen. So wie wir damals. Und deswegen könnten sie auch mal Scheiße machen. Aber ehrlich, wann wird es wieder so weit sein?!

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