Das Eincremen – Der Ungebundene IX

Am Strand schüttelte Isa ihr Handtuch aus und begann sich zu entkleiden – was normal für ihn sein sollte. Zum einen weil er schon mehr Frauen als Isa dabei zugesehen hatte, wie sie sich ihrer Kleider entledigten, zum zweiten weil er speziell Isa schon mit weniger als einem Bikini angezogen kannte. Aber als sie aus ihrem Rock schlüpfte und sich ihr Oberteil über dem Kopf ausgezogen hatte, und er den Unterschied zwischen der Haut ihrer Arme und der ihres Bauches bemerkte, musste er schlucken und seinen Blick abwenden. Viel in der Sonne gelegen hatte sie in diesem Jahr jedenfalls noch nicht. So bronzebraun die Arme waren, so fast durchscheinend weiß war ihr Bauch. Und es gefiel ihm zu wissen, dass er gerade etwas zu sehen bekam, was nicht viele andere Männer in diesem Jahr gesehen hatten. So wie er Isa kannte, konnte man die an einer Hand abzählen. Fand er gut.

„Cremst du mir den Rücken ein?“,  fragte sie und legte sich auf den Bauch.

Sie eincremen? Er schluckte noch einmal. Das war keine gute Idee. Nicht jetzt. Aber das konnte er ihr wohl kaum sagen, oder? Wie denn? ‚Also Isa… Warte noch mal fünf Minuten, ich bin gerade wegen des Farbunterschieds auf deinem Körper ziemlich geil geworden und muss mich erst mal wieder runterkriegen?‘ – Nein, keine gute Alternative. Vorsichtig stützte er sich so, dass er ihren Körper mit seinem nicht berührte und verteilte die Sonnencreme langsam über ihrem oberen Rücken.

„Du kannst ruhig das Bikinioberteil aufmachen: Unter den Trägern darfst du nicht vergessen.“ – „OK“, antwortete er ein bisschen zu einsilbig. Hoffentlich würde sie nichts bemerken. Er fummelte am Verschluss herum, bis ihre Hände nach hinten griffen und ihn mit einem Handgriff lösten.

„Besser?“, fragte sie. – „Ja, danke“, obwohl nichts besser war. Ihren Rücken vor sich zu haben, erinnerte ihn an die Male, bei denen ihr Rücken sich an seine Brust und seinen Bauch geschmiegt hatte und an die Art, wie ihre Atmung erst ein wenig tiefer und dann lang und gleichmäßig wurde, kurz bevor sie einschlief.

„Geht’s? Brauchst du mehr Creme? Am Höschenrand hab ich übrigens schon.“ – „Beruhigend“, murmelte er. – „Was hast du gesagt?“ – „Nichts, nichts.“ – Sie seufzte kurz und meinte: „Konzentrierst du deine Gedanken gerade auf was anderes?“ – „Ja, auf alles, nur nicht auf dich.“

„Weil mein Körper so umwerfend ist?“ fragte sie selbstironisch, denn sie war sich über alle Macken ihres Körpers im Klaren, wusste aber auch, dass er dennoch den Männern gefiel. Sie erwartete eigentlich nur eine Bestätigung, doch die würde er ihr nicht so leicht geben: „Umwerfend vielleicht nicht…“ – „Charmeur. Aber?“ – „Aber weiblich.“ – „Wie der von 50 Prozent der Bevölkerung.“ – Er: „Nein, anders weiblich.“ – „Ah. Ich bin mir nicht sicher, ob das ein Kompliment ist.“ – „Auch wenn es sich nicht wie eins anhört, es ist wie eins gemeint.“ – „Du meinst, weil er femininer ist als die Körper von den Hungerweibern mit denen du zuletzt ins Bett gegangen bist.“ – „So ungefähr.“ Endlich hatte er sie zu ende eingecremt und legte sich neben sie.

„Du auch?“, erkundigte sie sich.

„Gleich erst. Nachdem ich das erste Mal im Wasser war.“

„Abkühlung, hm?“, fragte sie grinsend und räkelte sich, um das Bikinioberteil wieder zu schließen: „Immer wieder schön zu wissen, dass ich noch wirke. Auf dich.“

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