Die Nazikeule

Fortbildung für Integrationskurslehrer: Einer nach dem anderen sagt, welche Farben er mit Deutschland in Verbindung bringt: blauweißes Weißwurstland, grün-blau-braunes Naturland, golden-grünes Hoffnungsland. Und viele von den Teilnehmern, halb deutscher, halb mit Migrationshintergrund stellen teils verwundert fest: Das Positive überwiegt.

Ich bin nicht überrascht. Ich mag Deutschland. Die Kultur, den größten Teil der Geschichte, die Sprache, die Denkweise der Menschen, die landschaftliche Varietät.

Aber dann kommt von einer älteren Deutschen: „Ich werde nie sagen können, dass Deutschland wirklich mein Land ist oder ich stolz auf es bin. Kein Land, wo Hitler möglich war, kann ganz mein Zuhause sein.“

Da ist sie wieder. Die Nazikeule. Die dreizehn Jahre, die alles zu definieren scheinen. Tun sie nicht. Hitler ist immer noch möglich. Und das auch leider fast überall. Es braucht nur den passenden Nährboden. Arbeiten wir lieber daran, diesen nie mehr zu bereiten.

Wir sollen aus der Vergangenheit und den Teufeln in ihr lernen, aber nicht die gesamte andere eines Landes verteufeln.

(Geschrieben im März 2015)

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13 Kommentare zu „Die Nazikeule

  1. Die Nazikeule wird immer dann ausgepackt, wenn es gewissen Nationen und Institutionen in den Kram passt. Das ist auch bei Japan so, das stets an seiner kriegerischen Vergangenheit gemessen wird. Die Deutschen nicken und ducken sich vor Scham. Russen sind stolz auf ihr Land. Und das hat einen Stalin ermöglicht. Siegermentalität? Krass.

    1. Ich finde es eigentlich gerade erstaunlich, dass die im Kurs, die irgendeine Form von Migrationshintergrund haben, mit den positivsten Beispielen kommen, während die Deutschen der älteren Generation sich ducken. Ich bin gerne deutsch, zu einen weil ich in vielen Bereichen froh bin, wie mein Land im Vergleich zu anderen ist, zum anderen, weil es einfach meine Sprache ist. Das würden die aber nie sagen.

      1. Ich finde es nicht erstaunlich. Wenn man einen Migrationshintergrund hat und aus dieser Generation stammt, dann hat man vermutlich auch weniger „Angst“ davor, als Nazi abgestempelt zu werden, als wenn man weiß und ohne Migrationshintergrund ist und vermutlich selber aber wenig mit Ausländern, oder Menschen mit Migrationshintergrund zu tun hat und dann auch keinen entspannten Umgang damit hat, weil man denkt, man würde alle Ausländer beleidigen, wenn man Deutschland positiv bewertet. Dabei ist Deutschland heute ein Land das nicht mehr und nicht weniger ausländerfeindlich ist als die meisten Länder drumherum.
        Könnte ich mir gut vorstellen, auch wenn ich selber dieses Problem nicht habe. Ich habe ja auch eine chinesische Mutter, da finden es die Leute komischerweise weniger unangenehm, wenn ich mal sage, dass Deutschland mein Lieblingsland ist.

  2. Ich lebe auch gerne hier und bin wahrscheinlich so typisch deutsch. Ich sehe das genauso, wie du. Die Vergangenheit sollte nicht vergessen werden, aber man muss nach vorne schauen. Wir müssen uns nicht mehr schämen, für das, was unsere Vorfahren getan haben.

  3. Ich finde es schade, dass es bei der Linken seit Ende der 80er verstärkte antideutsche Tendenzen gibt. Auch ich liebe mein Land. Man muss sich den positiven, wie negativen Ereignissen stellen. Ein gesundes Nationalbewusstsein muss sich gegen einen Nationalismus wenden. Es ist kein Widerspruch sowohl Menschen anderer Nationen zu mögen wie das eigene Land.

  4. Nazikeule gibt es überall, sogar in dem Land, wo sie herkommen…
    Es ist alles und überall nur ne Vereinbarungssache…mit sich selbst und mit den anderen…

  5. Wenn dieser „ältere Deutsche“ es ernst meinen würde, sollte er mit einem Strick zum nächsten Baum gehen.
    Aus seiner Sicht gibt es nämlich kein einziges Land, in dem er leben könnte.
    Kein einziges Land, das „seines“ sein könnte.
    Nehmen wir nur mal die ach so großartigen Vereinigten Staaten von Amerika, die in ihrer heutigen Form nur durch den zigfachen Völkermord europäischer Invasoren an den Ureinwohnern entstehen konnten.
    Spanien? Würde der Typ leben können in einem Land, in dem erst Cortez und Jahrhunderte später Franco „möglich war“?
    Auch „mein“ Vereinigtes Königreich hat durchaus eine unrühmliche Vergangenheit mit seiner Kolonialpolitik, die auf Menschenleben in den eroberten Gebieten wenig Rücksicht nahm.
    Ist er vielleicht gar ein Anhänger Russlands? Okay, dort waren neben allerlei dubiosen Zaren später auch Stalin möglich.
    China? Vergessen wir’s…
    Ich an deiner Stelle würde mich nicht über die gute alte Nazikeule aufregen, sondern mit von dem Burschen ein Land, ein Volk, eine Nation nennen lassen, die seinen hohen moralischen Ansprüchen wohl genügen könnte.
    Da er so etwas auf diesem Planeten nicht finden kann, wird er zwangsläufig den Strick nehmen oder sich ein anderes Universum suchen müssen.

    1. Das mit der Nazikeule ist ja nun zwei Jahre her. Aber erschreckend ist eher, wie es sich gewandelt hat, und dass Höckes Reden halten können und Leute klatschen, obwohl er sich aus NS-Material bzw. NS-Sprech bedient.
      Es war eine pensionierte Lehrerin, die so redete, kein Mann. Aber das ist doppelt-schade, weil sie es ja ihren Schülern vermutlich auch irgendwie so mitgegeben haben wird. Also dass man nicht froh sein sollte, hier zu leben, dass die Deutschen immer noch ein Volk voller Schuld sind usw.
      Lieber Gruß und schönes Wochenende!

      1. So ein wenig aus der räumlichen Distanz betrachtet, weißt du, was mich sehr stört in und an Deutschland? (Wir leben nicht hinterm Mond, online bekommen wir hier die gesamte Pressepalette, wenn wir wollen)

        Alle regen sich auf über andere Nationen. Brexit, Trump, Wilders, Front National, und über allem thront der schlimme Putin.
        Erdogan genießt Welpenstatus.

        Und über deutsche Terroropfer redet kein Mensch mehr.
        Wie banal bitte sehr ist denn eine (zugegeben strunzdumme und bescheiden dämlich formulierte) Wahlkanpfrede eines Regionalpolitikers? Aber darüber wird sich aufgeregt. Kapier ich nicht.

        Liebe Grüße zurück und auch dir ein schönes Wochenende 😘

      2. Bei dem Thema hatten wir schon mal vor einiger Zeit festgestellt, dass wir nicht ganz auf einer Wellenlänge liegen.
        Dieser Regionalpolitiker ist doch zumindest in seinem Bundesland ein Zugpferd für seine Partei.
        Ich denke nicht, dass man die autoritären Herrscher in einen Topf mit Terrorherrscher schmeißen sollte, was bei dir im Vergleich so klingt. Es ist sehr traurig und bedauerlich, dass es den Anschlag gab und dass die deutschen Behörden so offensichtlich (also zumindest für mich wirkt es so) versagt haben. Und ja, auch ich hätte mir gewünscht, dass man nicht die Grenzen öffnet, ohne zu kontrollieren, wen man ins Land lässt, dennoch ist es in meinen Augen nicht die Flüchtlingspolitik an sich, die auch Deutschland zur Zielscheibe macht.

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