Zu heute und längst

Ich weiß nicht, dürfte es uns überraschen? Die politische Kultur in der Form der frühen Demokraten ist doch schon längst zum Erliegen gekommen. Zu komplex ist das System der Staatslenkung, zu undurchsichtig die Verstrickungen, zu sehr bereichern sich oft die Dauerpolitiker, zu sehr wollen sie vor allem eins: Macht. Zu viele Bürger verlieren das Vertrauen in die alten Parteien, oder wie es in Amerika heißt, die alten Eliten.

Jetzt kommt da jemand, der außerhalb des Systems war, der ganz offensichtlich lügt und dem man trotzdem nicht hinter den Latz gucken kann, der aus Scheiße noch irgendetwas fabriziert, sowieso schon mächtig ist und der einfache, verständliche Reden schwingt. Und der immer, immer schon mit dem übergroßen Ego Erfolg hatte. Ugaugaugauuuuuuuh. Wirkt.

Unsere Fernsehsender bilden das Volk. Sie machen aus ihnen Castingzuschauer, lassen sie über Stimmen, über Musik, über Aussehen, über Können abstimmen und nun eben auch über Politik. Eigentlich war die ja sowieso die erste Castingshow, die es gab.

Die etablierten Parteien reagieren mit Anschuldigungen und sinnlosen Grabenkämpfen, jegliche demokratische Streitkultur ist eh kaputt. Obwohl meine Lehrer noch versuchten mir das System, die Politik näherzubringen, hat es mich damals schon gelangweilt. Es ist auch keine gelebte Demokratie, wenn ich nur einmal alle paar Jahre ein Kreuzchen setze und hoffe, dass nicht zu viele Programmpunkte Wahlkampfversprechen waren. Es ist eine Pflichterfüllung gegen Rechts.

Ich glaube, die Menschen wünschen sich ein einfaches, ein verständliches System. Darum hören sie auf einfache, verständliche Parolen. Es ist ihnen egal, dass die Welt es ist, die so komplex wurde, dass die Demokratie mit all ihren Ressorts deswegen so ausuferte. Ihr Leben ist ja ihr Leben geblieben.

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5 Kommentare zu „Zu heute und längst

  1. Und die Menschen wünschen sich wohl noch viel mehr das Gefühl von der Politik „gesehen“, „gehört“ zu werden. Endlich wieder den Eindruck: Meine Stimme zählt tatsächlich, ich bin Teil aktiver Demokratie, haben.

  2. Am Wochenende einen guten Artikel zum Thema USA gelesen. Da beschrieb der Autor wie sich viele Menschen abgehängt fühlen. Sie wissen, dass Trump nicht helfen wird aber er ist der Ziegelstein, der durch das Fenster geworfen wird.

  3. Eine 1 1/2 Jahre dauernde Sitcom ist zu Ende. Der Unterhaltungswert war hoch. Nun zieht man 90 % der gemachten Aussagen ab und blickt nach vorn. Kein Amerikaner erwartet, dass der (neue) Präsident alle seine Versprechen hält. Und wir in Deutschland haben ganz andere Sorgen.

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