Vorbei oder nicht vorbei

Manchmal ist Vorbei Vorbei und manchmal nur vorbei. Nach Trennungen, wenn du hineingeworfen in dieses neue, alte, andere Leben wirst, kriecht manchmal ein Sehnen nach dem Zweifachleben wieder hoch. Vielleicht, wenn du ein Paar siehst, vielleicht, wenn du deine Ex-Liebe auf sämtlichen Kanälen stalkst, und wohl vor allem, wenn sie glücklich ist und du … nicht. Du willst vielleicht nicht diese Ex-Liebe zurück, vielleicht doch, aber vor allem vermisst du das Gefühl ein Teil von etwas zu sein, das sich lange Zeit als richtig und gut und vernünftig oder zumindest als besser-als-allein angefühlt hat.

Für ihn war das Vorbei nur vorbei gewesen: Darum hatte er nicht loslassen wollen. Weil er sie liebte. Weil er sie besitzen wollte. Weil sie, wie er es ausdrückte, „immer noch die Königin“ war – obwohl er längst eine neue Beziehung eingegangen war, die „dir nie das Wasser reichen können wird“. Und einmal, als er dachte, sie seie in einer anderen Stadt, klingelte er um drei Uhr nachts an ihrer Wohnung, um das Gefühl von früher zurückzubekommen. Doch sie war da, öffnete und er hatte sich lächerlich gemacht. Und irgendwann danach wurde er zu einem Hai: Er kreiste und biss und jagte und organisierte und befahl und sah herunter auf andere. Und er nahm sich vor, sich nie mehr so verletzbar zu machen wie durch sie.

Für sie war Vorbei Vorbei. Und das bedeutete, dass sie keine Beziehung haben konnte. Über Jahre nicht mehr. Dass sie sich finden, selbstständig werden und ihren Lebensweg zurückerobern musste. Und nicht einmal war sie eifersüchtig auf irgendwelche Paare, denn Teil irgendeines Paares wollte sie nie mehr sein. Und erst, als jemand wirklich zu ihr passte, sie nahm, wie sie war, sie unterstützte bei dem, was sie sich wünschte, und ihr Innerstes verstand, wurde sie Teil eines Paares. Und blieb es.

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16 Gedanken zu “Vorbei oder nicht vorbei

  1. Er ist so erschreckend dein Text. So erschreckend wahr. Und wann wird es nur so sein, das jemand kommt der wirklich passt. Es scheint wirklich wahrer als bis jetzt gedacht….

    1. Es klingt so abgenutzt, aber: Jemand, der wirklich passt, wird nicht tausendfach deinen Weg kreuzen. Aber wenn du mit Leuten zusammenbleibst, die nicht passen, läuft dieser eine vielleicht an dir vorbei. Darum lieber warten. Und ja, auch das klingt abgedroschen, aber mittlerweile glaube ich dran: Es wird jemand kommen. (Und zwar bei mir tatsächlich an einem Abend, an dem ich keine Lust und es am wenigsten erwartet habe.)

      1. So wie es so häufig zu sein scheint. Aber ich kenne diesen Weg genau. Den bis zum letzten Absatz. Und der, der darf sich ebenso bald bewahrheiten 😉
        Und nein. Abgedroschen klingt es nicht, sondern einfach schön und richtig.
        Ich wart dann mal auf eben solchen Abend 😀

    1. Wenn man lernt in dieser Zeit mit sich selbst umzugehen.. ja dann schon.

      Abgedroschen ist im Grunde nur ein Modewort. Und wo Mode uns hinführen will sehen wir ja.

      1. Stimmt.
        Was ich eigentlich meinte, ist, dass die Menschen sich meiner Meinung nach viel mehr Zeit lassen sollten beim Wechsel von einem Partner zum nächsten.
        Oft ist es so, dass dieser schon in der Schlussphase der noch laufenden Beziehung vorbereitet wird.
        Manche werden noch nicht mal wirklich beendet.
        Daraus ergeben sich aber immer wieder in der Folge zerstörerische Probleme, die eigentlich unnötig sind, wenn dazwischen eine gewisse Zeit allein stattfindet…

      2. Da der Mensch ein soziales Wesen ist, geht das uns allen so…
        Am fatalsten ist es nach der Geburt allein gelassen zu werden, tödlich…
        Am zweitfatalsten während der Sterbephase…
        Dazwischen sind wir aber als gesunde, starke, selbständige Erwachsene stark und können gut auch mal alleine sein.
        Wer niemals den Mut dazu hat, verschenkt sich eine sehr wichtige Lebenserfahrung…

      3. „Wissenschaftlich“ gesprochen gehst du hierbei allerdings von funktionalen Beziehungs- und Bindungsstrukturen aus. Sind die aus einigen der unzähligen möglichen Gründe gestört oder auch dysfunktional ausgebildet, kann eine fehlende/schlechte Selbstwertregulation beispielsweise verhindern, in der Einsamkeit nicht zu hyperpersonalisieren und sich selbst zu dekonstruieren.

        In anderen Worten ohne die „große Worte Quote“: das klappt nur, wenn ich gesund lerne allein sei so an sich nichts schlimmes, weil ich dann nicht ungeliebt und allein auf der Welt bin. In a nutshell.

      4. Nun ja…

        Ich beobachte die Menschen im Netzzeitalter mehr denn je,
        und muss leider miterleben,
        dass völlig gesunde junge Menschen meinen, sie seien allein und verlassen, wenn sie nur ein paar Stunden mal keine Mail oder SMS oder Whatsapp-Nachricht bekommen…

      5. Ich möchte hier ganz klar unterscheiden zwischen allein sein und einsam sein oder sich entsprechend zu fühlen. Wobei die Übergänge manchmal fließend sind. Besonders im Alter, wenn die sozialen Kontakte durch den Tod immer weniger werden und die Mobilität abnimmt.
        Ob Alleinsein als furchtbar oder wohltuend empfunden wird, hängt auch von den Umständen ab. Wird eine glückliche Beziehung beendet durch Trennung oder Tod – dann ist Vorbei ultimativ Vorbei -, wird das Fehlen dieser einzelnen Person schon als Alleinsein gewertet. Dann ist es ein überaus quälender Zustand. Hinzu kommt ein Gefühl der fortwährenden Sehnsucht, in dem man völlig verloren gehen kann. Es dauert lange, sich daraus zu lösen.
        Nach der Beendigung einer unglücklichen, einengenden Beziehung wird allein zu sein eher als Befreiung empfunden. Ich kenne einige Frauen, die haben sich in der Ehe/Partnerschaft isoliert und absolut einsam gefühlt und lebten danach auf. Sie haben gute soziale Kontakte, hin und wieder lockere Begegnungen, würden aber nie wieder einen Menschen ganz nah an sich heranlassen. Ich erlebe sie als durchaus glücklich. Was die Liebe betrifft, bin ich auch für ganz oder gar nicht. Halbheiten sind meist Zeitverschwendung.
        Ganz bewusst herbeigeführte Phasen des Rückzugs, in denen man für einige Zeit ganz auf sich selbst zurückgeworfen ist, erweisen sich, falls man die ersten Tage der Verwirrung/Verzweiflung durchhält, als sehr heilsam und gut für die persönliche Entwicklung.

  2. Ein Mann der dich will , kann Berge versetzen . Wenn er jedoch nicht so recht weiß was er will und eine neue Beziehung hat und die alte nicht so richtig loslassen will, ist er unsicher und hat Angst vor dem Leben . Und dem allein sein . Er macht sein Leben immer von einer Partnerin abhängig und wird somit nie zufrieden sein , und gerade in der Liebe neigen wir dazu , uns manchmal zu verbiegen . Eine Beziehung sollte immer von Leichtigkeit und Freude getragen werden . Wenn es anfängt weh zu tun , muss man einfach versuchen ihn links liegen zu lassen . Auch wenn es schwer ist , Ich kann dir nur sagen , das Schicksal bringt Dir den richtigen , genau in dem Moment , wenn du nicht damit rechnest . mir ging es auch so . Freu dich auf darauf .
    Liebe Grüße

    1. Ist es denn amdersherum nicht genauso?
      Über deone Aussage zu Leichtigkeit u Freude muss ich nachdenken, da ich das noch nie so sah. Früher war Liebe immer etwas Schwermütig-verzweifeltes. Jetzt ist meine Beziehung tatsächlich eher etwas Leichtes,, ohne dass es oberflächlich ist, aber auch ohne diese Sehnsuchtstiefe, die früher,wohl v.a. wg der Nichterfüllung, eintrat.

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