Zwei Herzen

Als sie vor ihm stand, schwuppte Wärme in ihr hoch. Weil sie ihn so gern hatte, ihn, der sich stets im Hintergrund hielt, aber immer da war, wenn man ihn brauchte. Sie wusste, er könnte mehr sein als ein Freund. Und sie ahnte, auch er sähe es so. Zwei Herzen, die auf der Suche nacheinander waren, dachte sie und grinste über sich selbst und den kitschigen Gedanken.

Er sah auf sie herunter und wollte den Grund ihres Lächelns wissen. Du, antwortete sie wahrheitsgemäß und gab ihm einen Kuss auf den Mund. Einfach so. Weil sie das immer mal wieder so machten. Ihre Mutter wäre entsetzt über die Tochter gewesen. Denn Küsse waren in deren Welt nichts Einfach-so-zu-gebendes. Aber waren sie es denn tatsächlich in der Welt der Tochter?

Eine Hand riss sie abrupt zur Seite: „Du sollst nicht mit ihm spielen“, sagte ein Kumpel, „Für ihn könntest du alles sein.“ Alles? Für alles war sie nicht bereit, für mehr aber schon. Und alles könnte ja daraus entstehen. Könnte. Wer wusste schon mit 18, was die Zukunft brachte?

Doch es war nicht sie, die sich für oder gegen alles oder mehr oder nichts entschied. Es war sein bester Freund, der ihr sagte: „Ich will dich. Und wenn ich dich nicht haben kann, meinen Kumpel sollst du auch nicht kriegen. Ich kündige ihm die Freundschaft, wenn er was mit dir anfängt. Und darum wird er es nie machen.“

Und so blieben sie zwei Herzen, die einander schon gefunden hatten, die sich über Jahre immer wieder begegneten und immer ein wenig aneinander hingen. Aber irgendwie wohl nie genug.

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6 Kommentare zu „Zwei Herzen

  1. Wenn ein Mensch von einem verlangt, dass man sich zwischen ihm uns Weibern anderen entscheidet, finde ich es eine Pflicht, sich GEGEN diesem Menschen zu entscheiden. Egal was sonst noch ist.
    Berührende Worte von dir.

      1. Aber darf man mit jemandem etwas anfangen, in den der beste Freund verliebt ist. Und wenn nein, dann muss man sich auch nicht gegen den Freund entscheiden, oder?

      2. Nein muss man nicht. Wenn mir jemand anderes eine Handlung als Folge androht auf ein verhalten, dann entscheide ich mich gegen diesen Menschen. Also in deinem Fall: keine Ahnung ob ich was mit der Frau machen würde. Dem freund würde ich aber den Marsch blasen oder gleich die Konsequenz die er mir androht ziehen.

        Und das ist erst einmal ungeachtet der Frage „sollte/will ich mit der Frau was haben.“.

      3. In diesem beschriebenen Fall hielt die Freundschaft noch ein paar Jahre. Aber man hatte immer das Gefühl, das der eine, nettere Part einfach nicht wusste, wie er sie beenden sollte…

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