Keine neuen Welten

Alt, alt, alt. Ehrlich, ich bin für manches einfach schon zu alt, zu weit weg oder zumindest nicht mehr nah genug dran. Bloggen ist ja in dieser Form fast schon aus der Mode – und die Blogeinträge von mir gefolgter Blogs in meinem Reader scheinen auch immer weniger zu werden. Also versuchte ich mich an Tumblr: Vielleicht wäre das ja die Lösung?. … Nein, ist es nicht. Nach nur zehn Minuten bin ich damit durch.

Was mir generell wenig an Social Media gefällt, ist das Jammern. Meine Blogeinträge sind gewiss nicht stets himmelhochjauchzend und ich verbreite in ihnen durchaus bewusst auch Stimmungen, die eher nachdenklich machen. Und ja, ich bin jemand, der sich häufig durch negative Ereignisse inspirieren lässt, aber ich hoffe doch sehr, dass ich nicht überwiegend durchs Jammern auffalle.

Gibt man jedoch bei Tumblr in die Suche „leben“ oder „gedanken“ ein (und zu mehr hat es bei mir nicht gereicht), sind von 50 überflogenen Einträgen vielleicht fünf positiver Natur. Alles andere scheint von Leuten zu kommen, die dem Selbstmord nahe oder die einfach „nur“ Jugendliche sind. Verdammt, wie habe auch ich das Leben in meinen Tiefphasen damals schwarz gesehen! Wie oft habe ich am Fenster, auf dem Bett, im Garten gesessen und meist stille, manchmal laute Tränen geheult. Ich wollte nur weg, weg, weg. Aus diesem Kaff raus, in das wir irgendwann einmal gezogen waren, von dieser Familie weg, die wegen einer Person so gar nicht gut funktioniert hat, heraus aus dem Land, in dem ich meinte, mich nicht entfalten zu können. Und ja, immer auch fort von wechselnden Typen, die meine Gefühle meist gar nicht kannten und darum auch nie die Chance hatten, sie zu erwidern. Über all das ließ ich mich in meinem Tagebuch aus, nutzte Blockschrift, schrabbte den Kuli tief ins Papier, unterstrich wild, färbte ein, vergrößerte zwanzigfach und litt und litt und litt. Für mich.

Aber dieses ganze Teenie-Leid in die Welt getragen zu sehen, kann nur dazu führen, dass man sich gegenseitig weiter hochschaukelt und andere mit runterzieht. Und so saß ich also vor Tumblr und rollte die Augen. Wenn die am schönsten Leidenden sich gegenseitig küren, ist das keine Plattform, auf der ich mich aufhalten werde. Dann viel lieber weiter hier in der schon ein wenig angestaubten WordPress-Sphäre herumschwirren.

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10 Kommentare zu „Keine neuen Welten

  1. Da haben wir einiges gleich 😀 Das Tagebuch schreiben und das gejammer da drin. Vor einiger Zeit hatte ich eines von mir in Händen. Immer das Selbe… Selbiges Muster und so. Viel Gejammere bringt nix und von Menschen deren Leben nur aus jammern besteht habe ich mich zurück gezogen. Das aber auch erst nach vielen vergeblichen Mühen mit meiner positven Grundstimmung den anderen anzustecken.
    Egal auf welcher Plattform wir herum schwirren, manchmal hat man das Ganze einfach über – für eine Zeit. Denn wo anders ist es selten besser.
    Einen schönen Tag für dich.
    Herzliche Grüße von Ulrike

  2. Ehrlich gesagt ist mir das mit dem Jammern noch nie so bewusst gewesen! Aber ich habe mir Tumblr auch einmal angesehen und war von der Grundtraurigkeit in fast schon depressivem Ausmaße abgeschreckt!! Obwohl ich eine Jugendlich bin (und somit eigentlich angetan von dieser Form des Emotionsaustausches sein müsste….) und immer nur positives über Tumblr gehört habe, konnte sich die „Magie“ für mich nicht entfalten…. WordPress ist mir da um einiges lieber!!! 🤗

  3. Ich bin davon überzeugt, dass die Jugendlichen auf tumblr durch die Möglichkeit, ihre Ängste, Nöte, Sorgen, Liebesleid anonym zu äußern, sich erleichtern. Es liest sich schwer und bedrückend entlastet aber die Seelen der schreibenden „Kinder“. Und ich empfehle den Erwachsenen, auf tumblr positives zu posten. Den schwermütigen Gedanken leichtfüßige entgegenzusetzen. Sie werden viele Likes und Reposts erhalten.

    1. Nach allem, was ich in der Schule erlebe, sehe ich es nicht auch noch am Nachmittag und Abend als meine Aufgabe an, den Jugendlichen auf Tumblr was entgegenzusetzen. Irgendwann will man auch mal anderes sehen und lesen, als Qual.

      1. Nee, nee, das habe ich auch so nicht verstanden, ich wollte nur erklären, warum ich mich dem nicht bereit wäre auszusetzen …
        Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!

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