Der Bettler

Er bat und weinte und … ja, bettelte. Worte, die ihm nie vorher über die Lippen gekommen waren, purzelten mit den Tränen aus ihm heraus. Er wollte jetzt alles: Besser werden, passender sein, nicht mehr so klammern, ihr mehr vertrauen. Nur bitte, bitte, verlassen sollte sie ihn nicht.

Mit jedem Betteln wurde ihr Mitleid größer. Und ihre Achtung weniger. So blieben sie zwar erst einmal zusammen, weil sie nicht stark genug war, die Trennung durchzuziehen, doch das Ende hatte sie schon gefühlt. Und bis dahin war alles ein Noch.

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10 Kommentare zu „Der Bettler

    1. Ja, es war seltsam. Ich hatte meinen Text schon im Kopf und da sah ich deinen. Er klingt dennoch wie ein anderer Typ, als den, den ich beschreibe, aber das Mädel ist 24/25, wie deine Tochter.

  1. Diese kurzen Texte haben es in sich – sie gefallen mir sehr gut. Teilweise wecken sie alte Erinnerungen… erstaunlich, wie zutreffend so manche Inhalte sind…

    Alles Liebe
    Nachtpoetin

    1. Deswegen ist meinem Schreiben wohl auch keine Grenze gesetzt: Weil ich mich dessen bediene, was mir passiert ist oder mir Dinge von anderen stibitze, dieich mit meiner Fantasie ausschmücke. Darum gibt es immer wieder Stücke, in denen man dich wiedererkennt.
      Danke für dein Kompliment und ich hoffe, du findest immer mal wieder was für dich.
      Lieber Gruß

      1. Auf gut Deutsch heißt es also, dass du dich neben deinen persönlichen Erfahrungen durch die Beiträge anderer inspirieren lässt.
        Ich drücke es lieber so aus; das Wort „stibitzen“ könnte man eventuell mit Ideenklau verbinden und das klingt für mich ein bisschen negativ 🙂
        Aber ich denke, dass es viele Blogger gibt, die diese Inspirationsmethode praktizieren; beim Lesen der Blogs fliegen einem wortwörtlich die Ideen zu. Und dadurch, dass es so gut wie nichts mehr gibt, über das noch nicht geschrieben wurde, glaube ich, dass sogar zahlreiche, auch erfolgreiche Schriftsteller sich dieser Vorgehensweise bedienen. Jeder hat irgendwo seine Inspirationsquelle. In seinem Herzen selbst oder beim „Fremdfischen“ 🙂

        Sogar wenn ich z. B. nur meine persönliche Erfahrungen in Worte fasse, kann es gut sein, dass sich andere dadurch angesprochen fühlen, beim Lesen eine Ähnlichkeit mit ihren eigenen Erfahrungen entdecken, obwohl ich gar nicht „stibitzt“ habe. Tja, das Leben kann man nicht neu erfinden, wir alle machen Ähnliches durch; der eine etwas mehr, der andere weniger…. aber irgendwo trifft man sich immer wieder auf dem Weg des Lebens…

        Alles Liebe
        Nachtpoetin

      2. Ach so, nein, ich meinte, ich stibitze aus dem Leben anderer – eher aus dem der Menschen um mich herum.
        So dürften Schriftsteller immer schon gehandelt haben. Mein Deutschlehrer sagte uns damals, dass Thomas Mann Menschen sah, sich merkte und sie Jahre später, wenn er sie gebrauchen konnte, als Personen in seine Bücher aufnahm.
        So ähnlich geht es mir. (Nicht, dass ich mich mit Mann vergleichen will.) Ich nehme mir halt Anregungen aus dem Leben anderer (selten aus Blogs, aber auch, wobei ich dann meist im letzten Satz auf die Blogs verweise). Das kann problematisch werden, wenn jemand das nicht möchte oder sich falsch wiedergegeben fühlt.
        Manchmal erkennen sich Menschen in Geschichten, die gar nicht sie meinten. Jeder hat eine andere Sicht auf sich selbst, sodass ich die Menschen ja nie hundertpro treffe.
        (Und der Beitrag, unter dem du gerade erst kommentiert hast, ist z.B. inspiriert durch „Peaky Blinders“.)
        Lieber Gruß!

      3. Ja, du hast recht, das mit den Blogs kann eventuell problematisch sein, weil die Tatsache, sich selbst, sein eigenes Innenleben irgendwann in einem fremden Beitrag wieder zu erkennen und wenn die Quelle noch dazu angegeben wurde, gefällt vielleicht nicht jedem; man fühlt sich vielleicht nicht ganz wohl dabei.
        Aber das stimmt schon, wie du schreibst, dass T. Mann und wie gesagt, auch viele andere namhafte Schriftsteller die Erfahrungen aus dem Leben anderer für ihre Geschichten verwenden und diese zusätzlich mittels eigener Fantasie ausschmücken – es sind dann Geschichten, die das Leben schreibt 🙂 und es ist ok.

        Die Frage ist immer nur die Authentizität, wenn man solche Geschichten z. B. in der Ich-Form schreibt.
        Ich weiß nicht, ob ich das könnte. Eine „fremde“ Erfahrung als die meine (also in der Ich-Form) authentisch genug zu erzählen. Ich glaube, man kann nie hundertprozentig in die Gedanken, in die Gefühle eines Menschen „hineinschauen“, die Abgründe seiner Erfahrung vollkommen identisch nachempfinden – außer vielleicht, man hat haargenau die gleiche Erfahrung durchlebt. Aber sogar dann gibt es mehrere Perspektiven – so, wie du gemeint hast – da wir absolute Individuen sind, auch mit einigen blinden Flecken, die oft nicht einmal wir selbst sehen, bzw. erkennen können. Aber in diesem Fall kann man ja in der dritten Person erzählen und die eventuellen gefühlsmäßigen Lücken einer „fremden“ Erfahrung mittels eigener Fantasie ausfüllen.

        Es ist insgesamt ein interessantes Thema, über dessen psychologische Aspekte man noch lange diskutieren, bzw. Meinungen austauschen könnte.
        Ich muss zugeben, dass ich die zu deinem letzten Beitrag erwähnte TV-Serie nicht kannte; musste erstmals googeln 🙂
        Aber das spricht umso mehr für deinen Schreibstil; ohne den Hintergrund gekannt zu haben, fand ich, dass du die Gefühlswelten deiner „unbekannten“ Protagonisten sehr gut eingefangen hast. Eine schöne Geschichte!

        Alles Liebe
        Nachtpoetin

      4. Also ob du mit den „Ich“-Artikeln recht hast, weiß ich nicht. Muss ich wirklich erlebt haben, was ich in die Ich-Form bringe? Wie authentisch muss es sein?
        Ich hatte hier mal die Charaktere-Reihe, die sicher klischeehaft sind, dennoch ganz gut ankamen, und gar nichts mit mir selbst zu tun haben. Vielleicht hast du ja Lust, zwei oder drei zu lesen:
        – einmal habe ich mich in eine klammernde Mutter reinversetzt: https://gescheuchteigel.wordpress.com/2016/06/09/hubschraubend-charaktere/
        – einmal in einen der „coolen“ Jugendlichen: https://gescheuchteigel.wordpress.com/2016/03/10/bock/
        – und in eine Frau, die … das will ich nicht vorweg greifen: https://gescheuchteigel.wordpress.com/2015/12/21/ubrig/
        Und dann sage mir ruhig deine ehrliche Meinung, auch wenn du es zu klischeeentsprechend findest.
        Lieber Gruß!

      5. Vielen Dank für deine Empfehlungen! Es ehrt mich, dass dich meine persönliche Meinung interessiert. Ich habe alle drei gelesen und sie bereits ausführlich kommentiert – ich finde sie toll; sie haben mir sehr gut gefallen!

        Alles Liebe
        Nachtpoetin

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