Bock (Charaktere)

Neeeee, echt nicht. Null Bock jetzt grad auf Fragen. Was solln das immer? Müssen Sie in unsere Psycho eintauchen, oder was? Dann halt Psyche. Von mir aus. Jedenfalls empfind ich das als krasse Einmischung in meine Privatsphäre. Wenn Sie so rumfragen und so. Und dann erwarten Sie wahrscheinlich, dass ich Ihnen die Wahrheit sage und so: „Eh, ja, ich hatte ne volle schwere Kindheit.“ Und wenn ich die hatte? Kann ja sein. Was wollen Sie dann daran ändern? Nichts. Eben. Können Sie ja eh nicht. Ist vorbei. Und ja, jetzt is auch nich alles easy. Behauptet ja auch keiner, ne? Ich mein, wie war’s denn so bei Ihnen? Ach nee, ne? Ich kenne meine Grenzen nich. Nur weil ich Sie was Persönliches frag. Aber Sie bei mir, ne? Da is alles klar. Sicher.

Was? Eine Frage nur? Wenn ich einen Zauberstab hätte, was ich dann machen würd? So ein Scheiß. Ich hab keinen. Also ich hab schon einen. Hähä. Aber so nen Zauberstab zum was Wünschen. Sowas gibt es nicht. Je eher man das checkt, umso besser. Das Leben is halt so. Nich anders. Entweder ich klöpp die einen oder die anderen klöppen mich oder beides. Und man macht das Beste draus. Und manchmal reicht’s halt nicht. Is dann scheiße. Aber ein Zauberstab? Wenn ich Ihnen sag, ich wünsch mir andere Eltern, simmer wieder bei der Kindheitskacke. Wenn ich Ihnen sag, ich will meine Vorstrafe weg, muss ich Ihnen was darüber erzählen. Wenn ich sag, ich wünsch mir bessere Noten, sagen Sie, da bräucht ich keinen Zauberstab für.

Und ehrlich. Den brauch ich echt nicht. Vielleicht brauch ich nur … nee, keine Ahnung. Sag ich nicht. Jetzt chillen Sie doch mal ne Runde. Echt ma. Von mir aus. Also manchmal glaub ich, ich brauch einfach nur wen, der an mich glaubt.

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20 Kommentare zu „Bock (Charaktere)

  1. Das ist es. Man braucht jemanden, der an einen glaubt. Und wenn man das selbst nie im Leben erfahren hat, fällt es einem schwer, sich durchs Leben zu schlagen. Und was schlimmer ist, man kann auch selbst nur schwer an jemanden glauben. Also schreitet man durchs Leben mit ständigen Gefühl der Unsicherheit und selbstzweifel.

      1. Sehr sehr hoffnungslos. Und unsere Gesellschaft ist auf gegenseitiges zutrauen nicht aus. Hier ist der blanke jungle, fressen oder gefressen werden. Ausser, man lernt mit der Zeit an sich selbst zu glauben.

    1. Eigentlich kann das eine gute Aufgabe für (jeden) Lehrer sein. Denn damit gewinnt man eigentlich immer.

      Ich glaube allerdings, dass du mit deinem Zweifel Recht haben könntest: Gerade die Jugendlichen, die abwärts trudeln, haben vielleicht zu wenig Reflektionsvermögen genau diesen letzten Satz zu denken.

  2. Frage (mehr an mich selbst): was bedeutet, an Jemanden glauben? Glauben an das, was er ist? An das, was aus ihm werden kann? Was wäre das dann? Ich verstehe das Wort nicht so ganz. Zuhören, das würde ich verstehen. Sich einlassen, das womöglich auch. Aber glauben? Ist wahrscheinlich das richtige Wort. Aber was bedeutet es?

    1. Daran glaubt, dass etwas in dem Menschen ist, das man herausholen kann. Egal, wie tief verborgen vielleicht.
      Zuhören und sich auf jemanden einlassen erscheint mit zu wenig.

      1. Mir erscheint beides als ein guter Anfang.Da ist erstmal nur ein Mensch vor mir. Und der hat eine Geschichte. In seiner Sprache. Der Mensch erzählt. Es interessiert mich. Der Mensch wird greifbar. Dann folgt das Vertrauen. Und dann vielleicht der Rest.

        Wenn man einen Kuchen backen will, muss man erst lernen, wie man ein Ei aufschlägt, habe ich mal irgendwo gelesen.

      2. Oft weiß ich als Lehrerin aber nicht genau, was vorgefallen ist und ich kann nur Gesprächsangebote geben. Wenn diese nicht wahrgenommen werden, helfe ich, indem ich unterstützend arbeite – und an die Person vor mir glaube und ihr das zeige.
        So sehe ich das zumindest. Aber die dargestellte Szene ist nicht autobiographisch.

      3. Ich nehme Texte dieser Art -immer dankbar- zum Anlass, mir über bestimmte Dinge Gedanken zu machen, nichts weiter. Ich komme selten dabei zu einer Antwort/Lösung/Wahrheit. Ein Text, der mich zu Erwiderungen anregt ist gerade deshalb in meinen Augen ein guter.
        Dass die dargestellte Szene nicht autobiographisch ist, glaube ich, ist für mich allerdings nebensächlich. Ich versuche zumindest, davon abzusehen, dass es so sein könnte, weil es mir in erster Linie um den literarischen Text geht.
        Was red ich. Der Text ist gut. Ich hab darüber nachgedacht. Mehr ist nicht.

      4. Erst einmal danke für das Kompliment.
        Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen: Schüler sind immer dankbar (und auf meiner Seite), wenn ich ihnen zeige, dass ich sie ernstnehme und mich für sie interessiere. Sie sagen mir dann auch oft Dinge von sich. Aber gerade die Jungs blockieren. Wenn brauchen sie vielleicht eine männliche Ansprechperson. Sie würden sich eher so geben wie hier dargestellt. Dennoch kann man ihnen zeigen, dass man „an sie glaubt“. Aber jede Situation ist da individuell. Deswegen kann es gar nicht verallgemeinert werden. Denk ich.

      5. Ja, das sehe ich genauso! Ich finde, es ist wichtig, den Jugendlichen zu zeigen, dass jeder von ihnen das Potenzial für etwas inne hat und ihnen auch dabei zu helfen, herauszufinden, in welchem Bereich dies verborgen liegt. Aber es ist oft keine leichte Aufgabe, weil viele, insbesondere die Jungs, ziemlich verschlossen sein können. Sie leben in ihrer eigenen Welt, haben oft kein Selbstvertrauen oder Vertrauen zu anderen (möglicherweise durch negative Erfahrungen mit Eltern und anderen Menschen); oft tun sie auch so, als wäre ihnen alles sch… egal, nur um nichts von sich selbst preisgeben zu müssen. In Wahrheit sind sie vermutlich total unsicher in ihrem Inneren, fragil, wie eine zarte Pflanze. Und doch müssen sie den coolen Typen, den Starken nach außen geben, um sich behaupten zu können, um nicht als Schwächling dazustehen. Weil Schwäche doch fast immer als etwas Negatives bewertet wird; so jemand möchten sie nicht sein.

        Es ist sicher nicht leicht, an sie heranzukommen, bzw. in ihr Inneres einzudringen, um es ihnen klar machen zu können, dass man es gut mit ihnen meint, dass man sie ernst nimmt und ihnen helfen möchte. Tja… ich denke, als Lehrerin muss man eh schon eine „halbe“ Psychologin sein, um mit Jugendlichen gut umgehen zu können. Durch den familiären Background vieler Schüler, lastet vermutlich noch mehr Verantwortung auf den Schultern der heutigen Lehrer, weil die Eltern der Kinder zu sehr im Berufsleben eingespannt und gestresst sind und somit auch automatisch weniger Zeit für das gemeinsame Familienleben übrig bleibt.
        Das ist ziemlich traurig, aber es ist nun mal so in der heutigen Zeit und ob dies irgendwann sich ändern wird, das weiß keiner genau. Ich kann nur jeden Lehrer bewundern, der einen wirklich guten Draht zu seinen Schülern hat und sie positiv beeinflussen kann, ihnen Hoffnung und Perspektiven bietet, um sie in dem heutigen Chaos der Welt vor dem frühzeitigen Untergang zu bewahren.

        Ein toller Text, sehr realitätsnah, eine authentische Sprache; insgesamt absolut nachvollziehbar, was du geschrieben hast. Als Lehrerin hast du bestimmt eine große Inspirationsquelle für deine Geschichten, da du ja mit sehr vielen Menschen u. a. berufsbedingt in Berührung kommst.

        Alles Liebe
        Nachtpoetin

      6. Man muss vor allem als man selbst offen und zugänglich für die SchülerInnen sein. Sonst kommt man sowieso nicht an sie heran. Alle werde ich vielleicht nicht erreichen, aber das Ziel muss es dennoch sein, das zu versuchen.

        Danke für deine Kommentare 🙂 Vor allem wollte ich dir ja zeigen, dass es möglich ist, in der Ichform authentisch zu schreiben.
        Also: Ruhig einmal versuchen!
        Lieber Gruß!

  3. Du sprichst da eine wichtige Sache an. Das mit dem Zuspruch durch andere ist aber auch so eine Sache, denn man kann sich immer wieder fragen, ob das ernst gemeint ist oder nur aus Nettigkeit geschieht und die eigene Unfähigkeit überdecken soll. Es ist quasi nur die halbe Miete. Damit der Zuspruch wirksam wird, braucht es auch Selbstvertrauen. Idealerweise verstärken sich beide Prozesse wechselseitig … Und mit ganz viel Glück entsteht Selbstbewusstsein, das Zuspruch durch andere zu schätzen weiß, aber sich aus sich selbst ernährt.

  4. Und wieder einmal mehr finde ich unerwartet eine Bestätigung für meine berufliche Vision 🙂 klingt so spannend, dass ich mich gleich hinsetzen will und mit dem Menschen arbeiten. 😉

      1. Ich bin schon im Berufsfeld aber noch nicht im Kontext Schule und mit Jugendlichen tätig. Das steht hoffentlich zum Sommer an 😉

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