Zerbrochene (Platz 2)

Es waren seine Augen und die Einblicke in die verletzte Seele, die diese zu geben schienen, weswegen sie sich von ihm angezogen fühlte. Hingezogen zu ihm, obwohl sie wusste, dass er nicht gut für sie sein würde. Er wäre gut zu ihr, überwiegend zumindest, aber für sie und für ihr Leben, für das, was sie sich erhoffte, was sie nun endlich einfordern sollte, wäre er es nicht.

Aber als er seine Arme um sie legte und er sie in die Falten seines Mantels einzuschließen schien, fühlte sie sich das erste Mal seit langer Zeit wieder sicher. Obwohl er gebrochen war, weil er so viele Kämpfe ausgefochten und Leichen aus Schutt geborgen hatte, weil er Männer, Frauen und Kinder, zu viele Kinder, hatte sterben sehen, vermittelte er eine Stärke, die sie einzunehmen vermochte.

Sie würden viel miteinander auszumachen haben, würden verarbeiten müssen, was vor allem er durchlitten hatte, doch wenn er ihr Gesicht entlang strich, wenn seine Augen ihre fingen, schien die Anziehung seines Körpers auf ihren mächtiger zu sein als die der Erde. Dann rutschte sie mit jeder Zelle zu ihm hin, wurden ihre Wangen rot und ihr Schoß warm und sie wusste, dass sie ihn brauchte. Und er sie auch. Vielleicht mehr. Vielleicht bauchte er sie mehr.

Zuerst veröffentlicht am 21.10.2016, 41 mochten es. Darum in der Jahresabschlussreihe Platz 2.

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