Tausendfach

Die Geschichten. Oft ähnlich. Der Mittelpunkt: Sie selbst. Oder er, um den ihre Gedanken kreisen. Es sind Geschichten, die das Leben schon tausendfach geschrieben hat. Schon seit immer. Von der, die auszog, ihn, der ausgezogen war, für sich zu erobern.

Denn irgendwann, ja, gewiss irgendwann würde er feststellen, dass er keine andere Frau bräuchte als sie. Es war diese Gewissheit, die sie antrieb zum Sport, zum Shoppen, zum Homeland-Gucken, zum Fußballvereinbejubeln. Es war diese Ahnung, die ihr Ohr ständig für sein Gajammer über anderen Frauengeschichten offenhielt.

Sie glaubte fest daran: Schon bald, bald, vielleicht morgen, würde er feststellen, dass er ihr von den anderen nichts mehr erzählen musste, weil sie die Richtige wäre.

Sie glaubte ganz fest daran.

Aber er nicht.

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7 Kommentare zu „Tausendfach

  1. Manchmal frage ich mich, wieso man nicht einfach über die eigenen Erwartungen redet. Im Dialog lässt sich viel Unklarheit ausräumen und die eigenen Erwartungen an die Realität anpassen. Aber, ja, ich weiß, ein frommer Wunsch. 🙂

    1. Da bin ich ganz deiner Meinung. Dass man reden sollte. Und dass das zugleich ein frommer Wunsch ist, denn selbst wenn Frauen die Wahrheit von genau diesem Mann hören, glauben manche doch noch dran, dass er sich genau für sie doch ändert und genau sie doch liebt. Irgendwann.

  2. Ich plante genau. Vor meiner ersten Ehe. Wusste genau, was mir als Basis einer Beziehung unabdingbar war. Sprach darüber und erklärte meine absolute Überzeugung, von dieser Basis bzgl. Wahrhaftigkeit, Treue, Toleranz und Anstand nicht abzuweichen. Das erschien mir die beste, wenn nicht gar die einzige Möglichkeit, Missverständnisse gar nicht erst aufkommen zu lassen und eine Beziehung in gegenseitigem Einverständnis und Respekt zu führen. Ihm gefiel, was er hörte. Er stimmte in allen Punkten zu. Ich sah das als Vertrag an, er als die ideale Voraussetzung, zu betrügen, ungehindert seinen ganz eigenen Interessen nachzugehen und – auch durch ständiges Reden – einen Zermürbungs- und Unterdrückungsprozess mit zunehmenden Schuldgefühlen/Selbstzweifeln in Gang zu setzen. Volle Kontrolle für zwölf Jahre. Bis ich begriff, dass meine Wertvorstellungen nur für mich gelten sollten. Reden bringt nur dann etwas, wenn beide ehrlich sind.

    1. OK, dann hat er das offenbar nicht verstanden mit dem Respekt und dem Einverständnis. Ich hatte bisher immer Glück mit den Männern. Häufiger war es eher so, dass ich mich ab und an blöder verhielt. Tatsächlich meinten die meisten Männer das, was sie mir sagten so. Sei es im Guten oder im (für mich) Schlechten.

      1. Ich denke, er hat das genau verstanden und darin seine Chance gesehen, die er für einige Zeit ja auch gut nutzen konnte. Deswegen wurde bei :“Das sind genau die Ansichten und Eigenschaften, die auch für mich die wichtigsten Grundlagen sind.“ folgendes weggelassen: „bei einer Frau.“

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