Wichtig (Charaktere)

Diese dumme, dumme Kuh! Hat die mir einfach eine schlechtere Note gegeben, als ich das erwartet habe. OK, ich hab vielleicht nicht alles gegeben, aber weiß die denn nicht, wie viel Ballast momentan auf uns Studenten liegt? Da müssen wir für tausend Seminare auf einmal lernen, sollten Millionen von Büchern lesen, Essays und Hausaufgaben schreiben und dann auch noch Seminararbeiten und Klausuren hinkriegen. Ich mein: Bitte?! Wer soll denn das alles schaffen?

Ha! Mein Vater hat mir vom Studium vorgeschwärmt, was für eine unheimlich geistig erfüllende und befreiende Zeit das gewesen sei. Dass er dadurch erst zu dem Menschen werden konnte, der er heute ist. Und ich denke mir nur so: Ja. Aber ich kann das nicht. Eingequetscht zwischen all den Seminaren und Ansprüchen und dem Leistungsdruck ist es mir unmöglich mal entspannt an eine Sache heranzugehen. Da soll ich für das eine Seminare den jungen Heine inhalieren und für das nächste mindestens drei Klassiker der Jugendliteratur in- und auswendig können. Außerdem soll ich mich für ein Shakespearestück entscheiden und einen Essay zur Bildungsdebatte in der Bundespolitik abgeben. Und das alles am besten in den nächsten sechs Wochen. Und ich seh schon, wie ich mich in die Weltliteratur verlieben werde. Ehrlich.

Am besten hätte ich das meiste schon gelesen, als ich mit dem Studium anfing. Oder? Und dann kommt auch noch das bescheuerte Schulpraktikum auf mich zu. Und nebenher arbeiten muss ich auch noch, weil natürlich das Geld nicht reicht. Erst recht nicht, wenn ich all das Material anschaffen muss, das meine Dozenten mir aufhalsen. Denn genau: Wir Studenten verdienen ja genauso viel wie die, oder?

Gott, bin ich froh, wenn ich Lehrer bin und endlich entspannen kann!

Advertisements

16 Kommentare zu „Wichtig (Charaktere)

      1. Eigentlich fand ich, wir sollten uns alle etwas mehr über die Studenten lustig machen … 😉 (Ich hab sie ja nun als Dozentin wöchentlich vor mir …)

      2. Da bin ich froh, ich hab mich nämlich kringelig gelacht. Drama, Drama, Drama.
        Trotzdem bleibe ich dabei, manchmal tut Frustabbau gut. Jedweder Seite – schön, wenn du es mit Humor machst 🙂

  1. Ojeoje, das wird ein böses Erwachen, wenn der oder die Arme dann den Workload eines frischgebackenen Lehrers sieht… XD Immerhin, wenigstens finanziell wird es dann besser aussehen.

  2. Amen. Wobei die Studies schon Recht haben, ein durchdringendes Studium ist bei vielen Studiengängen nicht mehr geplant. Ich habe acht Semester gebraucht, um auch nur ansatzweise zu verstehen, was Foucault mir eventuell sagen wollte (ironischerweise dank eines Pädagogikdozenten, für den ich Foucault unter dem Aspekt Erziehung lesen durfte). Und der wurde bei uns als Einführungsstoff ins Philosophiestudium genutzt. Es ist eben ein Problem, wenn die Studiengänge gestrafft werden sollen, die Dozenten aber entweder gar nicht wissen, was didaktische Reduktion ist oder das für Teufelszeug halten, dass die Studies verdummt. Genauso wie es ein Problem ist, dass die Studies nicht sehen, wie man sich Freiräume schaffen kann, denn das geht auch. Selbst wenn man dann mal ein Werk nicht liest, sondern nur den zusammenfassenden Kommentar *hust* Aber so Knilche wie den da aus dem Text habe ich auch zur Genüge erleben dürfen. Manchmal beschleicht einen das Gefühl, das ist Inszenierung, damit sie gepampert werden. Wie Babys.

    1. War denn ein durchdringendes Studium früher geplant? Auch heute noch könnte man freiwillig mehr Veranstaltungen belegen, aber man schaut zu, dass man schnell fertig wird. Es werden kaum Menschen wirklich „gebildet“ bzw. sie bilden sich nicht selbst, sondern sie sehen in der Uni eine Verlängerung der Schule. Das macht man halt, da muss man durch. Intrinsisch kommt bei vielen wenig.

      Nun kann auch wieder diese Keule kommen mit dem „Man muss ja auch arbeiten und hat keine Zeit“. Genau. Deswegen ist in NRW die Anwesenheitspflicht auch abgeschafft. Man könnte theoretisch einfach die Klausuren besuchen und im Selbststudium vorbereitet haben. Wenn man sie dann besteht, ist das gut und ausreichend. Auf den Diskurs kommt es nicht an.

      Daran sind aber auch viele Dozenten Schuld, deren Seminare meist auf Referaten aufbauten und die wenig wirklich selbst von sich zeigten. Referate anderer Studies, die eine Stunde lang sind, bringen aber für einen selbst wenig.

      1. Geplant ist zu stark, da gebe ich dir recht. Aber die Motivation der neuen Studienordnungen ist recht eindeutig, möglichst schnell einen Gelehrsamkeitsparcour zu durchlaufen. Ich bin ein großer Fan der modularen Struktur, weil man sich dann nicht so schnell verläuft, aber man wird als Student darauf fokussiert, Module abzuschließen und Punkte zu sammeln. Die Magister- und Diplomordnungen, wie ich sie kenne, hatten große Freiheiten neben einem kleinen Pflichtprogramm gelassen. Da musste man sich selbst sein Curricuclum zusammenbasteln und das hat eben Zeit erfordert, die man sich notwendigerweise nehmen musste. Was man daraus macht, ist jedem Studie selbst überlassen, auch heute noch. Da waren ökonomische Zwänge schon immer ein Problem, von daher kann man einer Studienordnung auch nicht die Alleinschuld geben. Aber sie haben es wesentlich einfacher gemacht, die Universität als verlängerten Arm der Schule zu begreifen. Wenn du so willst, sind die Seitenpfade noch immer da, aber wenn der Hauptpfad so schön ausgebaut und beschildert ist, warum durchs Gestrüpp stapfen? Dadurch setzt man sich auch einem immensen sozialen Rechtfertigungsdruck aus.
        Dass Hochschullehref oftmals didaktische Pfeifencsind, ist dann noch ein weiteres Problem. Die Universitäten haben es sich mit Bologna insgesamt ziemlich leicht gemacht. Statt sich die Frage nach einem neuen Selbstverständnis zu stellen und mit den Anforderungen umzugehen, die die Politik an sie gestellt hat, haben sie sich dazu entschieden, einerseits bloß Richtlinien umzusetzen, andererseits möglichst viel beim Alten zu belassen. Dann haben sie angefangen, die Politik dafür zu geißeln, dass diese Forderungen an sie stellt und den Prozess der Selbstverständnissuche an die Studies weiterzugeben: „Ihr könnt doch….“ zu sagen, aber keine gezielten Angebote zu machen und Maßnahmen zu ergreifen. So allein gelassen liegt es nahe, das Studium ökonomisch anzugehen und sich nur um den Abschluss als einzig sichtbares Zeichen der Universitätslaufbahn zu kümmern.

    1. Ich hab das als Uni-Dozentin geschrieben, als die Studenten dauernd nur jammerten. Von daher ist das natürlich mit Vorsicht zu genießen. Ich bin der Meinung, man muss/sollte sich für sein Studium mehr Zeit nehmen, um wirklich etwas zu lernen/zu begreifen/einzutauchen, statt nur schnell-schnell fertig zu werden und alles halb, aber außer Zeitmanagement nichts richtig zu können …

      1. Mein „genau das“ war auch mehr auf die Erzählungen des Vaters bezogen, wie toll studieren mal war und wie sehr man sich selbst entfalten/entwickeln/entdecken konnte und wie wenig davon heute noch übrig ist. 😉
        Auf mein Fachtheologie-Studium trifft das zum Glück nicht zu, aber mein Lehramtstudium ist in der Hinsicht der reibste Albtraum…

      2. Ich habe dann wohl noch knapp so studiert, wie dein Vater es konnte, auch wenn ich genau zwischen ihm und dir liegen dürfte. (Angefangen habe ich 2000, beendet habe ich das Studium 2006.)
        Ich sehe den Druck, der aufgebaut wird, aber könnten die Studierenden dem nicht einfach entgegenstehen? Es gibt zumindest hier keine Studiengebühren, warum dann nicht lieber ein bisschen entspannt bleiben?
        Gerade für das Lehramtstudium und deinen künftigen Beruf kann es nur gut sein, mehr vom Leben und dem Wissen erfahren zu haben, als nach genau viereinhalb Jahren fertig zu sein und 23jährig vor Schülern zu stehen. … Den finanziellen Druck verstehe ich, den hatte ich selbst ja immer. Trotzdem: Ich will die Zeit, die ich mir genommen habe, nicht missen.

  3. Also, ich als aktuelle Lehramtsstudentin gebe jetzt mal meinen Senf dazu! 😉
    Ich finde studieren doof, SO! 😀
    Ich weiß, dass ich diese theoretischen Grundlagen brauche und merke aus, dass ich jedes Semester wenigstens ein bisschen was Neues mitnehme, was mich freut, woran ich merke, dass ein Wissenszuwachs stattfindet und das finde ich gut.
    Aber ich bin trotzdem der Meinung, dass das Lehramtsstudium (hier spreche ich vor allem für Grundschule) viel zu theoretisch ist. Muss ich wirklich Statistik, Wahrscheinlichkeiten und Beweisen können für meine Kids später? Meiner Meinung nach nicht, das ist eine Sache, die MIR PERSÖNLICH einfach nur sehr viel Druck und Stress macht.
    Ich weiß, dass das Lehrerdasein kein Zuckerschlecken sein wird, dass es viel Arbeit ist und auch das wird mich wohl dann manchmal nerven.
    Aber ich merke für mich persönlich, dass mir die Arbeit an sich einfach viel mehr Spaß macht, mich viel mehr erfüllt, als dieses Studium. Wenn ich als Vertretungslehrerin in die Schule gehe, blühe ich förmlich auf und trotz des Stress den man oft hat, macht es mir Spaß und ich bin gut gelaunt.
    Ich bin froh, wenn ich (hoffentlich) nächstes Jahr mein Staatsexamen in der Tasche habe und nicht mehr zur Uni muss.
    Hierbei muss man jedoch bedenken, dass gerade in meinem speziellen Fall die Belastung und der Stress in einem solchen Studium aufgrund meiner chronischen Erkrankung nochmal was anderes ist, als bei den „normalen“ Studenten.
    Und ja, ich kenne mehr als genug Studenten, denen es zu viel ist, mal eine Lektüre zu lesen, sich über den Tellerrand hinaus mit einem Thema zu befassen, was wirklich wichtig ist später und die finde ich selber albern! 😀

    Ich hoffe ich konnte jetzt hier die andere Seite mehr oder weniger würdig vertreten! 😉 😛
    GLG

    1. Ich stimme dir voll und ganz zu. Die Lehrerausbildung ist schlecht und selten auf das ausgerichtet, was man süäter brauchen wird.
      Aber selbst das, was man braucht, wird von den Studierenden überwiegend unenthusiastisch und oberflächlich ausgeführt. Die Rückmeldung der Studierenden zu meinen Seminaren war immer sehr gut, aber dass sie sich airklich tiefergehend mit Inhalten auseinandergesetzt haben und ich zufrieden mit ihnen war … selten. Sie forderten viel und gaben wenig.

      1. Ja, ich weiß dass es davon viele gibt. Denen der Dozent quasi nie „wenig genug“ Anforderungen stellt aber trotzdem wollen sie ja guten Inhalt haben und was für die Praxis mitnehmen.
        Da müssen beide Seiten halt nen Mittelweg finden und das wollen viele halt leider nicht verstehen….

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s