Märchenwelt

Der trostlose Winterwald gleicht einer Märchenwelt: Zwerge, Elfen, Feen und Hexen scheinen jeder Zeit auftauchen zu können. Kein Wunder, dass die Menschen früher ihre Umgebung vermärchlicht haben.

Ich bin im Wald am Weiher und suche die Stelle, an der wir zusammen waren. Die Hände sind tief in meinen Taschen und kaum passiere ich den Platz, an dem einst unser Häuschen stand und wo nun nur noch die einbetonierten Eisenhalterungen aus der dünnen Schneeschicht lugen, streift mich ein eisiger Windstoß. Er gibt mir das Gefühl, als sei die Temperatur mit einem Mal etliche Grade gefallen.

Der eben noch klare Himmel hat sich zugezogen, Schnee beginnt herunterzutaumeln. Es prickelt leise, wenn die Flocken auf die Reste des Herbstlaubes niedergehen, die bisher noch von ihnen verschont geblieben waren.

Ich sehe zum Weiher hinunter. Vereist und mit schneebedeckten Bäumen umgeben liegt er da. Kein Tier zeigt sich, kein Geräusch außer das des Schnees durchbricht die Stille. Ich kehre meinen Blick zurück zu unserem Platz. So gerne möchte ich noch einmal das Gefühl haben, das ich hier mit dir hatte. Aber es war Sommer. Und nun sind die Bäume kahl, der Weiher gefroren, unser Häuschen weg und du aus meinem Leben verschwunden.

Langsam steige ich auf den Hügel hinter unserem Plätzchen. Ich erklimme die frostigen Wege, der Schnee fällt stärker, legt sich auf meinen Mantel, verfängt sich in meinen Haaren. Am höchsten Punkt angekommen, breitet sich die wie verzaubert wirkende Schneelandschaft vor mir aus. Immer noch ist um mich herum vor allem eins: Ruhe. Und Zauber. Irgendwie ist da auch Zauber.

Aber wo bleibt die Fee, die mir sagt, dass ich drei Wünsche frei habe? Wo die Elfen, die auf dem Weiher tanzen? Wo du?

Ohne Eile gehe ich zurück. Als ich den Wald verlasse, ist es, als würde ich aus einer Schneekugel heraustreten, denn kaum lichtet sich der Weg, verschwindet die Zauberlandschaft mehr und mehr. Zurück bleibe ich.

(Bereits veröffentlicht, aber überarbeitet.)

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15 Gedanken zu “Märchenwelt

      1. Neeiiiinnn, 🙂 so meinte ich es nicht, ich wollte nur ein Gefühl beschreiben, das einem mit zunehmendem Alter ( hier meinte ich mich, ich denke Du bist noch viel jünger, als ich!!!), in der Zeit, in der man sein Leben reflektiert, vielleicht öfter solch wunderbare, wenn auch manchmal schmerzliche Erinnerungen in den Sinn, in das Herz kommen …. ganz liebe Grüße

  1. Als ich siebzehn Jahre alt war, wurdest Du also geboren …. 🙂 🙂

    Und, aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass man manchmal, wenn man nicht groß nachdenkt, aufpasst, unbedarft vor sich hin fühlt, es geschehen kann, dass man in einen Weiher derart hineinplummst, den man meilenweit weg wähnte ….;-)

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