Zwölf. Unvollkommen.

12 verflixte Jahre. 12. 12 habe ich in unsere Beziehung investiert. Und nicht irgendwelche, sondern die besten meines Lebens: Von 20 bis 32. Und es soll keiner wagen mir zu erzählen, dass das nicht die besten sind! Schon wissenschaftlich ist nicht möglich, dass nochmal welche kommen, in denen ich fitter und hübscher bin. Ähm, war. Verdammt. So langsam bin ich zu alt für Kinder! Und 12 Jahre habe ich mich hinhalten lassen. Ok, nein, anfangs wollte ich auch keine, aber dann … dann …

Dabei hätte ich es besser wissen müssen. Ja, eigentlich hätte ich das. Ich wusste immerhin, dass seine große Liebe schon hinter ihm lag, dass es ein Mädel gab, der er hinterhergelaufen ist, bis seine Nase blutete. Und dass seine Gefühle für mich nie so jugendlich überschwänglich gewesen sind. Dafür seien sie tiefer, dachte ich. Was man eben nach einigen Jahren Beziehung so denkt.

Und nein, Ehe steht bei mir nicht sehr weit oben auf der Wunschliste. Ob ich heirate oder nicht, war mir nicht so wichtig, weil wir ein Paar waren, das viel gemeinsam durchgemacht hat, und weil ich keinen Schein als Bestätigung dafür brauchte. Und ist das nicht eigentlich viel romantischer?, fand er.

Aber jetzt? Jetzt stehe ich hier und sehe dieses Bild. Und in mir … ich kann die Gefühle gar nicht beschreiben. So viel Wut und Traurigkeit und Einsamkeit und Ungläubigkeit … und so wenig Vertrauen mehr in mich und die Männer und die Welt. Ich habe ihm vertraut, habe gedacht, dass das, was er mir sagte, stimmte. Habe einer Trennung zugestimmt, weil ja, irgendwie traten wir auf der Stelle und irgendwie fehlte das Feuer, das von Beginn an gefehlt hat, ihm auf einmal. Und die Fernbeziehung, zu der unsere Liebe vor einigen Jahren geworden war, half der ganzen Sache nicht. Ich weiß.

Trotzdem. 12 Jahre! 12 Lebensjahre tritt er mit Füßen. Nie habe ich mich so unwert, so allein, so verarscht gefühlt. Und das von ihm! Nie hätte ich gedacht, dass er dazu fähig wäre. Aber das Bild beweist es. Er lächelt in die Kamera und die Frau neben ihm trägt weiß. Nur ein Jahr, nur eins ist unsere Trennung her. Und das, was er nie wollte und nie brauchte, das hat er nun durchgezogen. Und das Glück, das aus seinen Augen springt, die Selbstgefälligkeit, mit der er es der Welt präsentiert … Es macht mich fertig. Nicht, weil ich ihn noch liebe, sondern weil er für mich mit diesem Schritt unsere gemeinsame Zeit und alles, wofür wir standen, alles, alles, alles, zerstört hat. Und es schmerzt.

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28 Kommentare zu „Zwölf. Unvollkommen.

  1. obwohl ich ähnlich schreibe wie du, bin ich mir bei dir nie so sicher, wie „real“ die dinge sind 🙂

    aber wer auch immer die erzählerin ist: ich empfinde die betrachtungsweise als einseitig (was sie ja auch ist, haha). oder als zuviel des selbstmitleids? gemeinsame jahre und erfahrungen werden durch neues ja nicht entwertet – man selbst ist es, der sie entwertet, indem man etwas neues als „besser“ darüberstellt ohne zu wissen, was hinter dem weißen kleid wirklich steckt.

    gute dinge bleiben gut ❤

    1. Alles, was unter „schreiben“ steht, ist nicht real. Deswegen hast du vermutlich recht, dass ich mich zu sehr reinversetzt hatte in die person, die mir im Kopf war. Aber ich hätte jedenfalls ziemlich in Selbstmitleid gebadet bei dieser Sache …

      1. Ich mag es dennoch sehr.

        Denn aus der Sicht der Person, die in Deiner Geschichte „Ich“ ist, ist der Text sehr authentisch. Das Leben des Einzelnen ist auch Verzweiflung, Wut, Selbstmitleid. Da werden nicht sogleich Vergleiche angestellt. Das Gefühl, das Empfinden, ist das momentan Bestimmende. Das ist sehr menschlich.

        Deshalb gefällt mir Dein Text, ich konnte und kann mich sehr in die Person hineinversetzen. – Und jemand, der so zu schreiben versteht, dass ich das vermag, den schätze ich.

        Und weil Du so zu schreiben vermagst, selbst in so vergleichsweise kurzen Texten, komme ich immer wieder gern her, hier auf Deine Seite.

        Liebe Grüße und nur schöne Wochenendwünsche für Dich!

      2. Ich finde es gut, dass wir darüber diskutieren. Vielleicht sehe ich mir den Text später an und finde es doch etwas übertrieben, wie Sabine meint. Oder ich bleibe dabei und habe deinen Kommentar im Hinterkopf.
        Danke für deine Worte. Und ich wünsche dir ein schönes Wochenende, ohne Wut und Selbstzweifel und Verzweifelung.
        lieber gruß!

      3. ah… da öffnen sich neue welten 😀

        und du hast ja auch recht (auch!), denn den sprung in den tümpel macht man ja meist als erstes. trotzdem hat mir irgendwie der „turn“ gefehlt 😉

      4. Du meinst das, wo alles wieder besser wird? Der wird sicher kommen. Aber hier hat sie gerade dieses Bild gesehen. Und irgendwie stelle ich das mir bei jemandem, der einem sagte, nein, er brauche nicht heiraten, und der das 12 Jahre nicht tut, nur um dann weniger als ein jahr genau dazu zu benötigen, ziemlich krass vor. Ohne Turn. Einfach nur Wut und Leid und Selbstzweifel.

      5. vielleicht nicht, dass direkt alles besser wird… aber der punkt, an dem die betrachterin für sich eine grenze zieht? so fühlt es sich für mich so an, als wäre ihr „nicht dass ich noch was für ihn empfinde“ nur ein satz und alles andere als die wahrheit.

      6. Aber ich bzw sie sagt ja nicht, dass keine gefühle mehr da sind, nur, dass sie ihn nicht liebt. Dennoch kann es doch sein, dass sie ihn und die beziehung auch ein jahr nach ende noch hochgehalten hat, weil es eben wichtige jahre für sie waren und dass sein verhalten ihr nun wie betrug vorkommt?
        So würde ich mir meine Gefühle bei so etwas zumindest vorstellen? Wärst du nach 12 Jahren plus einem Jahr wirklich nicht getroffen, wenn er schon jemanden zum Heiraten gefunden hätte? Natürlich kommt es darauf an, wie man es verarbeitet, aber doch, getroffen wäre ich vermutlich dennoch. Und Selbstzweifel hätte ich wohl auch.

      7. uiuiui… so ein kleiner text und so viel sprengstoff! betrug – ich weiß nicht. aus dem fragment verstand ich, dass sie es war, die nicht heiraten wollte/brauchte. vielleicht wollte er es ja immer gern und hat ihren „wunsch“ respektiert?

      8. ja 😀 vermutlich bin ich ungefähr 1000 kilometer weg von dem, was du sagen wolltest… ist schon immer lustig, wo die eigenen worte so hinwandern. viele liebe grüße!

      9. Naja, so würd ich das nicht sehen. Wir bringen uns eben als leser immer selbst mit ein. Und du würdest eben denken,dass du anders reagieren würdest … aber wer weiß das schon so genau? Es gibt Exfreunde von mir, bei denen ich auch nach Jahren und obwohl ich in glücklicher beziehung bin , immer noch irgendwie fühle, wenn mich nachrichten über sie erreichen.

      1. Ich fände da „Menschen“ in der Tat besser. Zwar kenne ich nur ein befreundetes Paar, bei dem die Frau ihren Mann nach 13 Jahren verließ, „wegen“ eines anderen, den sie dann auch 6 Monate später heiratete, doch ich denke, es gibt noch mehr. Die Mehrzahl könnte schon beim Mann liegen, der geht, aber es liegt meist nicht an einer „Seite“, darüber muss ich Dir aber bestimmt nichts sagen, Du wirst ähnliches denken. Vielleicht, genderkonform, handelt der Mann eher? Das ändert sich langsam, meine ich, so wie die Verhaltensweisen nach stereotypen Vorgaben. Zum Glück ALLER. 🙂 Menschen. LG

      2. Hm ja nur ist es für die Frau im schlechtesten Fall tragischer, weil die biologische Uhr irgendwann abgelaufen ist. Eine Freundin von mir wurde mit Mitte dreißig verlassen. Kinder waren schon geplant, aber nicht ehrlich, denn er hatte schon ein Jahr lang nebenbei eine andere. Ob sie so schnell nun noch jmd findet … Chancen stehen schlecht.

        Nichtsdestotrotz finde ich so ein Verhalten absolut verwerflich, egal ob es ein Mann oder eine Frau macht, aber ich habe auch eine extreme Ansicht. Ich hätte mich auch schon mit 18 fürs Leben gebunden und mich dabei sicher nicht geirrt, wenn den ein Mann dagewesen wäre, der bereit gewesen wäre.

        Andererseits finde ich es auch falsch aus Pflichtgefühl zu bleiben. Von daher: Trennung besser noch spät als nie. Allerdings finde ich man könnte sich ruhig früh Gedanken, Nein Geherze machen ;), ob man beim richtigen Partner ist.

        Ich bin halt vom Typ Schwan: ich weiß sehr genau ob ich mich ernsthaft verliebt habe und wenn ja dann bitte fürs ganze Leben. Das sehen nicht alle Leute so eng wie ich ….

      3. Biologische Uhr, ja, gibt es zweifellos. Dazu kann ich als Mann nur vom Hörensagen etwas sagen.
        Mitte Dreißig wäre ein anderer Punkt. Da ist noch alles möglich. Da habe ich z.B. meine Frau kennengelernt. WUNDERBAR! Und man merkt in diesem Alter vielleicht deutlicher, was Sache ist.
        Du sagst ja selbst, auf der einen Seite verwerflich, andererseits ist eine Trennung besser. Da spielt immer beides hinein, meist ist es für den Verlassenen emotional schwieriger. Allein die Art und Weise ist bedeutend, und wie schwer das ist, davon erzählen unzählige Rosenkriege. Früh Gedanken machen oder auf sein Herz hören bedeutet dann ja mit dem Partner sprechen. Wenig, sehr wenig kommt über Nacht. Das bedeutet dann Charakter. Meine ich.
        Und Glückwunsch zu Deinem Schwan in Dir! Diese Sicherheit ist bestimmt ein Ruhepol in Dir, der Dir die gewisse Gelassenheit auf der einen Seite bringt, aber auch den Kampfgeist auf der anderen. Fürs ganze Leben, das habe ich auch vorgehabt, damals, vor 16 Jahren. Und es sieht sehr vielversprechend aus. Wünsche ich Dir auch! Liebe Grüße ( auch an die Betreiberin des Blogs, die uns hier kommunizieren lässt 🙂 )

      4. Ach ja und nach sechs Monaten dann den neuen heiraten: geschmacklos und für mich indiskutabel. Da wäre sie bei mir aus moralischer Sicht unten durch.

      5. Die Frage war damals, wie lange reifte das alles in Ihr schon vorher? Und dann „durch“, weil es schon so lange klar war! Da hätte sie die emotionale Größe besitzen sollen, es weit vorher zu klären. Dann kommt es noch ein klitzekleines Bisschen auf das Wesen des Mannes an… (Heute beide jeweils glücklich liiert.)

      6. Das freut mich :). Ja lässt sich von außen auch immer leicht sagen, hätte sie doch früher …. aber ja, ich sehe das trotzdem so und ich weiß dass ich da extrem bin / hohe Ansprüche habe. Deshalb habe ich mich auch für den Mann entschieden, der keine Panik bekam beim ersten Date über Hochzeit und Kinder zu sprechen. 😉
        Ich wollte auf nummer sicher gehen. Aber die absolute Sicherheit gibt’s nicht. Gucken wir mal ob wir später immer noch zusammen sind ;P.

      7. Ha! witzig, habe ich auch beim ersten Date erfragt. Und meine Frau, weise, wie sie ist, hat geantwortet, dass sie mit 34 Jahren (kicher) ja nicht unbedingt erwarten könne, dass es dazu noch kommt, wenn, wäre es schön, aber man weiß ja nicht…. 🙂 da wussten wir noch nichts von unserer gemeinsamen Zukunft.
        Ich wünsche Dir eine gaaaanz lange Zeit, eine sehr glückliche in jedem Falle …. 🙂

      8. Ich habe euch gerne kommunizieren lassen ☺ wenn mir das von einer der beidenseiten zu viel wird, lösche ich, wie der weibliche part eurer unterhaltung schon mitbekommen hat. Da waren mir die aussagen ihres gegenübers zu abstrus.
        Ich kenne im übrigen diese hier dargestellte situation auch nur so, dass frauen die allein dastehenden waren. Aber generalisieren kann man natürlich eigentlich nicht … liebe grüße

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