Wundermedizin (Andere Zeiten)

Sie zwang ihre Gedanken fort. Schreiben war ihren zittrigen Fingern kaum mehr möglich. Und obwohl die Gedanken wieder wild durch den Kopf flossen, formten die Lippen sie nie so gelungen, wie die Finger es gekonnt hatten. Doch spielte das überhaupt eine Rolle? Was hatte sie denn noch zu sagen?

Von Dornröschen hätte sie vielleicht erzählen können, von den Wundern der modernen Medizin, die die erloschen geglaubten Lampen wieder anzuknipsen vermocht, die den Strudel der entschwindenden Erinnerungen gestoppt und Synapsen erneut mit elektrischen Impulsen versehen hatten. Aber sie wäre doch nicht die Erste gewesen, oder? Sicher nicht. Und wen interessierte wirklich, dass sie ihre Gedanken und somit das, was sie ausmachte, wiedergefunden hatte? All diese Wundertaten, die die Forscher und Ärzte vollbringen können, sind sie nicht nutzlos, wenn niemand mehr da ist, mit dem man sie teilen kann?

Sie war aus jahrelangem Dämmerschlaf durch Infusionen und Kapsel wachgeküsst worden. Und nun? Nun musste sie mit einer Zeitreise zurechtkommen, die sie nie gebucht hätte. Wie sollte sie verarbeiten, was auf sie einprasselte, wenn ihr Werkzeug es für sie nicht mehr ordnen konnte?

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3 Kommentare zu „Wundermedizin (Andere Zeiten)

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