Ein frischer Start – Der Ungebundene VII

Hmmmm … Er atmete tief ein. Lecker. Kaffee. Vorsichtig öffnete er seine Augen und sah sich in dem fremden Raum um. Ah ja, Belgien. Isa. Strand. Irgendwo Kaffee. Gut. Dann sah er auf seine Uhr: Elf. Wollte sie nicht um zehn schon aufstehen?

Er pellte sich aus dem Laken, tapste zum Wohnzimmer herüber und lehnte sich auf die Theke, die Küche und Wohnraum voneinander trennte: „Du bist ein Traum“, sagte er und begutachtete ihre Arbeit. Sie hatte bereits den Tisch auf dem Balkon komplett gedeckt, hatte entweder Zeug fürs Frühstück mitgebracht oder eingekauft, hatte Kaffee gebrüht und Ei in der Pfanne. – „Nein. Ich bin nur eine sehr, sehr, sehr gute Freundin, die ein fettes Geburtstagsgeschenk von dir bekommen will, weil sie sich so mütterlich gut um dich kümmert“, erwiderte Isa, streckte ihm die Zunge raus und setzte die Kaffeekanne auf den Balkontisch.

„Oder du bist nur eine Frau mit einem ziemlich schlechten Gewissen, weil du mich nach hierher entführt und sämtliche meiner Pläne durchkreuzt hast.“ – „Wenn du weiter darauf rumhackst, kannst du gerne gucken, ob du mit der Bimmelbahn bis Oostende kommst und von da aus nen Zug nach Hause kriegst“, sprach sie und schippte die Eier aus der Pfanne. „Frühstücken?“ – „Ja, frühstücken“, er lehnte sich zu ihr und gab ihr einen Kuss auf die Wange: „Vielleicht bist du doch ein kleiner Traum.“ – „Nee, wenn schon ein enorm einnehmender, guter, interessanter; einer, bei dem man irgendwann fliegt.“ – „Uh, Isa, für deine Phantasiegeschichten ist es mir ein bisschen zu früh. Können wir das weiterspinnen, wenn ich gegessen habe?“ fragte er und zur Bestätigung knurrte sein Magen vernehmlich. – „Können wir“, sie ließ sich auf dem Balkon nieder.

„Ist ein bisschen frisch ohne Sonne“, sagte er und verschwand im Zimmer, um sich ein Shirt über den nackten Oberkörper zu ziehen. Er musterte die Sachen, die sie von ihrem Bruder für ihn ausgeliehen hatte. Nicht gerade das allerbeste Zeug, aber na ja, er hätte einem halbwegs Fremden wohl auch nicht gerade die guten Shirts und Shorts auf den Weg gegeben. Eine Badehose sollte er sich vielleicht selbst kaufen gleich. Der Gedanke die von Isas Bruder anzuziehen behagte ihm nicht so ganz.

Als er an den Tisch zurückkam, hatte Isa ihr Mahl schon begonnen. Er wollte gerade den Mund aufmachen und sie zurechtweisen, dass sie ruhig auf ihn hätte warten können, als ihm auffiel, dass er fast nur gemotzt hatte heute. Nicht ganz zu Unrecht irgendwie. Aber auch nicht wirklich im Recht. Also räusperte er sich kurz: „Danke.“

„Danke? Warte erst mal, bis du diesen Gourmet-Kaffee getrunken hast…“ – „Nein, ich meinte: Danke, dass du das alles machst. Du hattest vermutlich auch was anderes vor an dem Wochenende jetzt.“ – „Nein, ich hab es mir für dich freigeschaufelt. Ich kann dich einfach nicht weiter vor die Hunde gehen lassen“, sagte sie, und obwohl sie lächelte, verstand er, dass es nicht als Scherz gemeint war. – „Das werd ich schon nicht.“ – „Doch, das wirst du, wenn du so weiter machst.“

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