Über das Zufriedengeben

Zu viele Menschen wollen zu viel. Vielleicht, weil die Worte sich zufrieden geben einen faden, resignierenden Beigeschmack (erhalten) haben. Aber ebenfalls zu viele Menschen sind unzufrieden. Mit sich und ihrem Leben und streben nach dem „Mehr“, manchmal ohne wirklich definieren zu können, was es ist.

Ich glaube, darin liegt ein Hauptproblem. Wer für sich klar hat, was das „Mehr“ ist, und wenn es erreichbar ist, wird aus dem schnöden zufrieden geben ein zufrieden sein, wird Zufriedenheit.

Wir lassen uns zu viel vermeintliche Ziele von Menschen vorleben, deren Leben auf das Unsere eigentlich gar keinen Einfluss haben sollte, weil wir sie nicht kennen und nie kennen werden. Warum interessiert uns deren Geschmack so sehr? Weil wir alle nach Anerkennung streben und die am leichtesten zu ereichen ist, wenn man sich geschmacklich an der Mehrheit orientiert. Aber dieses „Mehr“ ist vielleicht nicht das unsere.

Ich habe mich zufrieden gegeben und darum wird mein Po mittlerweile ein bisschen zu breit für meinen eigenen Geschmack, aber mein Leben ist so, so gut. Da ist der Mann, dessen ich mich anfangs nicht sicher war, ob ich ihn will, vor allem wegen Äußerlichkeiten: Wir sind gleichgroß, aber mein Po war sowieso immer schon breiter als seiner, und wenn ich das dann in unseren Schatten sah, wusste ich, dass auf ihn und mich keine Frau auf dem Friedhof zulaufen würde, um uns zu sagen, was für ein wunderbares Paar wir seien. So wie das mit meinem Ex passierte, mit dem ich aber nie zufrieden und weitab von glücklich war. Da ist der Job, der mir Anerkennung bringt, durch Kollegen und durch kleine Schülergeschenke am Schuljahresende. Den ich aber anfangs nie machen wollte. Nie, nie wollte ich Lehrerin werden. Mich vor Schüler stellen und mich jeden Tag beweisen müssen? Das stellte ich mir furchtbar vor. Dabei muss man sich nur einmal beweisen. Und dann läuft’s. Da ist das Haus, das wir zwei Jahre suchten. Zwei Jahre. Weil wir genaue Vorstellungen von unserem „Mehr“ hatten. Und das nun, gemeinsam mit dem Wetter, so ist, dass Urlaub woanders gar keinen Sinn macht. Warum wegfahren, wenn man im Guten wohnt?

Das ist mein Blick jetzt:

Das ist der Weg zur Erholung:

Und hier liege ich gleich. Oder weiter unten im Garten. Je nach Laune.

Ich gebe mich zufrieden. Weil ich es bin. Nur gegen den dickeren Po muss ich noch was machen. Was auch an den dünnen da draußen liegt. Aber vor allem an den Klamotten, die ich mir nicht neu kaufen mag. Weil ich mich mit denen nämlich auch zufrieden gebe und sie gerne jahrelang trage.

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4 Gedanken zu “Über das Zufriedengeben

  1. Wunderbar! Wie recht du hast. Zufriedenheit ist etwas, was wir noch mehr lernen müssen. Ich bin davon nicht ausgenommen. Danke für deine Inspiration und deine weisen Worte.

    Viel Spaß beim Sonnentanken und Zufriedensein,
    Caroline

  2. Ich finde, ein Frauenpo sollte auf jeden Fall breiter als ein Männerpo sein – das sind wohlakzentuierte Rundungen! 😉
    Ja, aber da hast du recht … das klingt bei dir auch schon nach mehr als „Zufrieden sein“. Das klingt nach „Glücklich sein“. Wer braucht schon Frauen, die auf dem Friedhof auf einen zugerannt kommen und einen zutexten? Was in dir selber ist, ist wichtig.

  3. Dann wünsche ich euch ein langes, gesundes Leben, damit ihr die Zufriedenheit genießen könnt 🙂 Ich denke, was du hast – oder was ihr habt -, ist kein Zufrieden_geben_, sondern ein Zufrieden_sein_, wenn ich nach deiner Definition gehe. Und das freut mich ehrlich für euch.

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