Lebensspiele

Es hatte diesen Mann gegeben, der sie aufgefangen hatte, nachdem ihre Ehe in die Brüche gegangen war. Doch sie hatte ihm nie glauben wollen, dass er auf die jüngeren Frauen verzichten würde – für sie, die noch dazu älter war als er.

Also ließ sie ihn bei seinen jungen Schnicksen und nannte das, was zwischen ihnen geblieben war, Freundschaft, bis sie sich von ihm verraten und gegen jenen Exmann eingetauscht sah, obwohl vielleicht zuerst sie es gewesen war, die sich abgewandt hatte.

Das Leben zeigte sich von seiner komischen Seite, nachdem gerade sie das Beichtkissen für seine aktuellste viel zu junge Geliebte wurde, die mit ihrer Hilfe die eigene Karriere in seinem Heimatdorf an den Nagel hing, um Kellnerin zu werden, statt ihn weiterhin fast jeden Tag sehen zu müssen. Weil sie über sich nie viel preisgeben wollte, wusste die andere nicht, dass der Ex einer jener vier wichtigen Männer in ihrem Leben gewesen war, und erzählte freimütig von all den Problemen und Verfehlungen des Mannes, wurde aber doch, sie hatte es kaum glauben mögen, noch einmal mit einem anderen glücklich.

Und sie selbst? Wieder schlug das Leben einen seltsamen Haken, als es ihn vor ihre Tür brachte, weil er nur ihr zutraute, seine Geschäftspartnerin zu werden und es mit ihm auszuhalten. Sie dachte an seine Eltern, die sie gemeinsam zur Zeit ihrer Freundschaft begraben hatten, und an all das, was sie immer wieder zueinander führte.  Und als er das nächste Mal mit Blumen in der Hand klingelte, wunderte sie sich kaum noch, wie gut es sich anfühlte, als er auf ihrer Terrasse saß.

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