Ebeil-netsh-cän

Es fällt mir schwer zu begreifen, was wirklich geschieht. Am liebsten würde ich meine Augen und Ohren schließen und keine Nachrichten aus den USA mehr wahrnehmen. Es macht mir Angst. Egal, dass Exekutivverordnungen nicht umgesetzt werden müssen, egal. Da sitzt jemand, der sich so offensichtlich damit brüstet, einen Wall um sein Land zu errichten, angeblich um die Amerikaner zu schützen, um sein Land wieder „groß“ zu machen. Großmachen kann auch was ganz anderes heißen. (Und ja, ich weiß, dass das „-artig“ fehlt, aber nichts davon ist artig.)

Mich interessieren die Wirtschaftsinteressen nicht. Mir ist gleichgültig, dass höhere Zölle auferlegt werden. Mich interessiert nur, was für ein Mensch jemand sein muss, der solche Verordnungen erlässt. Welche Lügen er sonst auch streuen mag, welche alternative Fakten verbreitet werden … All das ist nicht das, worauf man das Augenmerk richten sollte. Sondern darauf, dass unsinnige Forderungen, unnötige Gesetze erlassen werden sollen. Abschottung von allen Seiten. Gegen Menschen.

Und, das schlimme ist: Wenn die USA das machen können, dann werden unsere rechtsgerichteten Supernationalisten rufen, dass wir das auch so machen können und sollen. Deutschland den Deutschen usw. Dabei geht es mir nicht darum, dass wir weiter ungehindert Leute ins Land lassen sollen. Dass das keine gute Idee war, war uns allen klar, nachdem wir bemerkten, dass die Polizei mit der Registrierung nicht hinterherkam und es gar keine Unterkünfte für all die Menschen gab.

Aber Angst vor den Menschen zu verbreiten, die kommen, um ein besseres Leben zu haben? Nein, danke. Ungeborenes Leben ist zu schützen, aber das von Kindern aus Kriegsgebieten nicht? Weil irgendwelche Muslime aus ganz anderen Ländern Terroranschläge vor 16 Jahren verübt haben? Eine Mauer ist zu bauen, aber bezahlen sollen es die, gegen die die Mauer gebaut wird? Willkommen in Obenunten. Mit Logik muss man gar nicht kommen, ich weiß.

In Deutschland sagen einige, dass sie Angst vor der Überfremdung haben, dass wir Terroristen ins Land gelassen haben, dass wir erst einmal die Armen bei uns unterstützen sollen, statt uns (angeblich wegen unserer Geschichte) wie die Samariter der ganzen Welt aufzuspielen. Wenn wir ach-so-christlich sind hier in diesem Land, dann gehört zur Grundmaxime immer noch die Nächstenliebe – und die vermisse ich bei einigen, die harte Reden schwingen. Es scheint mir, als säßen auch sie in einem ovalen Marmorturm und nähmen sich Entscheidungshoheiten heraus.

Was wäre gewesen, was könnte sein, wie hätte es sich entwickeln können, wenn … Egal. Finanzielle Hilfe in die betroffenen Gebiete zu schicken und Asylantragsstationen direkt an den Grenzen anzubieten, ist zu spät für die, die schon hier angekommen oder jetzt  noch auf der Flucht sind.

Ich arbeite direkt mit Flüchtlingen zusammen und obwohl man die Probleme nicht wegreden sollte, sollte man auch mal sagen: Bei uns ist viel geschafft worden. Die provisorischen Auffanglager sind größtenteils ersetzt, die Familien verteilt, die Kinder in Schulen. Und ja, auch wenn unklar ist, welches Konzept in Schulen das beste ist, wie man ihnen besonders schnell Deutsch vermittelt (ein solches Konzept wird es sowieso kaum allgemeingültig für alle Schüler geben), und auch wenn klar ist, dass gerade die ab vierzehnjährigen Kinder nur in Ausnahmefällen einen besseren Abschluss als den Hauptschulabschluss machen werden: Es ist viel geschafft. Und die Kinder  und Jugendlichen leisten viel, sind bereit, viel zu leisten. Von unseren ca. 20 tatsächlichen Flüchtlingskindern haben die fünf ältesten den Realschulabschluss sicher, einer auf jeden Fall mit Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe, zwei weitere eventuell, sie sind erst in der 9. Klasse.

Wie viel Hass hätten wir in ihnen geschürt, wenn wir ihnen wegen ihrer Religion keine Hand gereicht hätten? Wo wären sie, wenn wir uns abgeschottet und eine Mauer errichtet hätten?

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5 Kommentare zu „Ebeil-netsh-cän

  1. Trotz dem ganzen Ärger hast du alles sehr positiv ausgedrückt. Ja, ich gebe dir Recht! Wir haben vieles geschafft und darauf dürfen wir stolz sein.
    Eine Mauer ist niemals eine Lösung! Hier die Kosten auch noch abzuschieben ist die unterste Schublade. Wir wissen nicht, was uns mit der Ami-Regierung auf uns zu kommt. Vielleicht hilft es aber Europa innerlich stark zu machen und wirklich zu einen….
    Grüße zum Samstag!
    Ulrike

  2. Finde es sehr interessant, dass gerade diejenigen, denen es mit der Psyche nicht ganz so toll geht, oft sehr sozial eingestellt sind. Offen sind. Und so gute Texte, wie du, schreiben 🙂

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