Innen

Ein Leben in Bonbonfarben. Manchmal erwische ich mich auch dabei, meine Umgebung mit Pastell ausstatten zu wollen. Ich nehme an, das ist Instagram und der sich dadurch verbreitenden Inneneinrichtungsmode oder den Filtern zu verdanken. So schön mädchenhaft und verträumt. So, wie wir Frauen auch mit fast 40 noch sein wollen?

Dabei hatte ich den Shabby Look schon vor zehn Jahren in meiner Wohnung. Taubenblau gestrichene Küche mit ein paar weißen Xenosmöbeln aus der maritimen Dekolinie ergänzten die immer abgewetzter werdende, weil fast 30 Jahre alte Ledercouch meiner Stiefmutter, den kastanienfarbenen Beistelltisch mit Glasfläche aus dem längst verstorbenen gemeinsamen Leben meiner Eltern, den beigen Hocker aus der Nachtrennungszeit meiner Mutter und den durch mich weiß gestrichenen Sekretär meiner Großeltern, seit 16 Jahren in meinem Besitz, aber gewiss schon mindestens 40 in dem meiner Familie. 

Als Studentin, Doktorantin, Referendarin war Geld in nur begrenztem Maß da und darum nahm ich, was ich kriegen konnte und machte das Beste daraus (finde ich …). Tatsächlich haben all die aufgezählten Möbel es aus meiner letzten Singlewohnung (links) auch in unser eigenes Haus geschafft. Ergänzt von weiteren Familienerbstücken wie dem Schreibtisch meines Urgroßvaters, dem Esszimmertisch und dem weiß gestrichenen Kleiderschrank meines Opas und dem Wohnzimmertisch meiner Schwiegereltern.

Das führte dazu, dass wir von 68 qm auf 140 qm wachsen konnten, ohne uns auch nur ein Möbelstück neu zu kaufen. Gut gemacht, finde ich. Pastellig ist dabei allerdings nichts geworden. Was auch am Einfluss meines Freundes liegt.

Und daran, dass unsere Familien wenig von Pastell hielten. Allerdings haben wir eine Vintageküche. So ne richtige. Ziemlich modern also. Aber zusammengesetzt aus Elementen der 30 Jahre alten Küche meiner Schwiegereltern und meines Opas, Fronten und Schränken Marke Eigenbau und einem für 98 Euro erstandenen Küchenbuffet, das generalüberholt werden sollte, was wir bisher aber verpeilt haben. Abgesehen von Ofen und Herd hat die Küche uns Farbe und Beschläge kostet – und meinem Freund ne Menge Zeit. Aber es ist unsere. Nicht hochglänzend, also schlecht zum Abwaschen, aber he, wenn sie zu dreckig wird, streichen wir halt nochmal drüber …

Gestern sagte ich zu meinem Heimwerker, unsere Ansprüche seien ja zum Glück nicht so pastellig-instagram-hoch, und er lachte mich ein bisschen aus, weil 140 qm für zwei Personen anders verstanden werden könnten … Aber mit das wichtigste war uns neben der Küche das folgende, wiederum von ihm selbst gebaut und von mir mit unseren Bücher bestückt. Viel zu bunt für die Filterwelt. Aber so wie wir.

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4 Gedanken zu “Innen

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