Auf einen Meter

Wir sind lange nicht mehr beieinander gewesen. Und als wären wir noch zwanzig, wissen wir nicht genau mit uns umzugehen. Vielleicht ist das ein Überbleibsel aus dieser Zeit, das für immer bleiben wird, denke ich mir, während ich dich einen Meter weiter stehen sehe und das momentan noch einen Meter Richtung unendlich ist.

Es kostet mich so viel Überwindung, diesen Meter zu schließen. Da muss es schon noch das eine oder andere Bier sein. Die nächste Runde geht auf dich und du siehst mich fragend, dein leeres Glas anhebend an. Ich schüttle den Kopf und erst nun, bei diesem Nichts, schließe ich den Abstand, hebe meinerseits meine Flasche Corona – was für eine bescheuerte Einzelheit in diesen Zeiten, es hätte ja auch ein Salitos sein können, aber nein, Corona  – hoch und zeige auf den Drittelrest. „Nee, lass ruhig. Ich brauch erst in einer Viertelstunde was“, sage ich.

Mit den Bieren in der Hand kehrst du zu uns zurück, verteilst sie, und der Einmeter bleibt zwischen uns. Ich spreche mit V. Zwei Mädels in der Disco wie damals. Nur dass wir Frauen sind, mit Fältchen um die Augen und Häusern, die wir unser Eigentum nennen.

Eine Viertelstunde später stehst du vor mir. Ein volles Bier in der Hand, als Tausch gegen mein mittlerweile tatsächlich leeres. Du hast dir die Zeit gemerkt. Diese Kleinigkeit, dieses kleine Kümmern um mich, bricht die Stille zwischen uns auf. Und wir reden.

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