Fahrpartner

Auf dem Weg zu einem der Enden der Insel lasse ich Alex fahren. Was ich eigentlich nicht gut kann – andere mein Auto fahren lassen. Aber obwohl meine Reise erst fünf Tage alt ist, hat das Herumkurven mich ein bisschen geschlaucht. Und da schlich sich eben schon der Gedanke ein: Vielleicht behalte ich meinen Reisebegleiter einfach noch eine Weile? Spritgeld und Übernachtungsgeld und Autofahrten teilen, Unterhaltung haben, Fotos von mir geknipst bekommen … Das sind alles kleine Vorzüge. Aber ein großer ist wohl auch der, das ich ihn mag. Alex ist unkompliziert, gut gelaunt und jammerfrei.

Ohne darüber zu sprechen, haben wir scheinbar einen Pakt geschlossen: Dass wir nicht über unsere Vergangenheiten reden und nicht über Nachrichten. Ist je etwas Gutes dabei herumgekommen, neuen Bekanntschaften von alten zu berichten? Früher hatte ich das Gefühl, damit angeben zu müssen, wie viele Männer mich schon gut gefunden hatten, weil ich glaubte, das würde meine Attraktivität steigern. Irgendwann habe ich begriffen, dass das überhaupt nichts damit zu tun hat. Eher im Gegenteil. Und finde ich Alex gut? Ja. Dunkle Haare mit wilden Locken, grüne Augen zu dunklerem Teint und gerade Zähne. (Wichtig! Gerade, weiße Zähne sind sehr wichtig.) Und er ist zwei Jahre jünger, was mich allerdings ein bisschen hemmt und dazu führt, dass ich mehr Sprüche über das Alter bringe, als ich es von mir selbst gewohnt bin. Nach dem dritten verbiete ich mir meine Unsicherheiten aber. Wenn ich ihn nicht dauernd darauf aufmerksam machen würde: Ihn selbst interessieren die zwei Jahre vermutlich am wenigsten. Zumal ich mich wahnsinnig gut gehalten habe … Natürlich.

LandsEnd

Vom Wind vorangetrieben erreichen wir Land’s End. Felsen und Steinchen und Abhänge und Klippen mit aufbrausenden Wellen. „Hm, Küste“, sagt Alex unbeeindruckt und ich muss ihm zustimmen. Wenn die Sonne scheinen würde, wäre man vielleicht eher davon angetan, aber so ist es eben ein Küstenabschnitt von vielen. Und darum winden wir uns bald weiter die engen Straßen mit den hohen Mauern links und rechts entlang auf zum mystischen England.

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