Zahltage

Die Innenstädte sterben. Die deutschen Wälder sterben. Und die Menschen sterben gleich mit.

Bei strahlendem Sonnenschein wanderten wir durch den Harz. Überall sah man Kahlschlag, wo einst Fichten standen, oder Baumleichengruppen, die sich noch bis zum nächsten Sturm so gerade aufrecht halten konnten. War es denn nicht auch misswirtschaftlich, so viele gleiche Bäume flächendeckend anzubauen? Ein Wald ist nun einmal kein Maisfeld, lässt sich nicht schon nach kurzer Zeit neu bepflanzen. Welchen Vorteil für den Wald haben Monokulturen? Leichtere Pflege wahrscheinlich. Aber Ahnung habe ich nicht. Nur Fragen.

Wir sprachen über Corona an den Abenden und über die Ängste, die die steigenden Fallzahlen wieder verstärkten. Immer wieder wurden die Zahlen in den USA genannt und dass diese dort so erschreckend seien. Ja, aber auch, weil es so viele Einwohner gibt. Bei den Todesfällen liegt die USA auf die Einwohner gerechnet an siebter Stelle. Und fünf europäische Länder liegen davor. Allerdings sind die USA bei den Infektionszahlen offenbar an zweiter Stelle hinter Chile und schwerwiegend ist, dass die USA es als eines der wenigen Länder nicht geschafft haben, die Kurve schnell abzuflachen.

Dem Virus versuchen wir mit Zahlen zu begegnen. Auch mit denen der Wirtschaft. Gestern wurden solche zur deutschen veröffentlicht. Riesige Einbrüche beim BIP und Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Ganz zu schweigen von viel zu vielen Firmen, die Kurzarbeit fortführen. Und heute dann die Gewinnzahlen von Amazon und Facebook. Dass unsere Innenstädte sterben, ist ein längst eingetretener Prozess. Wenn wir das nicht wollen, müssen wir regional einkaufen. Das sagte auch meine Familie. Aber im direkten Parfumvergleich, gab es das Parfum online für 40 statt 60 Euro – und wer will da noch in der Innenstadt kaufen?! Noch nicht mal gut situierte machen das bei einem solchen Preisunterschied.

Über all dem ist der strahlend blaue Himmel. Immer noch mit nur wenigen Kondensstreifen. Und so geht eine weitere Branche den Bach runter. Aber nie war der Himmel blauer und die Luft klarer.

Uns ging es lange sehr gut. Nun ist vielleicht einfach eine neue Zeit, aus der wir mit Vorsicht das Beste machen müssen.

Ein Gedanke zu “Zahltage

  1. Pingback: Zahltage – Gescheuchten Igel | ragbag

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