Fürimmers

Er weiß, was Liebe ist. Seine erste Freundin – wie hat er sie geliebt! Manchmal schien es ihm die Luft zu nehmen, wenn sie nicht in seiner Nähe war, weil sie das O in Atem gewesen ist. Oder seine dritte Freundin. Nur ein Sekundenblick in ihre Augen hatte ausgereicht, um sich zu verlieren und zu wissen, er würde Dummheiten begehen, damit er sie wiedersähe. Die Augen und das Mädchen. Oder seine erste Erwachsenenbeziehung während des Studiums. Für sie oder wegen ihr hatte er wieder zu glauben begonnen, dass Fürimmer möglich sein muss, sein wird, sein kann. Und er glaubte an nichts mehr, als es scheiterte. An nichts.

Und während er an Nichts glaubte, hatte er eine Sexbeziehung mit einer, die es nicht wert war. Sie war bloß da. Mehr nicht. So richtig passen tat es nie und Fürimmer musste es mit ihr bestimmt nicht werden. Er wusste, sie ahnte die Wahrheit hinter seinen zärtlichen Gesten beim Sex. Und als er schon begann sich von ihr abzuwenden, als die Gesten weniger, der Sex reiner wurde, offenbarte sie ihm, sie sei schwanger.

Wie passend, hatte er gedacht. Gerade jetzt. Ob sie es darauf angelegt hatte? Brachte diese Frage etwas? Sie würde die Mutter seines Kindes sein. Für immer. Und deswegen spürte er, dass er es versuchen müsse. Und so versuchten sie es miteinander und gemeinsam. Manchmal genügt Zufriedenheit. Manchmal wird sie Liebe. Manchmal.

Doch es war der erste Schrei seines Babys, der ihn daran erinnerte, wie Liebe sich anfühlt und wie er sie vermisst hatte. Und dafür würde er an einem Fürimmer arbeiten.

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31 Kommentare zu „Fürimmers

    1. Ähm … Also ich habe mich in jemanden hineinversetzt, den es gibt und aus dessen Äußerungen und Umständen ich einiges, das meiste, herausgezogen habe. Wie gut ich traf, was war, bleibt offen.
      Aber macht es einen Unterschied?

      1. Für den Betroffenen schon. Ich hatte mal eine Beziehung beendet weil ich Angst hatte, dass der Vater meiner damaligen Freundin der Opa meiner Kinder werden könnte. Entsprechend hatte ich einen kalten Schauer beim lesen

  1. Ich will keine unpassenden Vergleiche ziehen – aber das erinnert mich an die schönste Szene aus „How I Met Your Mother“:
    Es hat mit keiner Frau geklappt und er hat die große Liebe vollkommen aufgegeben – bis er seine neugeborene Tochter in den Armen hält.
    „You are the love of my life. Everything I have and everything I am is yours, forever.“
    Ich finde den Gedanken wunderschön, dass ein Zufallskind jemanden, der aufgegeben hat, wieder ins liebende Leben zurückholen kann. 🙂

    1. Du kannst alle Vergleiche ziehen, die du magst. Da ich HIMYM nie gesehen habe, noch nicht mal eine Folge, kann ich nicht sagen, ob es Ähnlichkeiten mit der Szene hat. Dort bleibt die Person aber nicht mit der Mutter der Tochter zusammen?!
      (In meinem Beispielfall haben sie mittlerweile das zweite Kind und sind verheiratet.)

      1. Es hat tatsächlich große Ähnlichkeiten mit der Situation deines Textes, und auch wenn HIMYM in und wieder ein zweifelhaftes Format darstellt, so haben sie diese Szene doch wunderbar hinbekommen.
        Worauf ich ursprünglich hinauswollte – der Text gefällt mir unglaublich gut. 🙂

  2. Gerade diese Texte von dir liebe ich.
    Und doch:
    Ich hoffe dein Protagonist ist glücklich mit seinem jetzigen Leben und wird es bleiben.
    So ein bisschen hat mir deine Story jedoch einen Schauer verursacht.
    Ist nicht gerade diese Konstellation, wie du sie beschreibst, der Grundstein, dass Männer sich eine Geliebte suchen, weil sie eben nicht auf alles verzichten können (z.B. die große Liebe)?
    Ich habe in meinem Bekanntenkreis da so einige Kandidaten und die haben nicht nur sich, sondern auch die Menschen, die sie lieben extrem unglücklich gemacht.
    Denn das Fürimmer bleibt.
    Der Weg in ein „wirklich“ erfülltes Leben ist versperrt.
    Wo natürlich die Frage im Raum steht, was bedeutet „erfülltes“ Leben.
    …vielleicht ein Anstoß für eine neue Story?

    1. Danke für deine Anregungen und Worte.
      Wenn ich das Vorbild für meine Geschichte richtig einschätze, dann wird er nicht rumstreunern und sich seine Liebe suchen. Ehe wird er für die Kinder den Schein wahren und danach entscheiden, ob er die Frau mittlerweile fürimmer liebt oder nicht. Das führt dann natürlich wieder zu der Frage: Soll man zusammenbleiben, obwohl man seinen Kindern dann vielleicht etwas vorspielt?

      1. „Rumstreunern“ – kein schlechtes Wort.
        Es ist aber eher so, dass diese Männer das meist gar nicht bewusst wollen / suchen, sondern sich ausversehen verlieben, eben anfälliger dafür sind, sich aber nie für ihre neue Liebe trennen würden. (86 % aller Fremdgänger bleiben bei ihren alten Beziehungen / Familien – denkt man gar nicht)
        Dieses Fürimmer ist irgend eine andere Form von Liebe oder Versprechen.
        Das hat meiner Meinung nach nicht viel mit der romantischen Liebe zu tun, von der alle träumen oder schreiben.
        Ich find’s halt ein interessantes Thema, weil ich da selbst mit betroffen bin.

      2. Die neue Liebe und er schafft es nicht sich zu trennen.
        Ich versuche zu verstehen warum, was ist das für ein magisches Band?

      3. Er ist also noch bei seiner Frau und den Kindern? Wie lange läuft das denn schon?
        Was ich mich bei Affären solcher Art immer frage: Wenn man die „Andere“ ist, glaubt man dann, dass man so anders ist, dass der Mann mit einem selbst nicht fremdgehen wird, obwohl er doch bereits bewiesen hat, dass er ein Fremdgänger ist.
        Denn sagt er nicht auch Dinge wie „Es ist mit keiner wie mit dir“ „Ich würde so etwas mit niemandem sonst machen“ „Du bist mir so wichtig, aber…“
        Wir hoffen immer, dass wir die Frau sind, bei der alles anders wird. Aber wie oft wird es das dann wirklich?

      4. Jede Geschichte ist anders. Bei dir klingen da ziemliche Vorurteile durch.
        Der Hauptgedanke der Fremdgänger ist eher, ich kann doch meine Familie nicht zerstören, sie brauchen mich doch oder aber ihnen so viel Leid zufügen, was sie nicht verschuldet haben. Denk doch z.B. an unseren Bundespräsidenten.

        Ich mag meine Geschichte nicht so öffentlich machen. Du kannst mich aber gerne privat fragen.

      5. Es ist halt schwierig. Mein Vater ist meiner Mutter fremdgegangen und hat sie damit so verletzt, dass sie ihr Leben für wertlos hielt. Und ich stand andererseits zweimal auf deiner „Seite“, allerdings war da nie Familie im Spiel. Weil ich Teil einer solchen verletzten Familie war, würde ich von mir behaupten, dass ich an dieser Stelle den Cut machen würde.

  3. Weißt du, ich lebe in einer eher offenen Beziehung seit über 4 Jahren, alle wissen Bescheid, es gibt Regeln an die sich alle versuchen zu halten, seine Kinder sind dabei sich abzunabeln, weil sie erwachsen sind. Und doch ist es für alle ziemlich schwer.

    Wir haben den Cut aus Vernunft versucht aber nicht hinbekommen.

    Meine Eltern sind auch geschieden und haben beide neue Partner und sind glücklich damit geworden. Natürlich war es für alle schwierig, ich war noch ziemlich jung, habe es aber nie als Schuld oder Belastung empfunden.

    1. Ich finde, es ist eine Sache des Alters der Kinder. Wenn es so ist, wie du sagst, ist das jedenfalls weniger ein Grund. Ich war zwei damals und für mich war es erst zu frühen Jugendzeiten ein Problem, weil ich da versuchte zu begreifen, wie und warum Liebe kaputt gehen kann.

  4. Es ist gut wenn ein für Immer so etwas werden kann, leider ist der Begriff heute sehr schnelllebig. Ich bin in der Hinsicht eher „Oldschool“ Ich kenne das mit dem Lieben und dem Schmerz, wenn man alles für diese tun würde, am Ende scheitert. Naja, aber dein Text hat es sehr gut auf dem Punkt gebracht

    1. Vielleicht kommt das auch auf die persönliche Geschichte an, auf das, was man an Erfahrungen aus dem Elternhaus mitbringt. Hier war es ein ziemlich zerrüttetes und vielleicht war die Motivation, es mit der Frau zu versuchen, darum eine größere, weil er seinem Kind seine eigenen Erfahrungen ersparen wollte …

      1. Dann würde ich mich fragen, was ein Kind von diesem Zweckbündnis lernt & und ob das wirklich die beste Lösung ist. Wenn beide neue Partner hätten muss es dem Kind ja nicht automatisch schlecht gehen.

  5. Manchmal tut man Dinge, weil sie vernünftig sind, weil man sich daran gewöhnt hat oder weil es von einem erwartet wird und man niemanden enttäuschen möchte…
    Ob das immer gut ist? Jeder muss für sich selbst entscheiden, was sein Glück ist und wenn Dein Mann hier wegen des gemeinsamen Kindes mit ihr zusammenbleibt… seine Entscheidung und nur er wird wissen, ob er damit glücklich ist, oder?
    Dürfen wir das beurteilen?

  6. Keine Liebe, nur der Sex und das gemeinsame Kind. Irgendwann wird die Lust in dieser anfänglichen Sexbeziehung schwinden. Dann bleibt nur noch das gemeinsame Kind. Und dann?
    Ich finde das nicht verwerflich, deswegen zu bleiben. Aber man sollte sich als Paar wohl nichts vormachen.

    Ach ich mag solche Geschichten!!! (Zum Lesen…)

    1. Ehrlich? Ich überhaupt gar nicht eigentlich. Für mich soll Liebe immer einfach sein. Sie ist da. Sie ist weg. Und ich kann mir nicht vorstellen, mit Menschen zusammen zu bleiben, von denen ich annehme, dass sie mich ursprünglich hintergangen haben, um mit mir zusammen zu sein …
      Schon beim Lesen werde ich wieder ein bisschen wütend. Auf ihn. (Auch wenn mich das zu nem schlechteren Menschen macht.)

  7. Ach Liebe ist nie nur einfach, so mit da und dann wieder weg.

    Vielleicht entsteht ja aus solchen Konstellationen eben etwas nicht Alltägliches, „Normales“.
    Wo man gleich zu der Frage kommt, wer das eigentlich definiert.
    Ich habe mir das früher auch nicht vorstellen können. Das Leben zeigt es eben.immer wieder, dass es keine Schemata gibt.

    Mein Partner ist ja auch so einer, wie du beschrieben hast, gehalten hat es bei ihm 20 Jahre mit Höhen und Tiefen.
    Und jetzt hat er auf der einen Seite die Familie, Beziehungen zu fast erwachsenen Kindern und Frau und fühlt sich sehr wohl dort, bei seiner Familie, und auf der anderen Seite eine neue Partnerin, mich, die ihm dafür den Freiraum gibt, geben muss.

    … übrigens, es gibt viele, die nicht verstehen können, warum.

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