Wenn ein Lied ist, was bleibt

Fordert. Was soll das heißen, wundere ich mich. Nichts. Und eigentlich will ich dazu gar nichts mehr sagen, aber dieses Phrasengedresche geht mir mittlerweile nicht mehr nur auf den Geist, es geht mir auf den Piss.

Eine Waffenruhe in Aleppo fordert der Westen. Aha. Und Assad gähnt müde vor sich hin und wedelt mit seiner Hand die lästigen westlichen Fliegen, die um sein Ohr kreisen, weg. Wenn sie überhaupt an sein Ohr dringen. Was die UNO fordert, was der Westen meint, was der normale Menschensinn einem sagt, ist ihm doch vollkommen hupe. Zeigt er das nicht andauernd?

Er kämpft gegen Rebellen. Von mir aus. Für seinen Machterhalt. Von mir aus. Vor allem aber kämpft er gegen sein Volk. In Aleppo. Zu despotischen Herrschern und ihrer Rechtfertigung kann man immer Machiavelli zitieren. Aber bei ihm steht auch:

Es ist unmöglich, einen Mann, dem durch seine Art zu verfahren, viel geglückt ist, zu überzeugen, er könne gut daran tun, anders zu verfahren. Daher kommt es, dass das Glück eines Mannes wechselt; denn die Zeiten wechseln, er aber wechselt nicht sein Verfahren.

Und so wird es sein. Bisher ist Assad mit seinem Gebaren durchgekommen und hat mächtige Unterstützer. Und manche werden jetzt schreien, man müsse ja immer beide Seiten beleuchten, man solle nicht einseitig schreiben, man müsse klar formulieren, nicht emotional. Aber ich kann nicht. Ich kann nicht emotionslos denken, wenn ich die laschen „Forderungen des Westens“ lese. Wenn die westlichen Regierungen schon nicht stärker eingreifen wollen oder können oder wie auch immer, sollen sie doch auch die Schnauze halten. Interessiert keinen, was der Westen fordert und meint und glaubt.

Syrien hatte mal 21 Millionen Einwohner. Mindestens 4,5 davon sind ins Ausland geflohen. Und zwei von ihnen, zwei Elfjährige, werden morgen in einer deutschen Aula singen. Von ihrer Heimat, von ihrem Weg, von ihrem Leid, von der kaputten Welt, aus der sie kommen, und der Sehnsucht, dahin zurückzukehren. Weil diese Trümmer ihr Zuhause bleiben.

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