Das gebaute Leben

Ähm nein. Liebe spielte keine große Rolle. Es war eher der Drang, ihn nicht der Anderen zu überlassen, weil die ihn ja sowieso nicht gewollt hat. Aber nein, wenn ich ihn ansah, war kein Kribbeln da, nichts, was ich als rosarote Gefühle betitelt hätte. Und manchmal, ja, manchmal musste ich mich sogar ein bisschen überwinden, weil er zu wenig so war, wie ich meinen Freund hatte haben wollen. Aber ich wusste auch, ich konnte nicht wählerisch sein. Ich hatte das Bestmögliche aus mir gemacht und ich hatte mir vorgenommen, den Bestmöglichen zu bekommen. Und das war nun mal er. Wieso?

Ich werde mich nicht beliebt machen, aber seine reiche Eltern und die Grundstücke waren ausschlaggebend. Obwohl es so 19. Jahrhundert klingt, aber ich wollte versorgt sein, gerade weil ich ja ahnte, dass die tollen Kerle eh nicht bei mir Schlange stehen würden. Und eben auch, weil ich der Anderen zeigen wollte, dass er mich genauso wollen würde, wie er sie erst gewollt hatte.

Wollte er dann nicht. Nie so wie sie. Aber mittlerweile haben wir zwei Kinder, ein großes Haus und ich ein Zimmer nur für Schuhe und Handtaschen. Ich habe mir dieses Leben so ausgesucht. Für mich wird es reichen. Vermutlich.

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21 Kommentare zu „Das gebaute Leben

  1. Da habe ich mich schwer getan, diesen „Gefällt mir“ Button zu klicken. Also erst mal, Respekt für diese Ehrlichkeit, aber dieses „Für mich wird es reichen. Vermutlich“ stimmt mich dann doch ganz schön nachdenklich. Irgendwie klingt das nicht so. Ein Zimmer für Handtaschen und Schuhe, finde ich erst mal cool, Handtaschen sind jetzt nicht so meins, Schuhe aber schon 😉
    Für mich klingt das so nach, man muss mit dem zufrieden sein, was man hat. Ist das so,macht das Sinn?

    1. Ich weiß nicht, wie ehrlich das Geschriebene ist. Es ist nicht ich. Ich könnte so nicht sein und leben, aber natürlich habe ich mich von wem inspirieren lassen. Wie nah es an der Wahrheit ist – oder wo es nur so scheint, das weiß ich nicht…

    1. Stimme ich dir zu. Früher war es häufiger so, dass die Versorgung an erster Stelle stand. Heute sollte es nicht mehr so sein. Nicht mehr in unserer Welt. Aber wenn man die ganzen Stars und Sternchen ansieht, dann klemmen sich ja an reiche alte Knacker immer noch junge hübsche Frauen. Und die machen es sehr wohl ebenfalls wegen des Geldes.

  2. Gefällt mir gut, der Text – mag er real oder fiktiv sein. Wahrscheinlich gefällt er mir gerade deshalb so gut, weil ich das nicht erkenne. Oder, weil ich mich darin erkenne, auf eine verquere Art und Weise.

  3. ein sehr persönlicher und sehr ehrlicher blogpost. viel erfolg weiterhin auf deinem blog und vielleicht findest du auch mal die zeitauf meinem Blog nen Abstecher zu machen. bis dahin 🙂

  4. Man kann es sehen wie man möchte, aber ich bin fest davon überzeugt, dass auch heute noch viele Frauen die Nullen vor dem Komma zählen, bevor sie sich endgültig binden. Warum auch nicht?

    Finanzielle Sicherheit nimmt einem einen großen Teil der Existenzangst, vor allem im Hinblick auf die Altersarmut. Wenn ein Mädchen sich ein Leben wünscht, in dem es eigene Zimmer für Schuhe und Taschen hat (schnief) – dann soll man es ihr doch gönnen.

    Steht es uns zu darüber zu urteilen und dieses zu (be)werten? Jeder muss für sich Entscheidungen treffen, die er morgens vor seinem Spiegelbild noch rechtfertigen kann. Wenn es sie glücklich macht … dann happy shopping!

    1. Wir leben in einer Welt, in der wor selbst für Sicherheiten sorgen können, auch als Frauen. Wenn eine aber entscheidet, ein solches Öeben wie das Dargestellte zu führen,soll sie es machen. Eine Freundin von mir könnte es wohl nicht sein …

      1. … würde das auch für bereits bestehende Freundschaften gelten? Also, wenn eine deine Freundinnen diesen Schritt jetzt erst gehen würde. Wäre die Freundschaft beendet?

        Je nach Bundesland und Kreis wird der reiche Ehemann gegen das Sozialamt getauscht. Und nicht immer freiwillig. Ist das auch Sicherheit? 12 Millionen Menschen leben in Deutschland an der Armutsgrenze.

        Anyway. Die Meinungen und Gedanken sind frei.

      2. Es würd mich sehr erstaunen, wenn einer meiner Freundinnen wegen Geld eine Beziehung eingeht. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt und auch in den kommenden Jahren. Und ihre Gründe müssten sehr stichhaltig sein, denn ja, sonst würd ich denken, ich hätte mich getäuscht.

  5. Schön geschrieben.
    Zum Inhalt möchte ich sagen, dass Materielle zum persönlichen Glück notwendig wäre, ist ein alter Irrtum. Dieser Irrtrum setzt sich nach kurzer Dauer wieder fort um neues Material zu finden. Am Ende ist man nie glücklich, weil man es bekommen hat…
    Wie wäre es, wenn man glücklich wäre ohne glücklich sein zu müssen?
    Die wichtigen Dinge im Leben sind nicht nur ausreichend, sondern bekommt man geschenkt: Liebe, Vertrauen, Respekt.

    1. Geschenkt bekommt man Respekt nicht. Den erhält man nur, wenn man sich so verhält, dass der andere ihn zeigen möchte. Auch Vertrauen fassen wir nicht einfach so. Da müssen wir uns sicher sein. Nur mit der Liebe, mit der gehen wir manchmal unüberlegt schenkend um…

      1. Was ich ernten möchte säe ich. Richtig, ich bin für mein Verhalten verantwortlich und dieses kann ich auch beeinflussen.
        Behandle ich den anderen respektvoll wird er mir eher seinen Respekt schenken. Vertrauen wird ebenfalls geschenkt, sobald es sich einstellt. Mir ging es eher um den Aspekt, dass wir diese wichtigsten Dinge nicht kaufen oder einfordern können…
        Liebe soll überlegt sein? Entscheidest du in wen oder was du dich verliebst?

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