Lieblingsmode

Hätte man mich gefragt, hätte ich nur abfällig den Kopf geschüttelt und behauptet, dass sowas nicht Mode werden würde. Mit großem Fragezeichen über dem Kopf bin ich vor fünf Jahren neben einer Freundin her durch die Stadt gegangen, während sie, knallenge Hosen, Überknöchelschuhe, die Haare zum Hipsterdutt tragend, sich in eine Vintagetasche aus den beginnenden 80ern, aus gestepptem, braunem Leder und mit vergoldetem Gurt verliebte. Das kann sie nicht ernst meinen, habe ich gedacht. Und Tage später über die unmöglich gemusterte, viel zu große schwarz-weiße Strickjacke gelacht, die sie sich dann dazu kaufte. Zwar fehlten Schulterpolster, aber viel zu breit wirkten ihre Schultern in ihr doch. Und viel zu dünn die Goldkette des Täschchens.

Ja, hätte man mich gefragt, wohin die Mode sich entwickelt, ich hätte nicht auf jene Jacken, jene Taschen, jene Schuhe, oder auf bauchfreie Tops unter grautönigen Filzjacken getippt. Ich hätte nicht geglaubt, dass gedeckte Farben im Frühling getragen, dass Dritteweltrucksäcke oder die aus dem Bio-Lederladen sich 20 Jahre nach meiner Jugend, in der sie vielleicht aufkamen, vielleicht aber auch nur wiederholt rausgekramt worden sind, was weiß ich, tatsächlich breit durchsetzen würden. Oder dass keine Pumps, sondern solche Überknöchelschuhe auf kurze Röcke und Kleider angezogen werden würden.

Modern-modisch bin ich eine Niete. Total verloren und unhipster-hip. Niemals könnte ich einen Modeblog betreiben und instagramig inspirierte Fotos von mir selbst an Mauern gelehnt, mit einem Bein lässig hochgestützt verbreiten. Weil ich keine Ahnung habe. Oder zu alt und unmodisch bin. Oder es einfach nicht mein Stil ist. Tatsächlich ist es – in meinen Augen – vor allem letzteres. Ich finde heutige bloginspirierte Hipstermode einfach nicht schön. Ich gewöhne mich an den Stil, finde ihn nicht mehr so befremdlich wie damals, vor fünf Jahren, als meine einzige Hipsterfreundin strickend auf dem Weg nach Berlin neben mir saß. Aber er ist einfach nicht meiner.

Doch wenigstens ist Dunkelblau neben den ganzen anderen Lowkeyfarben seit zwei, drei Jahren wieder in Mode. Darauf habe ich zehn Jahre lang gewartet. Wie ein Idiot bin ich all die Zeit durch Läden gegangen und habe blaue Schuhe, blaue Kleider, blaue Oberteile gesucht. War nicht drin. In der Mode. In der Welt. Und blieb doch meine Lieblingsfarbe.

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6 Kommentare zu „Lieblingsmode

  1. Das Gute an der Mode ist ja, dass sie sich in gewissen Zeitabständen wiederholt. Ich mag das Zusammenwürfeln verschiedener, auch gegensätzlicher Aspekte. Vieles davon passt nicht zu mir, aber ich sehe es mir – meist – gerne an. Mich stört es allerdings, wenn Mode nicht mehr Vorschlag, sondern Diktat ist und alle wieder gleich „anders“ aussehen.

    1. Ich finde es eher immer noch überraschend, dass man wirklich nichts wegschmeißen sollte, weil alles wieder in Mode kommt. Aber dennoch schmeiße ich ihn regelmäßigen Abständen Dinge raus, wweil ich mich satt getragen habe, nicht, weil sie nicht mehr tragbar wären. Normalerweise gehe ich mit meinen Sachen so um, dass ich sie zehn Jahre und mehr tragen kann. Außer Hosen, die reißen immer auf.

  2. Ich denke, wer seinen eigenen Stil gefunden hat und den mit einem gewissen Selbstbewusstsein trägt, sieht ohnehin besser aus als jemand, der modisch gekleidet ist, aber sich darin unwohl fühlt.

    Der aktuelle Stil ist auch nicht meiner, aber da ich vor allem schlichte Basics in dunkel bis schwarz trage, finde ich eigentlich immer was 🙂

    1. Wenn man modern gekleidet ist (und das als eine der ersten=, hat man aber meistens genug Selbstbewusstsein, um es gut zu tragen. Ich muss oft von Trends erst überzeugt werden, aber beuge mich ihnen dann auch häufig dennoch nicht. Mittlerweile finde ich auch nicht, dass der Stil unmöglich aussieht, ich habe mich daran gewöhnt. Aber dass er mal modern wird?
      „Basics“ … der Lieblingsbegriff meiner Mutter, was Kleidung angeht. Aber mittlerweile verstehe ich ihn und habe so etwas tatsächlich im Schrank 😉

  3. Als Jugendliche (meine Jugend fand in den bunten Achtzigern statt) hatte ich einen sehr eigenen Stil. Nicht unbedingt revolutionär, aber doch anders als die anderen, die sich mit mir in meiner Stamm Disco tummelten. Mein Freund, den ich in ebendieser Stammdisco kennenlernte, sagte damals, ich wäre immer so edel angezogen. Das hat mich überrascht, es waren keine edlen Klamotten, auch nicht aus teuren Läden. Meistens Karstadt 😉 Da fand sich neben dem Achtziger Einheits Look immer was, das mir gefiel und das etwas anders war. Ohne dass ich allerdings gezielt „das andere“ gesucht habe. Ich wollte nicht unbedingt auffallen. Ich habe auch nie viel Klamotten gekauft früher, das Geld war nicht da. Meine angeblich so edlen Sachen trug ich immer sehr lange. Sie gefielen mir eben sehr lange.
    Worauf ich hinauswill: Tja, diese schöne Eigenschaft habe ich irgendwann verloren, und nie wirklich wieder gefunden. Heute weiss ich oft nicht mehr, was mir eigentlich steht und kaufe Sachen, die ich dann nie anziehe. Wo ich mich allen Ernstes frage, wie sie mir im Laden gefallen konnten.

    Und so kehre ich immer wieder zu Jeans und T-Shirt zurück, das kommt ja zum Glück nie aus der Mode 🙂

    1. Seltsam eigentlich, dass das etwas ist, das sich bei dir geändert hat. Ich würde eher sagen, dass ich mir immer sicherer geworden bin. Meine Mutter hat mri immer von den „Basics“ gepredigt, die in jedem Schrank sein sollten, damit man immer etwas hat, das mit etwas anderem kombinierbar ist. So etwas habe ich mittlerweile tatsächlich – allerdings mit und mit zusammengekauft. Und als Lehrerin brauche ich das auch (in meinen Augen). Ich bin nicht immer hunderpro stilsicher gewesen und habe nicht immer gefunden, was tatsächlich zu mir passt, aber ich kaufe selten etwas, das mir nachher nicht mehr gefällt.
      Irgendwie schon komisch, dass es bei dir eher andersherum ist?

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