Kopfüber – Ende

Irgendwann ist doch Schluss bei ihm und ihr. Und irgendwann habe ich einen neuen Ex. (Obwohl der andere der Herzens-Ex bleiben wird. Vielleicht für immer.) Doch dann ist Marcel wieder vergeben. Ein Jahr lang werden wir Kontakt haben. Über die verschiedensten Wege, aber immer näher rückend, in die Handys und Gedanken des anderen hinein. Bis wir so etwas wie Freunde sind, die einander erzählen, was gerade jobmäßig nicht läuft, die sich aufbauen, unterstützen und Hoffnung geben. Er und ich. Nach all dem Hin und Her.

Unsere Leben haben uns zwar räumlich auseinander, das Internet uns kommunikativ aber näher gebracht, als wir jemals vorher waren. Als er mir dann schreibt, dass auch mit seiner Nächsten Schluss ist, jubeliert es in mir. Endlich beide solo. Endlich könnte … Aber wann? Wie? Unsere Online-Unterhaltungen werden intensiver, doch ich sorge mich: Gebe ich zu viel? Beendet nicht er meistens die Unterhaltungen zwischen uns? Sollten wir über unsere Bekanntschaften sprechen? Was sind wir füreinander? Was ist er für mich? Bei all dem, was gewesen ist, könnte es …? … mehr werden?

Das nächste Mal, das wir uns sehen, küssen wir. Aber erst, nachdem wir uns darüber ausgetauscht haben, wie es sonst so beziehungsmäßig bei uns läuft. Wir verabreden, dass ich ihn in drei Wochen besuchen werde. Was ich tue. Und was zu gutem Sex führen wird. Dreimal.

Als ich wegfahre, merke ich: Meine Gedanken sind hin- und hergerissen. Manchmal glaube ich Ja, dann wieder Nein; manchmal Ernst, dann Spaß, manchmal BaldWieder dann Niemehr. Eine wirkliche Beziehung kann ich mir zwar nicht vorstellen, aber dass wir Freunde sind und ich ihn mit anderen teilen soll, nein, das will ich auch nicht. Darum bin ich ehrlich zu ihm, schreibe ihm die Wahrheit über die Gefühle, die er in mir auslöst und die ich unter Kontrolle bekommen will, weil ich ja weiß, dass von ihm aus nicht mehr kommt.

Er liest es und hält sich zurück. Lässt mir Raum, doch als er sich dann meldet, versteht er mich und wir bleiben so etwas wie Freunde. Mit mehr Abstand jedoch als vorher. Immer ein bisschen mehr. Bis wir Bekannte sind.

Nur einmal noch, Jahre später, werden wir den Abstand überwinden. Er und ich werden in der Disco stehen. Er mit Freundin zuhause. Ich mit Freund zuhause. Und er wird mir sagen „Diese blauen Augen“. Dann werden unsere Finger sich ineinander verschränken, wir aus der Disco verschwinden und uns noch ein letztes Mal küssen. Wahrscheinlich ein letztes Mal.

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