Insta*nt Freunde

Es haben sich neue Welten aufgetan. Nein, ich bin tatsächlich kein neuer Instagramjünger geworden, sondern habe schon seit zwei Jahren ein bildleeres Profil gehabt, das nur aus zwei Katzenfotos bestand. Was mich eigentlich im falschen Licht zeichnet, denn es ist gar nicht meine Katze und besonders verliebt bin ich in sie auch nicht. Aber darum geht es jetzt gar nicht, sondern um meine gestrige Entdeckung: Ich habe Instagramer zu Freunden.

Wieso mich das so überrascht? Ich weiß es nicht. Aber es überrascht. Auf einmal sehe ich da, wie viel Privates von einigen für alle zugänglich in die Welt hineingesetzt wird. Mehr als ich nach 20 Jahren Freundschaft in letzter Zeit gesehen habe. Plötzlich nehme ich an ihren Tagesabläufen teil, von denen ich mich aufgrund meiner Smartphoneverweigerung scheinbar ausgeschlossen habe, sehe Urlaubsfotos, deren Sichtung ich immer versprochen bekam, und entdecke Selfies in den Posen, über die wir einst lachten. Und natürlich sind auch all die unvermeidlichen Farbfilter, die die Welt ein kleines bisschen individueller machen, dabei.

Ja, es irritiert mich. All die bunten Bildchen. Wir wollen zeigen, wo wir waren, was wir haben, wie toll unser Leben in dem Moment des Smartphonezückens ist, und offenbar wollen wir auch genau das sehen. Denn obwohl ich selbst nur Unwesentliches in bildlicher Form preisgebe und meistens nicht mich selbst, schaue ich mir doch gerne die Bildchen anderer an. Meistens die schlechteren, um mich zu wundern, wer das wiederum als veröffentlichungswürdig betrachtet hat.

Nicht nur bei Facebook, auch bei Instagram setzen (vor allem) Mütter ihre Kinder ins Netz und treffen nicht einmal die passenden Vorsichtsmaßnahmen (aka den Account auf privat setzten). Wie soll ich Schüler zum Recht am eigenen Bild erziehen, wenn ihre Gesichter durch ihre Eltern schon hundertfach online gesetzt worden sind und sie gar kein Gefühl dafür bekommen, dass sie ein Mitspracherecht gehabt hätten?  Klassenfahrt, Handyfoto mit Fr. W. und schwupps, online bei Instagram und von Daheimgebliebenen kommentiert, abglehnt, gelikt, was auch immer … Ähm, danke, nein. „Aber Mama und Papa machen das bei mir auch immer so … Sie stellen sich an. Voll das gute Foto.“ Egal. Da bin ich lieber die uncoole, altbackene Lehrerin, als die, die sich per Social Media an die Schüler verkauft.

Da fällt mir noch am Rande ein: Es gab  letztens die Idee von den Machern der Shopping-Queen, Lehrerinnen mit Schülern in den „Battle“ zu schicken. Die meisten Kommentare unter dem Facebookpost waren positiv und bei der, die kritisch fragte, ob man das als Lehrerin wirklich machen sollte, wurde von einer Redakteurin rückkommentiert, man würde ja nur zeigen, wie cool, schüleroffen und noch irgendwas man sei. Ach ja. Menschen von gestern unterrichten Stoff von vorgestern an Leute von heute für Probleme von morgen. Irgendwie so war das ja.

Ihr wisst, ich finde mich als Lehrerin recht gut, ich bin es gerne und ich weiß, man kann bei mir viel lernen. Aber eben auch, wie man mit Social Media umgeht. Vorsichtig.

Eine Lektion, die einige meiner Freunde offenbar auch vertragen könnten.

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3 Kommentare zu „Insta*nt Freunde

  1. Mich ärgert am meisten, wenn Eltern Bilder und Videos von Kindern ins Netz stellen, ohne darüber nachzudenken, ob sie damit nicht deren Persönlichkeitsrechte verletzen. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis die Mehrheit einen maßvollen, sinnvollen Umgang mit dem Medium lernt, bei dem man sich nicht selber gefährdet/schadet, sondern nur Nutzen daraus zieht. Eine Zeitlang fühlte ich mich mit meinen Ansichten wie ein Dinosaurier. Aber mittlerweile denke ich, dass diejenigen, die neue Medien kritisch betrachten und bewusst nutzen, in Wirklichkeit schon eine Stufe weiter sind.

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