Lebenszustand (Ungebundene III)

Und er erwachte erst wieder, als der Wagen anhielt und sie den Zündschlüssel abzog. Er hatte keine Ahnung, wo er war. Nicht bei ihr zuhause, nicht bei seinen Eltern. Nicht vor irgendeinem McDonalds und nicht vor irgendeiner Disco. Stattdessen konnte er das Meer sehen. Das Meer! Sie hatte sie auf irgendeinen Parkplatz ans Meer gefahren. „Wo sind wir?“

„An der belgischen Küste.“ – „Ah.“ Eine dreistündige Autofahrt dürfte das in etwa gewesen sein. Das erklärte die Dämmerung. „Was soll ich hier?“

„Vom Selbstmitleid wegkommen.“ – „Bitte?“ – „Du hast schon gehört“, mit diesen Worten verließ sie den Wagen und reckte sich.

Er blieb verdutzt vor sich hinstarrend sitzen. Selbstmitleid? Er? Nur weil er ein bisschen über seinen Job, über sein mangelndes Glück bei Frauen und sein Alter rumkümmte? Das war doch kein Selbstmitleid, das waren lediglich Feststellungen über den Zustand seines Lebens. Wie kam sie dazu, ihn nach hier zu verfrachten? Was dachte sie sich dabei? Immerhin hatte er heute was vorgehabt. Er musste seine Wäsche machen und seine Wohnung aufräumen, er musste Emails schreiben und seine Urlaubsfotos abholen. Und heute Abend war er mit Kai verabredet. Also… Aber heute Abend würden sie ja auch sicherlich wieder zuhause sein. Oder? Oder nicht?

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5 Kommentare zu „Lebenszustand (Ungebundene III)

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