Was ich mag

Eigentlich zu viel. Mag ich an mir. So viel jedenfalls, dass ich manchmal zur Arroganz neige, mich in Räumen umsehe und denke: Mensch, du siehst ziemlich am besten aus. Falsche Bescheidenheit ist jedenfalls an guten Tagen keine Charaktereigenschaft meinerseits.

Äußerlich: Ich finde meine blauen Augen zu meinem dunklen Haar toll. Ich liebe den Rotstich der Haare in der Sonne und erinnere mich noch an einen Tag in der Grundschule, als ich um die Schule zum anderen Schulhof ging, mir die Sonne auf den Kopf schien und ich das erste Mal Gold in meinen vom Wind vors Gesicht gewehten Haaren sah. Mein Lächeln, meine Gesichtsform von vorne, auch meinen fraulichen Frauenkörper mag ich, nicht ohne dass ich mir manchmal schmalere Hüften wünsche.

Innerlich: Ich habe ziemlich viel geleistet. Und ja, hier kann ich durchaus einen Punkt setzen, da das für mich stimmt. Nicht nur, weil ich an unterschiedlichen Orten gelebt habe, mit Minimalgeld klar komme oder eine Forschungsarbeit zur Diss gebracht habe, sondern weil ich in allen Jobs gut war, weil ich mich immer auf alles einlassen konnte, auf alle Tätigkeiten und alle Mitarbeiter. Egal, welchen angeblichen „Schichten“ sie angehörten. Ich bin ehrlich, direkt, manchmal unhöflich, unfreundlich, zu kurz angebunden, rechthaberisch usw. Japp, ich kenne all meine Fehler. Und ich bin trotzdem – oder gerade deswegen – super. Und das schreibe ich nur mit einem Ticken Selbstironie.

Weiterhin – trotz oder wegen allem – bin ich die realistische Idealistin geblieben. Und darum in meinem Leben, bei meinem Freund, in meiner Stadt, bei meiner Familie, meinen Freunden, meinem Job genau richtig. Alles, wie ich bin, wie ich war, was ich geleistet habe, hat mich hierhin geführt. Und auch darum mag ich mich.

(Antwort auf eine Blogparadenfrage vom heartshapedlifeblog.)

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5 Kommentare zu „Was ich mag

  1. Vieles von dem ,was du schilderst, entspricht auch meiner Selbstbetrachtung. Vor allem, dass jede bisherige Erfahrung dich an den Platz geführt hat, wo du heute stehst, ist eine gute und gesunde Sicht. Für mich kann ich im Rückblick sagen, ich würde alles wieder so machen, auch die Fehler und Fehltritte. Selbst die Wahl des falschen Mannes würde ich nicht auslassen, denn sonst hätte ich meine wunderbaren Kinder nicht, die mich nicht nur einmal durch ihre bloße Anwesenheit aus tiefem Tal gerettet haben. Man kann nun natürlich sagen, dann hätte ich eben andere. Aber ich will keine anderen, will genau diese.

    1. Genau das mit den Fehltritten sehe ich auch so. Das musste so sein, damit es jetzt so passt, wie es das tut. Ich finde, dass es vor allem wichtig ist, in dem Moment der Entscheidung hinter ihr zu stehen. Dann kann man nachher auch nicht jammern.

      1. Da bin ich ganz deiner Meinung. So geht Freiheit. Bewusste Entscheidungen treffen und die möglichen Konsequenzen akzeptieren. Außerdem trägst du auch die Konsequenzen, wenn du dich von anderen beeinflussen oder sie Entscheidungen für dich treffen lässt. Dann doch lieber selbstbestimmt scheitern und daraus lernen.

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