Runden

Einsam war sie. Schon so lange. Es hatte sich in ihren Tagesablauf gefressen, diese Einsamkeit, sodass den Rollator durch die Stadt zu schieben, die eine Ablenkung war, die sie sich jeden Tag schenken konnte, um ihr für kurze Zeit zu entfliehen.

Das Geld war knapp – immer schon. Der Mann verstorben – lange schon. So waren die wenigen Augenblicke, in denen sie auf ihren täglichen Runden ins Gespräch kam, ihr ganzer Besitz.

Und jeden Tag, wenn sie mit dem jungen, bettelnden Mann vor dem Kirchenportal sprach, nahmen sie sich gegenseitig etwas von ihrem Alleinesein. Wenigstens für einige Minuten.

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4 Kommentare zu „Runden

  1. Wie viele/wie wenige Menschen, nehmen solche Begebenheiten noch so sensibel wahr, wie Du?

    Dein kleiner Text ist so wichtig und wertvoll: Weil er mit seinen Worten ganz für sich, und für das, was er beschreibt, spricht.

    Es brauchte viel weniger große Kolumnen als solche Texte.

    Liebe Grüße und erholsameZeit an diesem Wochenende für Dich!

    1. Deine Worte sind immer wieder schön. Danke für sie.

      Das hier Erzählte entstand nur aus einem Eindruck heute morgen, eben jenem Bild der alten Dame im Gespräch mit dem Obdachlosen. Was wirklich dahintersteckte und ob och Wahrheit traf, … wer weiß?

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