Im Kleinen

Es fällt auf. Mein Schweigen und das der anderen, deren Beiträge ich lese. Und auch wie einfach es ist, sich zu solidarisieren, indem man seinem Feed einen Tag lang ein schwarzes Bild gibt, ehe man dann wieder zu dem Posten eigener Oberflächlichkeiten zurückkehrt. Und dass ich zynisch geworden bin und mich wundere, ob die Promis, die nun auf irgendwelchen Protestläufen mitgehen und sich bei Insta inszenieren, wirklich nur ihre Bekanntheit nutzen und ihre Herzensmeinung zeigen wollen – oder ob es einfach nur ihrer Bekanntheit nutzt? Manche Instasternchen posieren mit irgendwelchen Schildern und springen auf den Zug auf und ich möchte es ihnen vorhalten, aber ich habe keine Ahnung, was in ihnen wirklich vorgeht.

Und was geht in mir vor? Wieso zeige ich nichts von meiner Solidarität und schließe mich nicht einfach Protestmärschen an, sondern bleibe entspannt auf meiner Couch im Sonntagsmodus sitzen? Ziehe mir Nachrichten um Nachrichten rein, aber springe nicht auf und fordere Gerechtigkeit ein? Lege mir zur Stimmung empfohlene Bücher in den Einkaufswagen, aber kaufe sie nicht direkt, sodass ich sie, wenn die Welle in ein paar Wochen abgeflaut ist, vielleicht einfach wieder aus dem Einkaufswagen entfernen werde? Wieso teile ich nicht irgendwelche klugen Sprüche, die irgendwelche Menschen nun irgendwo ausgegraben haben?

Weil es mich alles nicht interessiert? Weil ich hier in meiner weißen Blase der Sicherheiten sitze und es mich nicht kratzt, dass Eltern ihren Kindern beibringen, wie sie sich möglichst so verhalten, dass sie nicht von Polizisten bei einfachsten Kontrollen erschossen werden? Oder vielleicht einfach, weil ich nie für oder gegen irgendetwas auf die Straße gegangen bin, als priviligiertes Kind weißer Eltern, dessen Spielwiese die glückseligen 90er Jahre gewesen sind. Und weil ich nicht weiß, was ich sagen soll.

Stattdessen werde ich es unterrichten. Ich werde es einfach weiter unterrichten. Und wenn Schüler mir, wie in der letzten Woche, mitten in die Diskussion über George Floyd Dinge einwerfen wie „Der war ja auch schon im Gefängnis“, werde ich sie fragen, was sie damit eigentlich sagen wollen.

Ich säe im Kleinen. Anderes liegt mir nicht. Aber daran liegt mir.

5 Gedanken zu “Im Kleinen

  1. Es ist tatsächlich verdammt ruhig. Mir kommt es vor, als würde sich niemand jetzt vordrängeln wollen frei nach dem Motto „Ich habe da auch ne Meinung und die ist ganz wichtig“. Wir merken gerade, dass wir zuhören und verstehen müssen und dass wir daran arbeiten müssen, es besser zu machen. Ich habe selbst einen Text bei mir zu liegen, der sich mit Rassismus beschäftigt, aber ich habe ich nicht veröffentlicht, weil es eben nicht um mich geht und gleichzeitig zeigt der Text auch zwei Fehler meinerseits auf, weshalb er eben doch richtig wäre.

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