Dorfmädchen

Kaffkind. Sorry, ich sollte es nicht abfällig formulieren, aber: Kaffkind. Manchmal würde man sich wünschen auf Menschen zu treffen, wenn sie bereits einen größeren Teil ihrer Reise hinter sich haben. Nicht, dass ich total kosmopolitisch wäre, immerhin muss meine Heimatstadt sich von Kölnern regelmäßig verspotten lassen, aber Ahnung vom Leben habe ich allein durch mein Alter und die Wege, die ich bereits nahm, eben doch. Ich kann mir das gerne kleinreden lassen von irgendwelchen Leuten, die mir sagen, wie viel mehr ich noch erleben sollte und dass meine Reaktion auf das Küken hier im Auto vor allem von einem nicht spricht: der Reife des Alters. Aber ehrlich, man muss ja nicht mit allen Menschen auskommen, oder?! Und Kaffkind und ich werden keine Freunde werden. Und ich auch nicht ihre Mentorin, die sie in die Kunst des Reisens einführt.

Oh! Spitze! Sie hätte gehört, ich würde Richtung Brighton fahren und ob ich sie mitnehmen könnte?! Das wäre supersupertoll! Sie würde mir auch was Spritgeld geben, also anteilig oder so. Und ich würde diese Reise ganz alleine im Auto machen und ich wüsste nicht, wie lange ich unterwegs wäre und ich hätte mein Erwachsenenleben dafür aufgegeben? Das sei ja total krass! Also sie, sie mache das ja nach dem Abi. Sie habe nur noch warten müssen, bis sie 18 wurde, sonst wäre sie im Juni schon los, aber so ging das ja erst im Juli. Und fast hatte sie beim Brexit Angst, dass sie die Grenzen schließen würden, aber ihr Papa hätte sie beruhigt und …

Wie fühlen Eltern sich, wenn sie so einen Frischling aussetzen, dem sie nicht mehr verbieten können, nicht loszureisen?

Kaffkind und ich fahren auf jeden Fall erst einmal Rye an. Eine Stadt, die es nicht wahnsinnig fasziniert, weil ihre Eifelheimat ähnlich altbacken sei. Und ja, sie hat ein wenig Recht, dass Rye vor allem alte Menschen interessieren dürfte. Und eben Büchernarren wie mich. Weil das Rye vom Catcher in the Rye kommt, den sie in der Schule hätten lesen müssen? Ähm, nein, einfach nur weil ich das Mittelalter in Büchern gut finde und Bücher selbst …

rye

Ich bin fast schon froh, ach, was sage ich, ich bin froh, dass ich Kaffkind in Brighton absetzen kann. Den Gedanken, selbst dort zu bleiben, habe ich auf der Fahrt dahin verworfen. Lieber schnell weiter und Abstand mit dem nächsten Dorf aufbauen. (Aber die Promenade gebe ich mir teils doch. Im Auto. Auf der Durchfahrt. Hübsch.)

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