Tiefe (Charaktere)

In puncto Menschheit scheint mir der Realitätsmaßstab noch essenziell zu sein, durch den wir uns von anderen Lebewesen segregieren. Allerdings muss bedacht werden, dass jener sich durch die Mystik, die bereits vor Jahrtausenden Einzug in unsere Existenz erhalten hat,  mindestens redublierte, da zu der gelebten Realität noch jene in den anderen Sphären addiert werden muss. Was bitte sagen Sie? Unklar? Nur weil Sie sich in der gehobenen Sprache nicht auskennen, heißt das nicht, dass ich mein Sprechverhalten angleichen müsste. Ein Fremdwörterbuch würde Ihnen diesbezüglich ausgezeichnete Dienste leisten.

Überhaupt empfinde ich die Verrohung der Sprache durchaus schmerzlich und werde mich nicht weiter zu ihr herablassen. Sollten Sie jemals in Ihrem Leben ein Buch aufschlagen, dann dürfte auch Ihnen nicht entgangen sein, welch banaler Sprache sich die Schriftsteller heutzutage bedienen. Um wie viel anspruchsvoller waren die mäandernden Schriften aus der Vorkriegszeit. Diese neuzeitliche Form von Nüchternheit und Simplifizierung ist meines Erachtens erst durch den Krieg über uns hereingebrochen. Es mag sein, dass man nach dem Geschehenen keinen Sinn mehr für die Schönheit, die Anmut unserer Sprache empfand, dass das Grauen die Liebe zum Zierrat erstickte, aber wirkte damit nicht die Sprache des Krieges, des Regimes, diese schwarz-weiß-graue Beamtensprache fort? Nun, weitere Worte diesbezüglich wären an dieser Stelle wohl wenig fruchtbar, stattdessen sollten Sie sich zunächst einmal mit Adorno und der auf seine These folgenden Diskussion beschäftigen. Wäre das nicht auch ein schönes Bonbon für Ihre Schülerzeitung? Gerne können Sie mich anschließend um einen neuen Termin zu einer Unterredung bitten.

Und nun: Wo ist das Klo?

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24 Kommentare zu „Tiefe (Charaktere)

      1. Sahst du es nicht so wie im Text? 😉

        Nein: Dein Stil ist nicht so. Und auch nicht schlimm. Manchmal empfinde ich ihn als etwas sperrig. Meiner ist eher gerade. Und so sind wir anders. Und das ist gut.

      2. Oh, sperrig. Worin sperrig? Ich glaub es ja fast auch. Mir kommt es bisweilen vor, ich habe mehr Gedanken, als mir Worte zur Verfügung stehen.

      3. Für deine Gedanken gibt es vielleicht schon genug Worte, aber eventuell nicht so viele Menschen, die dir dann noch folgen können.

        Und vielleicht doch.

      4. Ach so. Das fände ich dann nicht so schlimm. Zunächst, da ich für mich schreibe, aber auch deswegen, weil mir die Menge an Leuten, die mir folgt nicht so wichtig ist, als die paar, die es wirklich tun. Ich bin zufrieden damit.

        Allerdings würde ich durch Kompliziertheit im Ausdruck nicht den Eindruck erwecken wollen, ich wäre ein Schwätzer. Das nun nicht.

      5. Mit „folgen“ meinte ich nicht die Follower hier. Sondern die generell deine komplexen Gedankengänge nachvollziehen können.

        Ich lese dich gerne, weil du deinen eigenen, anderen Stil hast. Aber manchmal steht da ein comichaftes „?“ über meinem Kopf.

      6. Ich hab dich schon verstanden. Und dann sagst du es selbst: du liest mich gerne. Ein paar Andere tun das auch. Das reicht auch erst einmal.

        Im Übrigen: Sorry, ich bin ein Sehrlangsamleer und nicht wirklich Jemand, der gerne Texte am Bildschirm liest, weswegen ich nicht immer dazu komme, deine Texte zu lesen. Ich komme einfach nicht nach. Trotzdem kann ich sagen, bislang gefällt mir, was ich lese. Du hast einen ganz anderen Stil als ich, sagst es selbst. Du bist eher eine von den Beobachtern, während ich, der das nicht so gut kann, eher von oben nach unten schreibt, also von den Gedanken zu den Worten und Bildern (zur Realität?)……..

      7. Momentan habe ich einfach zu viel Zeit. Daher die Unmenge an Artikeln. Das wird auch wieder anders werden. Und ich werde mich freuen, wenn du weiterhin mitkommst.

        PS Das mit dem Ungern-am-Bildschirm-lesen kenne ich, vor allem bei zu langen Texten. Vielleicht schreibe ich deswegen eher kurz, aber häufig.

      8. Die Neugier(de) lässt mich jetzt doch noch eine Frage stellen: hast Du mich denn nun imitiert? Oder wäre das nur eitle Annahme von mir?

      9. Also ich weiß nicht, wie du aussiehst. Aber ich habe mir einen alternden Germanistikprofessor mit noch halb wehender Mähne und Tweet vorgestellt, so sechzig, der mit übereinander geschlagenen Beinen auf einem Ohrensessel sitzt und einen Zigarillo raucht.
        Bist du so?

  1. Sehr witzig. Vor allem die letzte Frage, schmeichelte mir ein Lächeln auf die Lippen.
    Ich finde es ja auch mal ganz nett so geschwollen einen vom Stapel zu lassen, aber insgesamt bewundere ich doch eher die Menschen, welche es schaffen mit einfach Worten die schwierigsten Sachverhalte zu erklären und zwar so, dass es jeder versteht. Das ist eine Kunst! Fremdwörter zu benutzen ist für mich eher ein Ausdruck der eigenen Unfähigkeit gegenüber der Thematik, aber das ist nur meine Meinung^^.

    1. Fremdwörter zu nutzen sehe ich nicht als Unfähigkeit gegenüber der Thematik. Ich glaube durchaus, dass die Menschen, die sie nutzen, sich auskennen. Aber sie wollen offenbar nicht, dass andere sich ebenso auskennen. Lieber bleiben sie in diesem elaborierten Zirkel.

    1. Mayumi machte mich darauf aufmerksam, dass ich durchaus einige zu lange Sätze in meine, Roman hätte. Aber ich finde, es ist ein ausgewogenes Maß. Nur weil alle jetzt in Subjekt-Prädikat-Objekt-Sätzen schreiben, muss man ja nicht seinen Stil verlieren.

      1. Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt. Und die die Schablonenbücher verkaufen wollen, folgen dem Willen des Marktes. Für mich und, wie offensichtlich für Dich, ist Literatur etwas anderes.

        Ein langer Satz kann nerven und er kann ein wunderbares Gebilde sein, dem man gerne gedanklich folgt.
        Einfach Augen und Ohren zu und durch, das muss ich auch gerade praktizieren.

  2. Das Klo liegt gleich neben dem Klavier. Sie müssen nur den Gang hinablaufen, dort halb links abbiegen, die Treppe hinunter, auf dem Absatz in den anderen Gang abbiegen und dort können sie schon das Klavier sehen, da liegt auch die Klotür 😉

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