Das erste Versprechen

Dass ich dich heiraten würde, wusste ich früh, denn es war, wie Liebe ist: Entweder ja oder nein und nichts dazwischen. Liebt man, zweifelt man nicht, hält den anderen nicht hin, sondern nimmt an, was man vor sich hat. So wie ich dich mit deinen babyblauen Augen und deinen weißblonden Haare, dich, der meinen Blick so offen erwiderte und nickte, nachdem ich eher feststellte, als fragte: „Wir heiraten ja, wenn wir groß sind, ne?“

Damals saßen wir hinter Omas und Opas Couch und ich könnte schwören, du hattest deine rote Cordlatzhose an, und ich weiß, du warst mein bester Freund, für den ich sogar auszubüxen bereit war, obwohl ich Ärger von Opa bekommen würde. Und ein bisschen Angst hatte ich vor dem. Aber trotzdem: Ich liebte dich und darum rannte ich zwei Straßen zu dir, auch wenn ich versprochen hatte, auf dem Spielplatz zu bleiben. Auf dem du aber nun mal nicht warst.

Die Welt war schwarz oder weiß und mein Wille stark und mein Kopf trotzig. Vier Jahre war ich alt. Nun bin ich 30 älter und du heiratest zum zweiten Mal. Und keins davon war ich deine Frau. Weil die Liebe vorbeigehen kann. Egal, ob man vier oder dreißig ist.

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7 Gedanken zu “Das erste Versprechen

  1. Ja, so einen hatte ich auch … wir sind sogar aus dem Kindergarten zusammen „ausgebrochen“ 🙂 Er ist mittlerweile auch geschieden, hat mich aber zumindest auf seiner Hochzeit gefragt: „Warum haben wir jetzt eigentlich nicht geheiratet?“ 🙂 Aber wir sind noch ganz dicke Freunde.

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