Kein Liebeslied

Sie sah ihn glücklich strahlen,
sah sein lächelndes Gesicht,
und wandte sich von ihm:
„Die Blöße gebe ich mir nicht.“

In seiner Hand lag eine andere,
in dem Sinn ‘ne andere Frau.
Durch Zeit hatte er vergessen,
ja, das wusste sie genau.

Elend fühlte sie sich
und saß vor ihm Gericht,
musterte ihn böse,
sah ihn in andrem Licht.

Doch so sehr sie ihn beschimpfte,
gar nannte sie ihn „Sau“,
so sehr scherte er sich ‘nen Dreck,
und fächelte nur lau.

Heimlich hatte sie gewütet,
heimlich ihn angesehn.
Ob sie sich überwand und wagte,
nun doch zu ihm zu gehn?

Zögerlich einen Schritt vor
und diesen noch zurück.
Zögerlich wieder einen Versuch,
es fehlte bloß ein Stück.

Endlich traute sie sich ganz,
blieb tapfer vor ihm stehn,
kam sich vor wie ein Blatt,
denn Wind begann zu wehn.

Stürmisch umarmte er sie:
„Komm zu mir, ich drück
dich ganz fest, du
bist endlich da, welch Glück.

Ich hab ‘ne neue Freundin,“
erzählte er ihr dann:
„ich bin so froh, bin völlig,
in ihrem tollen Bann.“

Und während er so sprach,
war sie es, die nachsann,
wie sie ihn töten könne,
am besten wo und wann.

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4 Kommentare zu „Kein Liebeslied

    1. 🙂
      Ich hab mal das Gedicht mit meinen Schülern durchgenommen … So als Beispiel, um sie zum Schreiben zu motivieren, was auch geklappt hat. Aber als wir beim Ende ankamen, waren sie dann doch ein bisschen erschrocken über mich 😉

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